Basel
In der Schorenstadt lebt man dicht beieinander – und doch froh

Neue Wohnräume entwickeln sich, die trotz Verdichtung überzeugen wollen: Das Bau- und Verkehrsdepartement stellte am Montag drei Bauprojekte im Schoren-Areal vor.

Dominique Waldmann
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Kinder dominieren die Wege der jungen Schorenstadt.

Kinder dominieren die Wege der jungen Schorenstadt.

Hanspeter Baertschi

Basel hat in den letzten zehn Jahren 20'000 Arbeitsplätze geschaffen. Basel hat aber einen niedrigen Wohnungsleerstand, Basel braucht also mehr Wohnungen. Da das Stadtgebiet aber begrenzt ist, lautet die Schlussfolgerung: Wir müssen näher beieinander leben. Am Montag hat das Bau- und Verkehrsdepartement seine drei Bauprojekte im Schoren-Areal vorgestellt. Mit diesem Beispiel möchte das Departement zeigen, dass sich eine höhere Dichte nicht negativ auf die Wohnqualität auswirken muss. Wo sich früher Gewächshäuser, Büros und Parkplätze der Novartis befanden, steht heute die «Schorenstadt» (siehe Bild), wie es Martin Sandtner, Leiter des Planungsamts, nennt. Aber auch eine Baustelle und zwei Wolkenkratzer befinden sich im Hirzbrunnen. Bis 2018 sollen hier Wohnungen für rund 800 Personen entstehen.

Öko-Stadt braucht mehr Parkplätze

Ein Teil davon steht schon: die Schorenstadt. Das Städtchen umfasst 43 Häuser und 22 Wohnungen. Seit letztem Dezember wohnen in den holzbraunen Reihenhäusern mehrheitlich junge Familien. Das bleibt nicht unbemerkt: Pinke, blaue und rote Kindervelos türmen sich zwischen den offenen Vorgärten. Auf den geteerten Weglein dazwischen grinsen die mit Kreide gemalten Gesichter den Besucher an.

Von dichtem Wohnen merke man hier gar nichts, sagt Sandtner. Dabei wurde dieser Aspekt bewusst in den Bebauungsplan einbezogen. Die Reihenhäuser sind dreistöckig. Damit die Verdichtung nicht spürbar wird, entwarf das Architektenbüro Burckhardt+Partner offene und übergehende Vorgärten im Erdgeschoss. Diese «fehlende» Privatsphäre werde durch die Dachgärten, die bei jedem Haus vorhanden sind, wieder gut gemacht. Tatsächlich spriessen auf den Vorgärten etliche grüne Pflanzen, bis auf den Weg hinaus. Durch die teilweise mit Bäumen bestückten Dachgärten wirkt die Schorenstadt noch grüner. Sogar die Grundmauern der Häuser entstanden durch eine «Holzhybridbauweise».

Das scheint aber zur «Stadt» zu passen. «Die Anwohner haben eine 2000-Watt-Vereinbarung unterschrieben», sagt Marco Husmann von der Burckhardt+Partner AG. Die Vereinbarung sei aber nicht verbindlich. Der Anwohner verspreche damit, dass er die «2000 Watt pro Kopf»-Grenze einzuhalten versucht. Dazu gehört etwa auch der Verzicht auf ein eigenes Auto. Für die Schorenstadt stehen 49 Parkplätze zur Verfügung, was 0,75 Parkplätzen pro Wohnstätte (65 insgesamt) entspricht. «Das führt zu illegalem Parkieren», sagt Peter Meyer, ein Anwohner, der schon seit 40 Jahren im Quartier lebt. Weitere Parkplätze seien nicht in Planung, sagt Sandtner. Für Meyer hat das Quartier noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Der öffentliche Verkehr fahre nur alle 15 Minuten und erst im Jahr 2018 wird über die lang versprochene Verkürzung diskutiert.

Für die neuen Wohnungen gebe es weiterhin zu wenig Einkaufsmöglichkeiten, der Coop gleich um die Ecke sei zu klein für die neuen Wohnungen im 2018. Schon gestern stand die Schlange um 12 Uhr beinahe bis draussen, als sich Mütter mit ihren Kindern Glacé und Bauarbeiter ihr Bier kaufen wollten. Ansonsten gefällt Meyer die Schorenstadt aber gut, er nennt es ein «Glücksensemble» und schätzt sie als sehr familienfreundlich ein: «Die Leute hier sind sehr offen und suchen aktiv den Kontakt mit ihren Nachbarn. Bereits jetzt wurden schon viele Strassenfeste veranstaltet.» Ein Reihenhaus in der Schorenstadt kostet etwa 1,2 bis 1,8 Millionen Franken.

Mehr Diversität für das Quartier

Neben den Reihenhäusern lärmt eine Baustelle, auf ihr sollen 97 Wohnungen aus dem Boden gestampft werden. Die beiden «Baukörper», so das Bau- und Verkehrsdepartement, werden vierstöckig und mit einem grünen Innenhof versehen. Im Jahr 2018 werden sie fertiggestellt. Blickt man über die Strasse, ist gleich eine zweite Baustelle zu sehen. Auf ihr stehen aber schon zwei Wolkenkratzer. Sie ragen mehr als 50 Meter in die Luft. Auf dem Weg nach oben beherbergen sie zusammen 137 Wohnungen, die im September bezogen werden können. Die Wohntürme und die Wohnungen mit Innenhof werden dichter besiedelt sein als die Schorenstadt. Durch die drei unterschiedlichen Wohnbereiche soll die Durchmischung angeregt werden.