Hilfe für Kobane
Initiant des Basler Hilfsprojekts: «Der IS will uns einschüchtern»

Das Attentat eines IS-Terroristen in der türkischen Stadt Suruc galt Hilfskräften, die Kobane wieder aufbauen wollten. Die Initianten des Projekts «Basel hilft Kobane» wollen trotzdem weitermachen.

Annika Bangerter
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In der türkischen Stadt Suruc tötete ein Selbstmordattentäter 32 Studenten. Sie engagierten sich für den Wiederaufbau der syrischen Stadt Kobane. Keystone

In der türkischen Stadt Suruc tötete ein Selbstmordattentäter 32 Studenten. Sie engagierten sich für den Wiederaufbau der syrischen Stadt Kobane. Keystone

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Atilla Toptas kennt die kurdisch-türkische Stadt Suruc. Vor sieben Monaten stand der Mit-Initiator von «Basel hilft Kobane» selber in dem Kulturzentrum, wo sich letzte Woche ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Der IS-Terrorist riss dabei mindestens 32 Personen in den Tod.

Es waren junge Aktivisten, die beim Wiederaufbau von Kobane mithelfen wollten. Im Rahmen des Projekts «Basel hilft Kobane» organisiert auch die Schweizerisch-Kurdische Gemeinschaft mit dem Med Kulturzentrum und der Städtepartnerschaft Basel-Van Hilfsgüter für die nordsyrische Stadt. Dabei wollen die Initianten auch 100 Wohncontainer nach Kobane senden.

Herr Toptas, Sie befanden sich in der Türkei, als das Attentat geschah. Wie erlebten Sie diesen Tag?

Atilla Toptas: Ich war in Antalya in den Ferien. Im Touristengebiet hat man von dem Anschlag nicht viel mitbekommen. Ich informierte mich jedoch über die Medien und telefonierte täglich mit der Präsidentin der Bürgergemeinde von Suruc. Allgemein herrscht eine grosse Trauer und Solidarität in der türkischen und kurdischen Bevölkerung. Es war eines der brutalsten Attentate, das die Türkei in den letzten Jahren traf.

Gegen wen richtete sich der Terror?

Direkt betroffen waren türkische Studenten von verschiedenen Eliteuniversitäten, die beim Wiederaufbau von Kobane helfen wollten. Sie versammelten sich im Kulturzentrum von Suruc, von wo aus die Hilfsgüter organisiert, gelagert und verteilt werden. Diese Helfer standen kurz davor, nach Kobane zu reisen. Indirekt richtet sich aber das Attentat gegen jegliche Unterstützer des Wiederaufbaus. Der IS will diese einschüchtern und von Kobane fernhalten.

Was bedeutet dies für das Projekt «Basel hilft Kobane»?

Wir geben nicht auf und werden weiterhin von der Schweiz aus Hilfsgüter oder Wohncontainer für Kobane organisieren. Viele Menschen, die geflüchtet sind, kehrten in ihre Stadt oder die umliegenden Dörfer zurück. Der Aufbau hat erst begonnen und die Lage der Bevölkerung ist dramatisch. Es fehlt an allem: Wohnraum, Nahrungsmittel, Hygieneartikel. Im Rahmen des Projekts «Basel für Kobane» konnten wir 30 Wohncontainer schicken. Nicht alle konnten über die türkische Grenze gebracht werden, wofür wir dankbar sind.

Wieso sind Sie darüber froh?

Ende Juni hat der IS die Stadt Kobane und die umliegenden Dörfer erneut angegriffen. Dabei brachte die Terror-Miliz Hunderte von Menschen um – grösstenteils Zivilisten. Dabei starben auch viele unserer Partner vor Ort. Wären unsere Container pünktlich eingetroffen, hätten wir zu diesem Zeitpunkt noch mehr Rückkehrer im Gebiet gehabt. Sie wären von dem Angriff des IS wohl kaum verschont geblieben.

Die Lage ist nach wie vor unsicher. Müssen Sie das Hilfsprojekt daher aussetzen?

Wir stecken momentan tatsächlich in einem Dilemma. Mit unserem Projekt sind wir weit gekommen. Aber unter keinen Umständen wollen wir Menschen in Gefahr bringen. Das Attentat hat gezeigt, dass der IS gezielt Helfer jagt. Zudem dürfte in unmittelbarer Zeit viel passieren. Erstmals fliegt die Türkei Angriffe auf den IS. Gleichzeitig ist das Verhältnis zwischen der kurdischen Partei und der Regierung stark belastet. Deshalb müssen wir vorerst abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Aufgeben werden wir aber auf keinen Fall. Die Menschen in Kobane brauchen Hilfe – auch aus Basel.

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