Bundestagswahlen
Innere Sicherheit zahlt sich aus

Im Wahlkreis Lörach/Müllheim dürfte sich der amtierende CDU-Abgeordnete Armin Schuster durchsetzen – eventuell gibt es sogar drei Vertreter in Berlin.

Peter Schenk
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Gerhard Zickenheiner (Grüne), Christoph Hoffmann (FDP) und Armin Schuster (CDU).

Gerhard Zickenheiner (Grüne), Christoph Hoffmann (FDP) und Armin Schuster (CDU).

zvg

Sein Thema ist derzeit gefragt. Armin Schuster (56, CDU), amtierender Bundestagsabgeordneter des an Basel angrenzenden Wahlkreises Lörrach/Müllheim, ist auf die innere Sicherheit spezialisiert. Bevor Schuster 2009 erstmals in den Bundestag gewählt wurde, war er Leiter des Bundespolizeiamtes Weil am Rhein und hatte verschiedene Positionen beim Bundesgrenzschutz, beim Innenministerium und der Polizei inne.

Seinen Wahlkreis, der von Bad Krozingen bis Rheinfelden reicht, hat Schuster allem Anschein nach gut im Griff. 2013 holte er mit 50,1 Prozent der Erststimmen souverän das Direktmandat. Darauf setzt er auch heute wieder, denn auf der Landesliste ist Schuster nicht abgesichert (siehe Box unten).

Schuster geht als Favorit in die Wahl, das zeigt auch die letzte Umfrage des SWR zum Ausgang der Wahlen in Baden-Württemberg. Hier liegt die CDU mit 43 Prozent weit vor der SPD mit 19, den Grünen mit 14 und der FDP mit 8 Prozent. Die Grünen bieten den bekannten Lörracher Architekten und Raumplaner Gerhard Zickenheiner auf. Er sitzt für seine Partei im Kreistag, dem Parlament des Landkreises Lörrach, und kann sich durchaus Chancen ausrechnen, als zweiter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises neben Schuster nach Berlin zu gehen. Auf der Landesliste der Grünen belegt er Platz 14 – das könnte reichen.

Früher lag Wahlkreis bei SPD

Der junge Informatik-Spezialist und Politikneuling Jonas Hoffmann tritt für die SPD an. Der Wahlkreis war nicht immer fest in den Händen der CDU. Ab 1998 hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Marion Caspers-Merk hier dreimal hintereinander das Direktmandat gewonnen, trat aber 2009 nicht mehr an. Um an diese Erfolge anzuknüpfen, fehlt es Hoffmann an Erfahrung. Zudem ist seine Partei hoffnungslos abgeschlagen.

Die FDP hat mit Christoph Hoffmann, seit 2007 Bürgermeister von Bad Bellingen, einen erfahrenen Politiker aufgestellt. Hoffmann sitzt unter anderem im Kreistag und ist Vizepräsident des Districtsrats der Trinationalen Agglomeration Basel. Auf der Landesliste belegt er Rang 10. Wie Zickenheiner könnte es auch ihm bei gutem Abschneiden seiner Partei nach Berlin reichen. Schaffen es beide, hätte der Wahlkreis sogar drei Bundestagsabgeordnete statt wie derzeit nur einen. Für die Region Basel wäre das gut.

Auf keinen Fall reichen wird es Wolfgang Fuhl. Er erreichte für die AfD bei den Landtagswahlen 2016 im Wahlkreis Lörrach zwar immerhin 13,2 Prozent. Die rechtspopulistische AfD ist traditionell stark im ländlichen Raum, wird aber für Baden-Württemberg in der SWR-Umfrage bei 8 Prozent gehandelt. Deutschlandweit kommt sie auf 9 Prozent, neu auf 10. Es wird spannend, wie sie bei den Bundestagswahlen im südwestlichen Wahlkreis Müllheim/Lörrach abschneiden wird.

Der Wahlkampf nimmt in Südbaden langsam Fahrt auf. So kommen einige Polit-Schwergewichte in die Region. Schuster konnte am gestrigen Montag in Ötlingen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) begrüssen. Auftreten werden in den nächsten Wochen auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der langjährige Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer (beide Grüne). Für die SPD kommt Franz Müntefering.

Spitzenkandidaten befragt

Die Kollegen der Badischen Zeitung organisieren vor ihrem Freiburger Pressehaus am 9. September einen grossen Wahltag. Dabei lassen sich die Spitzenkandidaten der sechs grössten Parteien in Baden-Württemberg von den Redaktoren auf den Zahn fühlen – nicht auf einem gemeinsamen Podium, sondern in einander folgenden Gesprächen. Anwesend sein werden zum Beispiel Wolfgang Schäuble (CDU) und Cem Özdemir (Grüne).

Die Bigshots der Politik kommen am Wochenende vor den Wahlen nach Freiburg. SPD-Kandidat Martin Schulz tritt am 16. September auf dem Platz der Alten Synagoge vor die Bürger. Am Montag, 18. September, folgt dann Kanzlerin Angela Merkel auf dem Münsterplatz.