Auf dem Kasernenareal stapeln sich bereits die Baugerüste. Diese liegen allerdings nicht für die bevorstehenden Sanierungsarbeiten bereit, sondern für das Basel Tattoo. Danach folgt anfangs August noch das Open Air Basel, bevor endlich die Baumaschinen auffahren. Nach jahrelanger Planung und politischen Diskussionen wird der Umbau endlich realisiert. In drei Jahren soll das neue Kultur- und Quartierzentrum dann fertig sein.

Neben den sichtbaren Änderungen, namentlich der seitliche Durchstich zum Rhein und die Plaza, wird der Kopfbau auch im Innern komplett neu gestaltet. Seit am Mittwoch liegt nun auch das Nutzungs- und Betriebskonzept vor. Eigentlich auf Ende 2017 angekündigt. Nachdem bekannt geworden war, dass der Prestige-Neubau ein finanzielles Loch in die Kasse des Kunstmuseums gerissen hat, setzten sich die neuen Leitungen der zuständigen Amtsstellen Kantons- und Stadtentwicklung und Kultur nochmals intensiv mit dem Kasernenprojekt auseinander. Es galt, ein weiteres potenzielles Kulturdebakel um jeden Preis zu verhindern.

Dickeres finanzielles Polster

«Das Kasernenareal hat eine viel zu wichtige kulturelle und soziokulturelle Bedeutung für das Kleinbasel und die ganze Region, als dass wirtschaftliche Experimente eingegangen werden», sagt Kantons- und Stadtentwickler Lukas Ott. Die Kaserne solle durch ihre Inhalte glänzen und nicht durch fehlende Steuerung ins Gerede kommen. Entsprechend haben die Verantwortlichen auch die Finanzen nochmals unter die Lupe genommen.

Bisher hatte man mit einer schwarzen Null kalkuliert. Trotz Mieteinnahmen von rund 900 000 Franken pro Jahr resultierte unter dem Strich nur ein kleines Plus. Falls mal ein Ankermieter fehlen würde, wäre die Kaserne schnell ins Minus gerutscht. Hier setzten die Planer an. Gemäss dem aktuellen Plan verfügt die Kaserne über einen Puffer von rund 130 000 Franken, was den Verantwortlichen deutlich mehr Spielraum erlaubt.

Mit dem Nutzungs- und Betriebskonzept ist nun auch definiert, wer künftig darüber entscheidet, wer die begehrten Räumlichkeiten im Kultur- und Quartierzentrum nutzen darf. Rund 60 Prozent der Gebäudefläche ist für die Kultur vorgesehen, 20 Prozent für die drei Gastrobetriebe – eine Buvette, eine Bar und ein Restaurant – die restliche Fläche ist für die Quartiernutzung beziehungsweise sind öffentliche Zonen. Das oberste strategische Organ bildet eine neue Steuerungs- und Vergabekommission unter dem Vorsitz von Stadtentwickler Ott. Neben der Verwaltung entscheiden dort auch Vertreter aus dem Quartier und der Kasernennutzer selber sowie unabhängige Experten mit.

Diese Kommission ist zuständig für längerfristige Entscheide und wählt die Ankermieter aus, etwa die Gastrobetriebe. Ausserdem bestimmt sie ein Arealmanagement, das zuständig für die Vergabe der weiteren Räumlichkeiten ist, also beispielsweise Büros, Ateliers, Probe- und Seminarräume. Bereits gesetzt sind im Kopfbau der Kaserne-Kulturbetrieb, der Rhein Club, die Stiftung Basler Fähren und die Moschee.

Konzept für gesamtes Areal

Bisher war man davon ausgegangen, dass sich das Betriebs- und Nutzungskonzept nur auf den umgebauten Hauptbau bezieht. Die Verantwortlichen beziehen nun aber das gesamte Kasernenareal mit ein. Dort ist eine Reihe weiterer Institutionen untergebracht vom Jungen Theater über die Kabar und das Parterre bis hin zum Quartiertreffpunkt und dem Spielestrich der Robi-Spiel-Aktionen. Für diese Nutzer dürfte sich vorerst wenig ändern. Die Vorgabe, dass durch befristete Mietverträge und wechselnde Nutzer eine Dynamik entstehen soll, bezieht sich laut Konzept nur auf den Kopfbau.

Bekannt ist auch, dass die Künstlerateliers in der benachbarten Klingentalkirche neu vergeben werden. Der Gesamtblick der neu eingesetzten Kommission könnte mittelfristig dazu führen, dass auch auf dem restlichen Kasernenareal deutlich mehr Bewegung entsteht als in den letzten Jahren.