Gibt es tatsächlich Basler, die aus zeitlichen Gründen nach Deutschland fahren, weil die Migros um die Ecke schon geschlossen hat? Der Einkaufstourismus aufgrund guter Wechselkurse und tiefer Preise floriert natürlich. Auch am Samstag stehen im Parkhaus viele Wagen mit Schweizer Kennzeichen. Mit Ladenschluss in Basel hat er aber nichts zu tun. Es scheint eher, dass hier Grosseinkäufe gemacht werden. Überquellende Einkaufswagen, beladen mit all den Artikeln, von denen der gewiefte Grenzgänger weiss, dass sie in Deutschland bedeutend günstiger zu haben sind als in der Schweiz. Für die routinierten Einkaufstouristen spielt es keine Rolle, ob sie am Samstag Nachmittag oder gar unter der Woche hierherkommen. Hier in Weil findet man keine Schweizer, die abends nach der Arbeit noch rasch ennet der Grenze Milch und Brot fürs sonntägliche Frühstück einkaufen.

Der Streit um die Öffnungszeiten

Vor einem Coop Pronto in Basel hat ein junger Mann Bier gekauft und trauert nicht: Er sei froh, wenn er Essen und Trinken auch nach 18 Uhr kaufen könne. Das sei gut möglich in Basel. Neue Schuhe oder elektronische Artikel würden ja nur mässig pressieren. Dem Grossen Rat wird nun eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten samstags bis 20 Uhr vorgelegt (die bz berichtete). Mit dieser moderaten Änderung stehen die Chancen für ein Ja im Prinzip nicht schlecht. Die Gewerkschaften haben aber bereits angekündigt, dass sie das Referendum ergreifen würden. Ohne Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für den Detailhandel würden erst gar keine Diskussionen über einen späteren Ladenschluss geführt.

Fragwürdiges Shopping-Erlebnis

Das Rhein Center ist an sich schon ein lauter, greller Ort, der einem Kopfschmerzen bereiten kann. Der Einkaufstempel hat regulär bis um 22 Uhr geöffnet. Am Samstag standen die Türen bis um Mitternacht offen. Die Einladung «zu verweilen» und zu «erleben» mutete wie ein schlechter Witz an. Shopping soll eine vergnügliche Sache sein, mit der man sogar einen Samstagabend rumbringen kann. Shopping ist ja etwas anderes als Einkaufen. Shopping will eben «Erleben» sein, eine erfrischende und selig machende Beschäftigung. Es bleibt selbstverständlich jedem Konsumenten selbst überlassen, ob er bis in die Nacht von Laden zu Laden flanieren will.

Den Angestellten wird diese Entscheidung abgenommen. Immerhin wird in Basel betont, dass verlängerte Ladenöffnungszeiten nicht längere, sondern veränderte Arbeitszeiten bedeuten. Man muss sich aber auch fragen, ob es richtig ist, den Detailhandelsangestellten diejenigen Zeitfenster zuzupflastern, die das grösste soziale Potenzial aufweisen. Der Journalist hat seinen Samstagabend im Rhein Center verbracht. Arbeiten am Wochenende gehört in diesem Beruf dazu. Das ist auch nicht weiter schlimm. Es sei denn, man muss einen Abend in einem Einkaufszentrum verbringen.