Beide Basel

Initiative: Mit harter Hand gegen Hooligans

In Aarau kam es im Mai trotz verschärftem Konkordat zu Ausschreitungen.

In Aarau kam es im Mai trotz verschärftem Konkordat zu Ausschreitungen.

Die Bevölkerung in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland soll über einen Beitritt zum revidierten Hooligan-Konkordat abstimmen können. Die Initiative für den Beitritt ist lanciert – die Behörden wollen am «Basler Modell» festhalten.

«Ein Ladendieb ist kein Kunde, ein Hooligan ist kein Fan», sagt Carl Gustav Mez. Der Jurist sitzt im Basler Komitee, welches das verschärfte Hooligan-Konkordat per Volksinitiative in Basel-Stadt und Baselland doch noch einführen will. Gestern wurde die Unterschriftensammlung lanciert. In beiden Kantonen hatten die Parlamente einen Beitritt abgelehnt – als einzige in der Schweiz. In den Komitees sitzen ausschliesslich bürgerliche und konservative Politiker. Ihr Ziel ist klar: Das Inseldasein der beiden Basel zu beenden. Die Chancen stehen gut. In allen Kantonen, in denen das Volk das letzte Wort hatte, gab es überwältigende Ja-Anteile. So auch in den Sportkantonen Bern (78 Prozent Ja) und Zürich (85 Prozent Ja).

«Wir rechnen sowohl in Basel-Stadt wie in Baselland mit komfortablen Mehrheiten», frohlockt SVP-Grossrat und Initiant Joël Thüring. Unterstützung erhält er von Roger Schneeberger, dem Generalsekretär der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) – jenem Gremium, welches das Konkordat ausgearbeitet hat: «Ein Beitritt der beiden Basel wäre sehr wichtig», sagt Schneeberger. Ein Vergleich mit dem Ausland zeige: «Massnahmen sind nur erfolgreich, wenn sie einheitlich sind.»

Basler Modell eine Fata Morgana

In der Region setzt man seit Jahren auf das «Basler Modell». Dieses beinhaltet eine starke Fanarbeit, einen offenen Dialog zwischen Behörden und dem Grossclub FC Basel, aber auch repressive Massnahmen. Dem verschärften Hooligan-Konkordat steht man skeptisch gegenüber. Die Basler Regierung befürwortete einen Beitritt zwar, aber nur halbherzig. Bevor Sicherheitsdirektor Baschi Dürr Regierungsrat wurde, lehnte er das verschärfte Konkordat offen ab. Dieses erlaubt den Kantonen, gewalttätige Fussball- und Eishockeyfans hart zu bestrafen. Etwa mit schweizweiten Stadionverboten oder Rayonverboten von bis zu drei Jahren. Auch Ganzkörperkontrollen und den Zwang, mit dem Fanzug zum Auswärtsspiel zu reisen, sind im Katalog. In Basel sah man die Notwendigkeit nie, solche harten Instrumente anzuwenden. Doch genau das will die «Hooligan-Stopp-Initative». Laut Initianten ist das Basler Modell eine «Fata Morgana». Sie wollen eine harte Hand gegen gewaltbereite Fans erzwingen.

Angriff auf Kanton und FCB

Nur: Wenn Basel-Stadt dem Konkordat beitritt, würde sich dann auch wirklich etwas ändern? Die Antwort von Polizeisprecher Andreas Knuchel klingt nicht danach: «Das verschärfte Konkordat beinhaltet vorab Kann-Bestimmungen, was es Basel-Stadt erlauben würde, am heutigen Modell unverändert festzuhalten.» Auf die Aussage der Initianten, heute würden die Polizisten an den Spielen verheizt, erwidert Knuchel: «Ein Beitritt von Basel-Stadt zum verschärften Hooligan-Konkordat würde für die Einsatzkräfte vor Ort kaum eine Änderung mit sich bringen.»

Solche Aussagen empören die Initianten. «Wenn das Volk das Konkordat will, erwarten wir, dass die Politiker das ernst nehmen», sagt Grossrat Thüring, «sonst ist das Befehlsverweigerung.» Wenn die Polizei nicht alle Massnahmen ausschöpfe, müsse man sich fragen, ob «der Polizeikommandant noch der Richtige sei». Mit solchen Voten legt er sich direkt mit dem Kanton an. Und auch mit dem FC Basel. Thüring fordert nämlich, dass dieser «mindestens 50 Prozent der Sicherheitskosten» zahle. Heute übernimmt der FCB laut dem Sicherheitsdepartement rund eine Million Franken von den vier bis fünf Millionen, die es jährlich kostet, rund um die Fussballspiele für Sicherheit zu sorgen. Polizeisprecher Knuchel kontert Thüring aber: «Regelungen zur Verrechnung der Sicherheitskosten sind nicht Teil des verschärften Hooligan-Konkordats.»
Man sieht es bereits kommen: Der Abstimmungskampf rund ums Konkordat wird äusserst hitzig.

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