Ein ungewöhnliches Zusammentreffen: Die gotische Architektur der Barfüsserkirche trifft unvermittelt auf ein zentrales Element wirtschaftlicher Entwicklung in dieser Stadt: die Innovation. Die am Donnerstag beginnende Ausstellung «Wirk.Stoffe – Chemisch-pharmazeutische Innovationsgeschichten» im Historischen Museum Basel bietet eine Schau von den wesentlichen Elementen, wie Innovationen in der Chemie und der Pharma zustandekommen und wie Wirtschaft und Gesellschaft mit diesen Innovationen verzahnt sind.

Aus unserer Alltagswelt

Kopfwehtabletten, Farbstoffe, Insektizide, Plastik: Sie alle waren einmal bahnbrechende Innovationen und durchdringen unseren Alltag. «Bei der Ausstellung sind wir immer von Produkten aus gegangen», erklärte Gudrun Piller, Direktorin ad interim, gegenüber der bz an einem Medienrundgang. So trifft man «alte Bekannte» wie Aspirin und Araldit, aber auch problematische Produkte wie DDT oder Contergan, deren Umweltschädlichkeit oder Gefährlichkeit erst im Laufe der Jahre entdeckt wurden. Viele Produkte mussten vom Markt genommen werden. Die Industrie musste aus Fehlern lernen, und wenn sie es nicht tat, wurde sie dazu gezwungen. «Ein kritischer, aber differenzierter Blick ist hier absolut unabdingbar», sagt Piller. Dies, obwohl Pharmafirmen wie BASF, Bayer und Novartis 10 Prozent (oder ein Viertel der Fremdmittel) an das Budget der Ausstellung beisteuerte. Eine Einflussnahme dieser Firmen habe es bei der Ausstellung nicht gegeben, sagt Co-Kurator Samuel Bachmann.

Viele konkrete Beispiele

17 konkrete «Innovationsgeschichten» werden hier praxisnah erzählt, und natürlich sind die Endprodukte zu bestaunen. Man erfährt dabei, wie viel Zufall und Planung hinter Innovation steckt, wie viel Ausdauer die Entwickler und Erfinder brauchten und wie viele Misserfolge sie immer und immer wieder wegstecken mussten. Das erste Chemo-Therapeutikum beispielsweise entstand durch einen Versuch, Zellen einzufärben. Das gelang nicht immer, und so entstand die Idee, Wirkstoffe in den Körper zu bringen, die nur bestimmte Zellen beeinflussten. So wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert das erste Chemo-Präparat gegen die Geschlechtskrankheit Syphilis entwickelt, entdeckt in Frankreich, produziert in Deutschland. Das in der Kirche hängende Modell stellt das Wirkstoffmolekül Arsphenamin dar (Bild rechts).

Es ist denn auch absolut richtig, dass sich die Präsentation nicht nur auf Basel reduziert, sondern Chemie und Pharma als eine schon früh internationalisierte Branche darstellt. Dies umso mehr, als die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Dasa, Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund, gemacht wurde. Sie wird denn auch ab September kommenden Jahres in Dortmund zu sehen sein.

Doch es werden auch viele Basler Erfindungen und Forschungsbereiche angeschnitten, so etwa die nicht unproblematische Mutterkorn-Pharmazie (Alkaloide, LSD), die Malaria-Medizin und in der Chemie die Farben und die Kunstharze (Araldit). Diese Beispiele zeigen, wie die Produkte unseren Alltag beeinflusst und verändert haben.

Die Ausstellung hat durch die handschriftlichen Notizen und Post-it-Zetteln einen etwas provisorischen Charakter, was die Kreativität des Erfindungs- und Entwicklungsprozess zeigen soll. Die Ausstellung soll ohne «Chemie-Vorkenntnisse» besucht werden können. Bewusst haben die Veranstalter auf einen Katalog verzichtet. Die soeben erschienene 700-Seitigen Basler Chemie-Geschichte ist mehr als ein Ersatz dafür (Artikel untenstehend).