Die Zahlen sind beeindruckend. Allein in Basel-Stadt gab es mit drei neuen Hotels 2014 rund 400 neue Hotelzimmer und in den folgenden Jahren sind noch einmal 410 geplant. Und da ist vom neuen Fünfsternehotel Mövenpick, das die 220 Zimmer des Hilton, das im August schliesst, um 40 aufstockt, noch gar nicht die Rede.

Weitere Projekte sind das Ibis Styles Basel City an der Grosspeterstrasse, das mit seinen 186 Zimmern im ersten Halbjahr 2017 eröffnet wird und das Budget Hotel Motel One am Barfi, das im Sommer 2016 mit 143 Zimmern aufgehen soll. Damit nicht genug: Die Krafft Gruppe plant für Januar 2016 am Brunngässlein ein Viersternehotel mit 65 Zimmern und auch im Volkshaus tut sich was. Die Baubewilligung liegt vor, Zimmerzahl und Eröffnungstermin befinden sich laut Architekt Leopold Weinberg noch in der Evaluation. Früher war von 16 Zimmern und drei Sternen die Rede.

Ausland will Stück vom Kuchen

Auch im nahen Dreiland, meist in Grenznähe, haben die Investoren begriffen, dass die Region Basel mit ihren vielen grossen Messen ein gutes Pflaster für Hotelprojekte ist. Beim Lörracher Bahnhof, und somit in S-Bahn-Nähe, wurde letztes Jahr der Grundstein für ein Viersternehotel mit 160 Zimmern gelegt und im Rheincenter wird das bestehende Hotel Dreiländerbrücke noch dieses Jahr um 77 Zimmer erweitert.

Direkt am Zoll Hiltalingerstrasse weist eine Baugrube auf das dort geplante Zweisterne-B&B-Hotel mit 90 Zimmern hin. Laut dem Weiler Baubürgermeister Christoph Huber soll es 2015 fertiggestellt werden. Beide Hotels werden direkt an die Tramhaltestelle nach Basel gebaut. Ein weiteres, allerdings kleines Hotel, ist für den Weiler Stadtteil Haltingen im Gespräch. Huber berichtet zwar von Kontakten, zu Zimmerzahl und Zeithorizont kann er aber noch nichts sagen.

Vorwärts geht es auf dem Euro-Airport (EAP). Lange Jahre waren die schon 2009 angekündigten beiden Zweisterne- und Dreisternehotels aufgrund des Widerstands des Maires von Saint-Louis blockiert. Der neue Maire hat diesen aufgegeben und die Baubewilligung wurde eingereicht. Eine Antwort wird laut EAP-Mediensprecherin Vivienne Gaskell für Ende März erwartet. Die 200 Zimmer sollten innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt werden. Betrieben werden die Hotels vom Genfer Familienbetrieb Canonica.

Etwas weniger konkret sind weitere Projekte im nahen Elsass. In Huningue soll zwischen Dreiländerbrücke und Campingplatz ein Hotel mit 50 Zimmern entstehen. Das Projekt ist seit Jahren im Gespräch, genauere Informationen gibt es noch nicht. Noch nicht spruchreif seien auch Vorhaben in Saint-Louis. Maire Jean-Marie Zoellé berichtet aber von Gesprächen mit mehreren interessierten Investoren.

Zählt man alle 2014 entstandenen und in den nächsten Jahren geplanten Hotelzimmer zusammen, kommt man mit 1376 Zimmern auf eine beeindruckende Zahl, mit den 50 Zimmern von Huningue sogar deutlich über 1400. Die Sorge, dass dies zu viel sein könnte, hält sich bei den Verantwortlichen in Grenzen. Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, sieht es positiv: «Die Absicht, in die hiesige Tourismusbranche zu investieren, freut uns natürlich. Sie bedeutet, dass auch die Marktteilnehmer das zukünftige Potenzial von Basel als Tourismusdestination positiv einschätzen.»

Höhere Erträge pro Zimmer

Egloff glaubt zwar, dass mit den neuen Angeboten die Konkurrenzsituation verschärft wird und der Druck auf die Preise zunehme, verweist aber auf die Vergangenheit. «Die durchschnittlichen Erträge pro Zimmer sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.» Er erklärt das damit, dass trotz kräftigen Wachstums beim Zimmerangebot, die Nachfrage nach Zimmern noch grösser war – die Übernachtungszahlen in Basel also beständig gestiegen sind.

Ganz ähnlich argumentiert Felix W. Hauser, Präsident des Basler Hotelier Vereins. «Im 2014 hat Basel zum neunten Mal in Folge einen Rekord aufgestellt; von 2013 auf 2014 waren es über fünf Prozent Zunahme. Wo die Nachfrage besteht, werden auch Investitionen getätigt.»

Ferner verweist Hauser darauf, dass das Hilton mit seinen 220 Zimmern im August geschlossen wird und mindestens zweieinhalb Jahre vergehen werden, bis das neue Mövenpick da ist. Hauser ist überzeugt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt: «Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich mir für Basel vor allem zusätzlich zwei bis drei Fünfstern-Hotels wünschen würde. Die Nachfrage ist da, nicht nur zu den Messen, und dies würde den gesamten Markt qualitativ nach oben ziehen.»

Keine Angst vor dem Ausland

Differenziert betrachtet Hauser die Konkurrenz aus dem nahen Ausland: Aufgrund der Frankenstärke könne sie zwar wehtun, aber niemand wisse, wie sich die Währungssituation entwickle. Zudem sei die Lage eines Hotels schon immer ein entscheidender Faktor. «Wenn ein Gast nach Basel will oder muss, wird er nicht nach Lörrach oder Weil ausweichen.»

Das sieht Daniel Egloff genauso: «Für die zentrale Lage eines Hotels ist der Gast auch bereit einen Mehrpreis zu bezahlen – sowohl der Freizeit- wie auch der Geschäftsgast.»