Dreiland
In Lörrach steht das erste Dreiländermuseum Europas

Im September wurde aus dem ehemaligen Lörracher Museum am Burghof das Dreiländermuseum. Dort gibt es viele Mitmach- und Hörstationen sowie Filme. Auf 400 Quadratmetern wird ein breites Themenspektrum gezeigt - von der Esskultur im Dreiland bis zur Geschichte des Dritten Reichs.

Peter Schenk
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Direktor Markus Möhring präsentiert das neue Logo des Dreiländermuseums.

Direktor Markus Möhring präsentiert das neue Logo des Dreiländermuseums.

zvg/Archiv

Europas erstes Dreiländermuseum thematisiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Nachbarländer Deutschland, Schweiz und Frankreich am Beispiel der wechselvollen Geschichte und Gegenwart der Region am Oberrhein. Die Sammlung, aus der die Dauerausstellung bestückt ist, ist in den letzten Jahren beständig gewachsen. «Von 50 000 Objekten werden 2000 gezeigt», erklärt Museumsdirektor Markus Möhring. Das Museum ist konsequent zweisprachig Deutsch/Französisch aufgebaut.

Im September wurde das ehemalige Lörracher Museum am Burghof in Dreiländermuseum umbenannt. Neben der Dauerausstellung gibt es alle vier bis fünf Monate Sonderausstellungen – die Hälfte davon widmet sich dem Dreiländeraspekt. Noch bis zum 24. Februar ist auf 400 Quadratmetern die Ausstellung «Zu Tisch im Elsass, in Baden und der Schweiz» zu sehen. Da finden sich ein alter Handwagen, mit dem im 19. Jahrhundert eine Markfrau aus Lörrach Stetten auf den Markt zog, historische Fotos und Postkarten von Märkten und an einer Mitmachstation kann man sein Wissen über die verschiedenen Namen von Gemüse und Obst auf Deutsch, Französisch und auf Dialekt testen.

Oberrhein-Küche gibt es nicht

An anderer Stelle kann man mit Hilfe eines Mörsers seinen Geruchssinn testen. Obwohl elsässische und badische Hausangestellte Rezepte aus ihren Regionen in die Basler Bürgerhäuser brachten, gibt es am Oberrhein keine einheitliche Küche. Kochbücher beschränken sich aufs Elsass oder Baden, in der Nordwestschweiz auf einzelne Kantone oder Städte.

«In der Dauerausstellung geht es uns um die Bewusstmachung des Raumes», betont Markus Möhring. Dabei sei der Rhein als Mitte der Regio zu verstehen. Das Museum, das auch viel von Gruppen besucht wird, hat etliche Mitmachstationen. An einer gilt es Gerüche wie den des Zolli, der Chemie, von Schinkenspeck oder Honig zu erraten. 60 Hörstationen vermitteln die Geschichte des Dreilands über kurze Hörspiele, in einem Raum kann man sich zehn 7-Minutenfilme über Themen wie die Entstehung des Kantons Jura oder das Dreiländertreffen von François Mitterrand, Helmut Kohl und Pascal Delamuraz in Basel 1989 ansehen.

Geschichte: «Netzwerke»

Die Gründung des Dreiländermuseums erfolgte im Rahmen eines Interreg-Projekts mit einem Budget von 3,1 Millionen Franken. Das Geld ist nicht nur für die Ausstellungsaktivitäten vor Ort bestimmt, sondern auch für die Organisation von zwei grossen Netzwerken. Das neu gegründete Dreiländer-Netzwerk der Geschichtsvereine vereint über 10 000 Geschichtsinteressierte und 200 Vereine - ein Fünftel davon aus der Schweiz. Ausserdem hat das Dreiländermuseum ein Museumsnetzwerk initiiert. Das erste gemeinsame Projekt der Museen widmet sich 2014 dem Ersten Weltkrieg mit über 20 Ausstellungen. Aus den beiden Basel nehmen das Historische Museum, das Museum der Kulturen und das Museum.BL, Liestal daran teil. (psc)

Elsass seit 1648 französisch

Die Besucher kommen zu 20 Prozent aus der Schweiz, zu 15 Prozent aus Frankreich und der Rest aus Deutschland. Die Deutschen und Schweizer seien oft erstaunt zu erfahren, dass das Elsass schon seit 1648 zu Frankreich gehörte und dies also eine lange Tradition habe, so Möhring.

Spielten Grenzen im Dreiland lange Zeit so gut wie keine Rolle, sollte sich das im 20. Jahrhundert gründlich ändern. So war seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz für zehn Jahre bis 1949 ganz geschlossen.

Eindrücklich ist eine Fotoserie von der Deportation der Lörracher Juden. 2013 wird das Museum eine Sonderausstellung zum Nationalsozialismus in Lörrach zeigen, die auf den Ergebnissen eines dreijährigen Forschungsprojekts beruht, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Sehr gut und eindrücklich dokumentiert ist auch der Teil der Ausstellung über die Annexion des Elsass durch die Nationalsozialisten. «Unsere Sammlung dazu ist grösser als im Elsass selbst», sagt Möhring.

Dreiländermuseum, Baslerstrasse 143, Lörrach. Mi-Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr, 31.12./1.1. geschlossen. www.dreilaendermuseum.eu