In Riehen wächst der Unmut über die bisher zu wenig wirksame Zollfreistrasse. Gleich 30 von insgesamt 40 Einwohnerräten aus allen Fraktionen unterschrieben zu diesem Thema einen Anzug von Roland Engeler (SP), der dem Riehener Gemeinderat am Mittwochabend an der Einwohnerratssitzung mit grosser Wahrscheinlichkeit überwiesen wird. Demnach soll der Gemeinderat prüfen, wie die Stauproblematik in Zusammenarbeit mit dem Kanton und dem Bund möglichst rasch beseitigt werden kann.

Die neue Zollfreistrasse soll mit verschiedenen Massnahmen für Autofahrer attraktiver gemacht werden. «Wir wollen dem Gemeinderat den Rücken stärken, damit er gegenüber dem Kanton Basel-Stadt noch pointierter auftreten kann», betont Engeler.

Belastender Quartierverkehr

Der Kanton müsse aus Riehen ein Signal bekommen, was Riehen wirklich will. «Der Kanton muss die Kompetenzen, die er in dieser Sache hat, nutzen», fordert Engeler. In den nächsten fünf Jahren werden mit der Lörracherstrasse und der Äusseren Baselstrasse die zwei zentralen Verkehrsachsen nach Riehen saniert. Der Quartierverkehr wird noch grösser werden als aktuell bei der Teilsperrung der Grenzachstrasse, die vor allem das Niederholzquartier zu spüren bekommt.

Über den belastenden Quartierverkehr diskutieren seit vergangenem Montag auch die beiden Petitionskommissionen des Grossen Rats und des Riehener Einwohnerrats, die sich mit Petitionen aus dem Niederholz- und Kornfeldquartier beschäftigen müssen. Zollfreistrasse klarer markieren. Dass die Zollfreistrasse noch nicht die erhoffte Wirkung erzielt, hat mehrere Gründe: Es fehlt der geplante Kreisel an der Dammstrasse in Lörrach, der die Zufahrt auf die Zollfreistrasse erleichtern würde.

Dazu muss der Wiesenkreisel in Basel so ausgestaltet werden, dass die Zufahrt auf die Strasse attraktiver wird. Dies ist aber erst möglich, wenn die Bauarbeiten an der Autobahnzufahrt Rheinhafen abgeschlossen sind. Laut Bundesamt für Strassen (Astra) dauern diese noch bis im Oktober. Auch muss der Kreisel beim Zoll Otterbach durchlässiger werden, damit dort das Stauaufkommen abnimmt.

«Zusammen mit flankierenden Massnahmen wie eine offensivere Aufklärung und Beschilderung der Ausweichroute Zollfreistrasse werden diese baulichen Massnahmen dazu führen, dass Riehen bis zum Start der Strassensanierungen 2016 entlastet wird», ist Gemeinderat Guido Vogel (SP) überzeugt. Mit Massnahmen wie Einbahnstrassenverkehr sollen die Quartiere als Ausweichrouten unattraktiv gemacht werden. Der Vorsteher Tiefbau selbst hat aber ganz andere Wünsche. «Eigentlich sollte Riehen nur über einen Zubringerdienst für Autos erreichbar sein.» Vogel weiss, dass dies nur ein frommer Wunsch ist, der rechtlich kaum umsetzbar ist.

Strasse noch zu wenig bekannt

Für den Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz sind nicht nur die fehlenden Strassenprojekte schuld an der zu wenig genutzten Zollfreistrasse. «Die Strasse ist vielleicht in den Köpfen vieler Automobilisten noch nicht verankert.» Zusammen mit Riehen arbeite man an einer höheren Akzeptanz der Strasse. Für Lutz ist klar, dass die bestmögliche Entlastung vom Durchgangsverkehr der öffentliche Verkehr darstellt. «Wir brauchen unbedingt den 15-Minuten Takt auf der S6 von Basel ins Wiesental.» Doch das dauert noch Jahre, darin sind sich alle einig.