Wenn eine Medieninformation mit dem Satz «Es war kein einfaches Jahr» eröffnet wird, dann wird sofort klar, dass die Aussagen der Firmenführung in den kommenden Minuten Spannung versprechen. Das Fazit der Industriellen Werke Basel (IWB) bei der Präsentation ihrer Bilanz 2015: 121 Millionen Franken Rückstellungen. Ein Rückgang des Gewinns um 33 Prozent (von 37 Millionen auf 24,9 Millionen). Und vor allem: Viel Unsicherheit aufgrund der aktuellen Lage auf dem Schweizer Strommarkt.

Alles andere als eine defensive Kommunikation der IWB hätte auch überrascht. Das vergangene Jahr war ein zu unruhiges, mit vielen Hindernissen. Billiger Strom aus dem Ausland, zum Beispiel Kohlekraft aus Deutschland, überschwemmte den Schweizer Markt. Er drückte den Wettbewerbspreis dermassen, dass erneuerbare Energien wie Wasserkraft in die Bredouille gerieten. Der Stromkonzern Alpiq möchte darum die Hälfte seiner Wasserkraftwerke abstossen. Der Ruf nach Hilfe, in erster Linie vom Staat, wurde in den vergangenen Monaten immer lauter aufseiten der Stromproduzenten.

Auch die IWB leidet unter den aktuellen Marktbedingungen. 96 Prozent ihrer produzierten Energie stammt von Wasserkraftanlagen. Dass der Schweizer Franken im Vergleich zu ausländischen Währungen zuletzt stark aufgewertet wurde, verstärkte die jüngste Entwicklung zusätzlich.

2014 schon hohe Rückstellungen

Solche Faktoren führten zu diesem riesigen Betrag von 121 Millionen Franken Rückstellungen, welcher die IWB nun in ihrer Bilanz ausweisen. Die Rückstellungen beziehen sich auf Wertanpassungen laufender Bezugsverträgen. Bereits im Vorjahr gab man sich vorsichtig. Damals waren es 51 Millionen an Rückstellungen, die man auswies. «Wir waren gezwungen, das Reserve-Kässeli zu füllen, langfristig vorsichtig zu planen. Wir gehen aber davon aus, dass in der nächsten Periode keine weiteren Rückstellungen anfallen», sagt Micheal Ackermann, Finanzchef der IWB.

Auch die Nachfrage von Endkunden ging im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent zurück. Die Liberalisierung des Strommarktes führte dazu, dass Grosskunden frei wählen dürfen, von wem und welche Art von Strom sie beziehen. Günstigere Alternativen machen der IWB seither das Leben schwer. «Wir machen aber nicht alles mit. Wir liefern nicht zu Dumpingpreisen», sagt David Thiel, CEO von IWB, deutlich.

Neues Firmenkonzept bis 2020

Die IWB wollen daher bis 2020 ihr Firmenkonzept überarbeiten – sie nennen diesen Prozess «smart 2020». Man wolle die «Marktfähigkeit stärken», das «bestehende Geschäft optimieren». Was das konkret heisst? «Weg vom zentralen Dienstleister und hin zum smarten digitalisierten Verteiler. Die Welt befindet sich im Wandel und wir müssen uns jetzt anpassen, dass es uns in Zukunft gut geht», so CEO David Thiel. Ein Aspekt davon soll auch eine «Anpassung der Organisation» sein, ausserdem müsse man «die Kosteneffizienz steigern.» Zurzeit sei nicht vorgesehen, Stellen zu streichen. Thiel will aber nicht aussschliessen, dass dies mittel- oder langfristig geschehen wird.

Vielmehr appelliert er jetzt an die Politik. Thiel sieht das Problem bei den zu tiefen Abgaben auf CO2-Emissionen. Wasserkraft gerate so unweigerlich unter Druck. «Es herrschen verzerrte Marktbedingungen. Es kann nicht sein, dass polnische Kohle Schweizer Wasserkraft vorgezogen wird.»

Die Forderung an die Politik

Dass Problem von billigem Graustrom, also solchem, der an der Börse günstig gehandelt wird, betrifft die Schweiz immer mehr. Die Energiestiftung SES spricht von rund 20 Prozent Graustrom, der im Schweizer Netz genutzt wird.

Dass unter anderem Kohlekraftwerke heute rentabler sind als Wasserkraftwerke, hat auch die Schweizer Politik bemerkt. Darum werden vermehrt Subventionen gesprochen, welche diese Verzerrung auffangen sollen. «Dies ist jedoch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und dieser Stein wird immer heisser», sagt Thiel. Dieser wünscht sich mehr Regulation der Politik, höhere CO2-Abgaben und Kompensationen für Produzenten von Wasserkraft.

Für die Nachhaltigkeit des Schweizer Energiemarktes. Aber natürlich auch für den Erfolg seines Unternehmens.