Im Hitzesommer 2003 hat die Rheintemperatur einen Rekord gebrochen: Während zweier Wochen betrug sie mehr als 25 Grad. Für kälteempfindliche Rheinschwimmer mag das ein Genuss sein, für einige Fischarten hingegen ist dies tödlich. Besonders viele Fische verendeten 2003 zwischen dem Bodensee und Schaffhausen, aber auch in Basel trieben einzelne mit dem Bauch nach oben.

Deshalb verbietet die Schweizer Gewässerschutzgebung, dass in einen Fluss Kühlwasser geleitet wird, wenn dieser mehr als 25 Grad warm ist. Die Basler Industrie kühlt mit Rheinwasser Produktionsprozesse, die teilweise 200 Grad heiss sind. Dieses Kühlwasser fliesst sauber, aber erwärmt - erlaubt sind höchstens 30 Grad - zurück in den Rhein. Das Problem: In heissen Sommer ist die Industrie am meisten auf Kühlwasser angewiesen, just in der kritischsten Zeit für die Fische im Rhein.

Das Gesetz lässt keinerlei Spielraum. «Werden die Grenzwerte überschritten, müsste die Basler Industrie einzelne Produktionsbereiche stoppen», sagt Jürg Hofer, Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie. Dennoch drückten die Basler Behörden im Hitzesommer 2003 ein Auge zu: «Wir haben den nicht vorhandenen Spielraum genutzt: Ausnahmsweise durfte die Industrie weiter Kühlwasser in den Rhein leiten.»

Klimawandel erwärmt den Rhein

Doch damit soll jetzt laut Hofer Schluss sein: «Diesen ungesetzlichen Zustand wollen wir in Zukunft vermeiden.» Denn das Problem nimmt zu: Hofer rechnet damit, dass der Rhein durch den Klimawandel im Sommer immer wärmer wird. Dieses Jahr erreichte er die 25-Gradgrenze zwar nicht, kam ihr aber nahe.

Seit 2003 verhandelt der Kanton mit Roche, Novartis und Huntsman über alternative Kühlungsmöglichkeiten. Dabei sind unterschiedliche Wege möglich. Roche setzt auf Kühlung mit Grundwasser. Doch auch dieses darf nicht zu warm werden: Zu hohe Temperaturen können wichtige Kleinstlebewesen beeinflussen. In Arbeit sind auch neue technische Lösungen: Die Energie der Abwärme könnte zur Kühlung genutzt werden. Dieser Prozess ist aber teurer als die herkömmliche Kühlung mit Flusswasser. «Wir verbessern vor allem die Effizienz unserer Anlagen», berichtet Roche-Sprecherin Silvia Dobry.

Nicht nur die Pharmaindustrie fordert das Amt für Umwelt und Energie zum Handeln auf, sondern auch die Kollegen vom Kantonsspital. Dieses kühlt ebenfalls mit Rheinwasser - allerdings in viel geringeren Mengen als die Pharmaindustrie.