Sanierung
In einzigartigem Projekt wird der Giftboden in Hüningen komplett ersetzt

Die industrielle Kläranlage in Huningue (F) wird seit 2012 zurückgebaut; der kontaminierte Boden muss saniert werden. An den Kosten von rund 127 Millionen Franken beteiligt sich unter anderem auch Novartis.

Janine Müller
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Besichtigung des kontaminierten Geländes in Hüningen
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Auch auf dem Gelände der ARA STEIH sind Bagger am Werk. Die ARA wird seit 2012 zurückgebaut.
Der kontaminierte Boden muss saniert werden, giftige Chemierückstände befinden sich darin.
Der Boden ist bis 14 Meter unter der Erdoberfläche mit Altlasten des Pestizides Lindan verschmutzt.
Die Schutzvorkehrungen für die Arbeiter sind streng: Dort, wo der Boden nachweislich hoch belastet ist, sind weisse Zelte aufgestellt.
Die Arbeiter müssen dort Ganzkörperanzüge tragen und sind mit Sauerstoffflaschen versorgt.
Der kontaminierte Schutt wird über ein Rohr aus den Zelten hinaustransportiert...
...und auf Transportschiffe verladen – luftdicht abgeschlossen.
Die Novartis plant rund 500 Parkplätze auf dem Gelände, der Rest soll vorerst begrünt werden.

Besichtigung des kontaminierten Geländes in Hüningen

Nicole Nars-Zimmer

Die Szenerie ist bizarr. Gebäude der Pharmaindustrie prägen das Bild, einige werden abgerissen. Die Luft riecht nach Industrie und Abbruch. Freiwillig kommt kaum ein Mensch hierher an den Rhein in der Gemeinde Huningue (F), wo sich die ehemalige Abwasserreinigungsanlage ARA Steih befindet.

Auf dem Gelände sind Bagger am Werk. Das Gebäude wird seit 2012 zurückgebaut. Der kontaminierte Boden muss saniert werden, giftige Chemierückstände befinden sich darin. Es ist ein sensibles Projekt, die Sanierungsarbeiten sind aufwendig. Es sei weltweit einzigartig, sagt Geschäftsführer Claude Muller. «Es ist selten, dass der ganze Boden ausgehoben, untersucht und vollständig ersetzt wird.»

Der Boden ist bis 14 Meter unter der Erdoberfläche mit Altlasten des Pestizids Lindan verschmutzt. Lindan wurde vor 1973 auf diesem Boden vom Insektizid-Hersteller Ugine Kuhlmann produziert. Heute dürfe dieses Pestizid weltweit nicht mehr hergestellt werden, sagt Felix Räber, Mediensprecher der Novartis.

Ganzkörperanzüge und Sauerstoff

Die Schutzvorkehrungen für die Arbeiter sind streng: Dort, wo der Boden nachweislich hoch belastet ist, sind weisse Zelte aufgestellt. Die Arbeiter müssen dort Ganzkörperanzüge tragen und sind mit Sauerstoffflaschen versorgt. Die Kabinen der Bagger sind ebenfalls mit Sauerstoffflaschen versehen, damit die Baggerführer keine Schutzmasken tragen müssen, welche sie in ihrer Arbeit behindern könnten. Der kontaminierte Schutt wird über ein Rohr aus den Zelten hinaustransportiert und - luftdicht abgeschlossen - auf Transportschiffe verladen.

Die verschmutzte Erde wird nach Dänemark, Holland und Deutschland verfrachtet, wo sie erhitzt wird, bis die Schadstoffe entwichen sind. «Die Vorgaben der Novartis sind klar: Die kontaminierte Erde darf nirgends auf der Welt deponiert werden», sagt Mediensprecher Räber. 226 000 Kubikmeter Erde gilt es auszuheben, zu analysieren und zu waschen. Bis heute wurden bereits 60 000 Tonnen Erde abtransportiert.

Die ARA wurde seit 1980 von den Unternehmen Novartis, Clariant, TFL und BASF genutzt. 99,5 Prozent der Anlage gehören Novartis. Die gesamte Sanierung muss von den Nutzern berappt werden. Wer wie viel der Kosten von rund 127 Millionen Franken übernimmt, ist noch unklar. Die Verursacherfirma kann wegen Bankrotts nicht mehr belangbar gemacht werden.

Die Sanierung und der Rückbau wird gemäss Muller bis in einem Jahr fertig sein - sofern es keine bösen Überraschungen gibt. Die Novartis plant 500 Parkplätze auf dem Gelände, der Rest soll begrünt werden. Konkrete Projekte gibt es nicht. Verhandlungen zwischen Basel, Deutschland und Frankreich sind im Rahmen der Dreiländer-Vision im Gang.

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