Vergeblich
In keinem anderen Kanton gibt es so viele Fehlalarme wie in Basel-Stadt

5606 Mal musste die Basler Feuerwehr im Jahr 2015 ausrücken. Feuer löschen musste sie nur in 401 Fällen. Am meisten ausgerückt sind die Feuerwehrleute wegen Fehlalarmen. Insgesamt 2445 Mal. In keinem anderen Kanton gibt es anteilmässig so viele Fehlalarme wie in Basel-Stadt.

Noemi Lea Landolt
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Nur ein Fehlalarm: Feuerwehrleute stellen die Alarmanlage eines Kinos in Basel ein.

Nur ein Fehlalarm: Feuerwehrleute stellen die Alarmanlage eines Kinos in Basel ein.

KEYSTONE

Manchmal reicht ein Toaster. Ein schadhafter Toaster. Einer von zu Hause, der im Kinderspital gemäss Hausordnung nichts verloren hätte. Aber irgendwie hat er es trotzdem da rein geschafft, und der Stecker fand den Weg in eine Steckdose. Anstatt knusprige Brotscheiben, gab es einen Schwelbrand. Die Brandmeldeanlage löste einen Feueralarm aus. Anschliessend kam es zum kapitalen Kurzschluss.

Es sind harmlose Einsätze für Betriebsfeuerwehrleute. Sie müssen keine Patienten evakuieren und auch keinen Brand löschen. In der Statistik heissen diese Einsätze «Täuschungsalarme». Im Kinderspital seien solche relativ selten. «Sie haben sich seit 2013 bei zwei Alarmen pro Jahr eingependelt», sagt Mediensprecherin Deborah Wallrabenstein.

Nicht auf den Knopf drücken

Nicht nur Toaster halten die Betriebsfeuerwehr im Kinderspital auf Trab. Seit 2011 rückte sie zweimal wegen überhitzten Wasserkochern, zweimal wegen falscher Bedienung einer Mikrowelle und einmal wegen Popcorn aus. Die Beziehung der Angestellten, Angehörigen und Patienten zu Küchengeräten scheint nicht die Beste zu sein. Der Spitzenreiter der letzten fünf Jahre ist aber der Handtaster. Acht Mal wurde er grundlos gedrückt. Ob das an der magischen Anziehung zwischen Kindern und Knöpfen liegt?

So selten wie im Kinderspital sind Fehlalarme nicht. Das zeigt ein Blick in die jährliche Statistik der Feuerwehr Koordination Schweiz: 5606 Mal rückte die Feuerwehr im Kanton Basel-Stadt 2015 aus. Feuer löschen musste sie nur 401 Mal. Die meisten Alarme, nämlich 2445, betrafen unechte Alarme. Das entspricht satten 43,6 Prozent. Dieser Anteil an Fehlalarmen ist fast doppelt so hoch wie der Schweizer Durchschnitt von 22,9 Prozent.

Über 1000 Einsätze bei der Roche

Das liege an der urbanen Struktur des Kantons und der ansässigen Industrie. In Basel seien viele Gebäude mit Gefahrenmeldeanlagen ausgerüstet. «Diese sind für die meisten unechten Alarme verantwortlich», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements.

Auf dem Areal der Roche stehen mehr als 30 000 solcher Brand- und Gasmelder. Letztes Jahr musste die Werkfeuerwehr der Pharma-Firma insgesamt 2291 Mal ausrücken, davon 1690 (73,8 %) Mal wegen eines Brandmelders. Das ist mehr als in einem durchschnittlichen Jahr und dürfte sich in der noch nicht publizierten Jahresstatistik der Feuerwehr Koordination Schweiz von 2016 niederschlagen.

Verantwortlich für die starke Zunahme an unechten Alarmen auf dem Basler Roche-Areal im Jahr 2016 seien die vielen Baustellen und die damit verbundenen Emissionen. Die modernen Brandmelder sind sehr sensibel. Sie reagieren im Falle eines Feuers auf Russpartikel und Hitze. «Aber sie reagieren auch auf Staubpartikel, Wasserdampf und Erschütterungen», sagt Roche-Mediensprecher Karsten Kleine. Alles Dinge, die zu einer Grossbaustelle dazugehören.

Trotzdem verzichtet Roche darauf, die Melder im Baustellenbereich auszuschalten und so unechte Alarme zu verhindern. «Wir würden dadurch bewusst ein höheres Risiko eingehen, dies würde zu einer Verminderung der Sicherheit von Mitarbeitenden, Fremdhandwerkern und Anwohnern führen», sagt Kleine.

1500 Franken pro Einsatz

Der Ernstfall ist auch bei der Betriebsfeuerwehr Dreispitz selten. Letztes Jahr rückte sie 58 Mal aus. Etwas zu tun hatte sie aber nur in 13 Fällen. «Diese Quote ist im Vergleich zu den Vorjahren normal», sagt Toni Schürmann, Mediensprecher der Christoph Merian-Stiftung, die das Areal verwaltet. Grund für die häufigen Fehlalarme sind auch auf dem Dreispitz-Areal die sensiblen Brandmelder.

Aber auch die CMS will nichts ändern, damit falsche Alarme seltener werden. «Die Feuerwehrleute rücken jedes Mal aus, auch wenn sie manchmal denken, ‹nicht schon wieder, das ist sicher ein Fehlalarm›», sagt Schürmann. Oft sei es dann gerade in diesen Fällen trotzdem ernst. Gratis sind die vergeblichen Einsätze nicht. Es gilt die Gebührenverordnung der Feuerwehr. «Pro Fehlalarm werden pauschal 1500 Franken verrechnet», sagt Schütz. Allfällige Wartezeiten kosten zusätzlich. Die Kosten bezahlt der Besitzer der Anlage. Durch die Verrechnung der Einsätze sei es «im Interesse der Besitzer der Anlagen, unechte Alarme zu vermeiden», sagt Schütz. Sanktionen für Wiederholungstäter seien keine vorgesehen. «Wird trotzdem eine Häufung der Alarme festgestellt, kann die Berufsfeuerwehr zusammen mit der Feuerpolizei und dem betroffenen Besitzer bezüglich Betrieb und Unterhalt der Anlage ein Gespräch führen», sagt Schütz. Dies komme aber sehr selten vor.