Es ist ein riesiges Projekt. Unter der Federführung von Novartis wird seit April 2012 das Gelände der alten Industriekläranlage Steih saniert. 55'000 Kubikmeter sind bis zu einer Tiefe von 14 Metern mit Nebenprodukten der Lindanproduktion verunreinigt.

Am 24. September 2013 mussten die Arbeiten wegen Geruchs- und Staubemissionen im unteren Kleinbasel und im St. Johann unterbrochen werden. Die Steih befindet sich in der Industriezone von Huningue (F) und direkt neben der Grenze zu Basel und dem Novartis Campus. Es dauerte über ein Jahr, bis die Sanierungsarbeiten mit einer neuen Firma im November 2014 schrittweise über einen Zeitraum von rund sechs Monaten wieder aufgenommen wurden.

Bisher ein Drittel ausgehoben

Während der Testphase wurde «jede Tätigkeit einzeln in Betrieb genommen und messtechnisch begleitet», berichtet Novartis-Mediensprecher Patrick Barth. Die Testphase soll voraussichtlich Anfang Juni abgeschlossen sein, und danach beginnt die eigentliche Sanierung wieder. Bisher wurde von 240 000 Kubikmetern belastetem Material rund ein Drittel ausgehoben.

Aufgrund der Probleme um die Emissionen war auch Novartis in die Kritik geraten. Dies war für die Firma umso bitterer, als sie nach der französischen Gesetzgebung gar nicht verpflichtet gewesen wäre, das Gelände zu sanieren. Das Lindan und seine Nebenprodukte stammten von der Firma Produits Chimiques Usine Kuhlmann, die auf dem Gelände von 1947 bis 1974 Pestizide herstellte. Dort, wo später die Kläranlage entstanden ist, aber heute nicht mehr besteht.

Lindan oder Hexachlorcyclohexan (HCH) ist ein schwer abbaubares Pestizid, das früher als Pflanzenschutzmittel eingesetzt worden ist. Beim Menschen wurde es als Medikament zur Behandlung von Krätze und Hautkrankheiten verwendet. Ab 1980 wurde sein Einsatz massiv eingeschränkt und Lindan ab 2001 in der EU vom Markt genommen. Heute ist es weltweit verboten.

Bei der Wiederaufnahme der Sanierung soll nun einiges anders laufen. Patrick Barth: «Im Unterschied zur ersten Sanierungsphase wird jede einzelne Stufe einzeln auf mögliche Staub- und Geruchsemissionen überprüft und falls notwendig optimiert. Die bestehenden Zelte wurden vor der Wiederaufnahme der Arbeiten ertüchtigt», erklärt Barth und meint weiter: Im Inneren der Zelte und Hallen herrsche während der Arbeiten ein leichter Unterdruck. Der Zugang von Personen und Containern erfolge über spezielle Schleusen. Die Abluft werde in einem mehrstufigen Filtersystem gereinigt. So sollten Geruchs- und Staubemissionen weitestgehend ausgeschlossen werden.

Neue Zelte werden installiert

Ausserdem werden zurzeit weitere Zelte auf dem Areal installiert. Durch den Unterbruch und um Verbesserungen umzusetzen seien die Projektkosten, die ursprünglich auf 100 Millionen Euro geschätzt worden sind, um rund 50 Prozent gestiegen, führt Barth weiter aus. Die Kosten würden zum grössten Teil von Novartis bezahlt.

Damit es bei der Sanierung keine Auswirkungen auf Luft oder Wasser gibt, werden sie schrittweise wieder aufgenommen. «Gemeinsam mit den Behörden wurde ein Massnahmenplan mit verschiedenen Szenarien erarbeitet, der unter anderem ein Frühwarnsystem und vordefinierte Aktivitäten beinhaltet. Das kann dazu führen, dass die Arbeiten ruhen, bis die Quelle einer Geruchs- oder Staubemission beseitigt ist», kündigt der Mediensprecher an.