Baloise Session

Indie-Party mit den Kaiser Chiefs und Boy

Sportliche Einlagen inklusive: Ricky Wilson, rather angry.

Sportliche Einlagen inklusive: Ricky Wilson, rather angry.

Nach dem Boy mit schönem Pop vorlegten, liessen es die Kaiser Chiefs aus Leeds mächtig krachen. Dabei durften die Bühneneskapaden vom Sänger Ricky Wilson natürlich nicht fehlen.

Warum schreiben wir eigentlich Konzertkritiken? Um Menschen zu ärgern, die ein gutes Konzert verpasst haben? Ja, wahrscheinlich. Weil Journalisten böse Menschen sind, und die machen solche Sachen. Menschen ärgern.

Wir wollen keine Menschen ärgern. Aber der Dienstagabend war ein Highlight. Wer es verpasst hat – selber Schuld.

Was macht ein gutes Baloise-Session-Konzert aus? Da geht die Post ab, als ob es nie eine Filialschliessung gegeben hätte. Bei den Kaiser Chiefs, den Helden des Abends, kracht es vom ersten Gitarrenriff an. Und der Funke springt sogleich: Es wird mitgesungen, mitgewippt, und als der Raum vor der Bühne freigegeben wird (zuvor durften sich dort nur Fotografen tummeln), gibt es kein Halten mehr. Sänger Ricky Wilson und seine Band haben den Saal fest im Griff. Ja, sagt Wilson, er sei schon am Vortag in Basel gewesen, am Konzert von Brian Wilson – bruhahaha!

Dabei muss man wissen: Brian ist eine Generation älter, ist Mitbegründer des typischen Beach-Boy-Surfersounds, easy Wohlfühllistening. Der Kontrast zu unseren Krachern könnte kaum grösser sein. «Wir arbeiten hart. Wir versprechen, wir geben unser Bestes.»

Kaiser Chiefs: Sie sind gemeinhin in der Schublade «Indie-Rock» zu finden, eine Kategorie, die wenig trennscharf ist. «Indie» steht für independent, meinte in den Anfängen die Unabhängigkeit von einem grossen Plattenlabel, versprach originelle, rebellische Musik. Die Vertreter des Stils kokettieren augenzwinkernd mit dem Adel (Franz Ferdinand, Kings of Leon), legen zum Teil politisches Engagement an den Tag. Heute ist der Sound massentauglich und viele der Bands sind kommerziell sehr erfolgreich.

Zu recht, muss man sagen. Den Kaiser Chiefs gelang der Durchbruch vor etwas mehr als zehn Jahren.

Hüpfen auf der Bass-Box

Von Stück zu Stück steigern sich die Kaisers, sie gipfeln bei den Chartstürmern Ruby, Angry Mob und Riot. Wilson erklimmt mehrfach die Lautsprecherboxe am Bühnenrand, dann wieder die Schlagzeugpauke, er jongliert mit dem Mic-Ständer, hüpft von der Bühne, treibt die Video-Kameras vor sich hin und macht freundlich bei einem Selfie mit. Bei jeder Bühneneskapade bangen wir ein bisschen um seine Gesundheit, und wir fragen uns: Wie macht er das nur, so bekifft (oder was auch immer ...) wie er ist? Oder ist auch das einfach nur Theater? Sicher ist: Der Mann ist fit. Und er und seine Band scheinen am Auftritt hier in Basel einen Riesenspass zu haben.

Nicht zu vergessen: die Vor-Band Boy. Die beiden Front-Frauen und ihre vier Boys in der Band legten schönen Pop vor – wars Indie-Pop? Egal, ihre Stücke liefen bestens, und sie waren auch als Tanz-Aufwärmer für den nachfolgenden Gig bestens geeignet. Die beiden Musikerinnen Sonja Glass aus Hamburg (Bass, Gesang, ziemlich cool) und Valeska Steiner aus Zürich (Gitarre, Gesang, ziemlich verschmitzt) lernten sich 2005 beim Popkurs der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg kennen und gründeten die Band im Jahr 2007. Ein paar nüchterne Infos dürfen es auch sein, in der Konzertkritik ...

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