Inklusion im Kleinbasel
Dank dieser neuen Tafel sollen sich alle Kinder auf dem Spielplatz verständigen können

Beim Spielplatz Wittlinger im Basler Hirzbrunnen-Quartier steht seit kurzem eine Kommunikationstafel für Kinder, die sich nicht mit anderen unterhalten können. Diese wurde auf Initiative von Fabienne Schenker aufgestellt, die Mutter eines autistischen Sohnes ist.

Aimee Baumgartner
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Fabienne Schenker und ihr autistischer Sohn Raphael bei der neuen Kommunikationstafel.

Fabienne Schenker und ihr autistischer Sohn Raphael bei der neuen Kommunikationstafel.

Juri Junkov

«Ich will rutschen», «Ich habe Hunger», «Wollen wir spielen?» Die meisten Kinder in Raphaels Alter können solche Anliegen ohne Probleme mündlich äussern. Doch aufgrund seiner Autismus-Spektrum-Störung spricht der vierjährige Basler nicht. «Dies führt oftmals zu Komplikationen, wenn wir gemeinsam auf dem Spielplatz sind», sagt Raphaels Mutter Fabienne Schenker. «Ich muss immer wieder erklären, wieso mein Sohn nicht auf Fragen antwortet oder sich einfach aus der Znünibox anderer Kinder bedient.»

In Chats oder auf den sozialen Netzwerken tauscht sich die im Basler Hirzbrunnen-Quartier wohnhafte Mutter immer wieder mit anderen betroffenen Eltern aus. Ein Post hat Fabienne Schenker besonders bewegt. «Eine Mutter schrieb, dass sie aufgrund von schlechten Erfahrungen mit ihrem autistischen Sohn gar nicht gerne auf Spielplätze geht. Sie wurde sogar gefragt, ob ihr Kind ein ‹Mongo› sei, weil er nicht antwortet», sagt Schenker voller Unverständnis. Die Resonanz war gross. Auch andere betroffene Eltern berichteten von ihren Erfahrungen auf den Spielplätzen.

Fabienne Schenker und ihr Sohn Raphael.

Fabienne Schenker und ihr Sohn Raphael.

Juri Junkov

Auf der Suche nach möglichen Lösungen für dieses Problem stiess Schenker im Internet auf eine Tafel mit Symbolen, die auf Spielplätzen zur verbesserten Kommunikation beitragen sollen. Diese Art der Symbole lernt Raphael aktuell auch nach und nach im Unterricht, den er am Autismuszentrum in Aesch besucht.

Durch einen Fingerzeig auf die Symbole können die Kinder ausdrücken, was sie möchten oder wie sie sich fühlen. «Diese Kommunikationstafel hat mich sofort begeistert. Ich war mir sicher, dass sie Raphael und anderen Kindern helfen kann», so Schenker.

Diese Kommunikationstafel mit 66 Metacom-Symbolen wurde auf dem Spielplatz Wittlinger aufgestellt.

Diese Kommunikationstafel mit 66 Metacom-Symbolen wurde auf dem Spielplatz Wittlinger aufgestellt.

Zvg

Wenig später kontaktierte sie die Stadtgärtnerei, die in Basel für die Spielplätze zuständig ist. «In einer Mail berichtete ich ihnen von meiner Idee, dass der Kanton eine solche Kommunikationstafel auf dem Spielplatz Wittlinger bei uns im Hirzbrunnen-Quartier aufstellen könnte», sagt Schenker. Die Stadtgärtnerei habe von Anfang an Interesse gezeigt. Kurz darauf fand ein erstes Treffen statt.

«Ich erklärte ihnen, dass diese Tafel nicht nur nonverbalen Autisten wie Raphael helfen kann, sondern einer Vielzahl von Kindern.»
«Autism is my super power» steht auf Raphaels Jacke.

«Autism is my super power» steht auf Raphaels Jacke.

Juri Junkov

Durch die unterschiedlichen Symbole soll die inklusive Kommunikation gestärkt werden – auch für Kinder, die kein Deutsch können, wird der Austausch mit anderen vereinfacht.

Seit rund zwei Wochen steht die weisse Tafel nun schon auf dem Spielplatz an der Wittlingerstrasse. Zwischenzeitlich wurde die Höhe noch angepasst, weil kleinere Kinder die oberen Symbole nicht erreichen konnten. «Abgesehen von diesem ersten Hindernis habe ich durchs Band nur positive Rückmeldungen erhalten», sagt Fabienne Schenker. Die anderen Kinder und auch die Eltern seien sehr neugierig und wollen mehr über die Thematik erfahren.

Folgen jetzt weitere Tafeln an anderen Orten?

Auch auf Social Media hat Raphaels Mutter schon viel Zuspruch erhalten. Einige Eltern kommen nun gezielt auf den Spielplatz Wittlinger. «Einige Mütter aus meiner Community wollen sich nun in ihren Kantonen dafür einsetzen, dass auch bei ihnen solche Tafeln aufgestellt werden», sagt Fabienne Schenker. Diese Dynamik und die breite Unterstützung mache sie sehr glücklich. «Jetzt kann ich nur abwarten und hoffen, dass das nur der Anfang war und noch viele weitere Tafeln folgen.»

Der Spielplatz Wittlinger.

Der Spielplatz Wittlinger.

Juri Junkov

Ob es die Kommunikationstafeln bald auch auf weiteren Spielplätzen in Basel geben wird, ist indes noch unklar. Brigitte Löwenthal von der Stadtgärtnerei sagt auf Anfrage der bz, dass aktuell noch keine weiteren Standorte geplant seien. «Wir sammeln Feedback aus der Anwohnerschaft und die Rückmeldungen von Frau Schenker – dann sehen wir weiter», so Löwenthal.