Oben sind sie Wildsau, unten Jäger. An der «Dieffliegerli»-Vorfasnachtsveranstaltung auf dem Ziegelei-Areal in Allschwil ist Schunkel- und Mitsing-Stimmung. «Mir heisse Wurscht und Chäs und mache Fasnacht!» - ruft Schaggi der angeheiterten Festgemeinde zu. Gröööl! In den kommenden 20 Minuten werden sie für einen kurzen musikalischen Höhenflug sorgen. Mit einer «normalen» Gugge sind sie allein grössenmässig nicht zu vergleichen. Eine Taschen-Gugge? Kammer-, Zwerg- oder Mini-Gugge?

Egal, es schränzt nicht nur, es klingt. Nach Blues und Herbie Hancock. «Ja, wir sind eine Kleinformation einer Allschwiler Gugge, der Mühlibach Stenzer», sagt Schaggi, der mit Pascal zusammen die Stücke arrangiert, wenn nötig. Die sechs Jungs kennen sich von der Schule. «Zuerst wollten wir einfach ein bisschen jammen, zusammen improvisierte Musik, machen.» Dann, vor vier Jahren, kam der erste Auftritt an einem privaten Fest.

Es folgte ein Auftritt am «Mondsucht»- Festival bei Bubendorf, an dem alles ohne Strom funktioniert. An Nicht-Fasnachtsauftritten firmieren sie unter dem Namen «Worst Case». Heute Dienstag sind sie auch an der Basler Fasnacht zu hören, und zwar um 21.30 Uhr in der 8-Bar in der Rheingasse 8. Eine Grossformation fände hier schlecht Platz.

Experimental-Formationen

«Wurscht und Chäs» ist nur eine der vielen in den letzten Jahren entstandenen Experimental-Formationen. Neben Gugge-Abspaltungen, Neudeutsch «Spinoffs», sind es zum Teil halb-professionelle Funkbands (wie etwa Error 404) oder zusammengewürfelte Haufen von Musikerinnen und Musikern, die dann als «Sammelbeggi vo gestrandete Musikerexischtänze» unterwegs sind, oder schlicht «Fasnachtsorchester».

Die Neo-Guggen können sich bezüglich Instrumentierung und Repertoire ungeniert austoben. So begleitet eine Zweier- bis Dreiergruppe, bestehend aus zwei Flöten und einem Helikon (eine Art umgehängte Tuba), einen Bänkelsänger von Ort zu Ort. Einzig Streichinstrumente kommen wegen Wetterempfindlichkeit und mangelhafter Lautstärke weniger infrage. Das war im 19 Jahrhundert noch möglich: Da spielte auch ein Mandolinenorchester auf.

«Traditionelle» gebremst

Der Boom der traditionellen Guggen ist aber seit einiger Zeit gebremst. Das hat eine bz-Recherche aufgrund einer Analyse der Fasnachts-Guides «Rädäbäng» seit 1940 ergeben. Die erste Basler Guggemuusig überhaupt waren die 1926 gegründete «Jeisi Migger». 10 Jahre danach folgten «Orginal Chnulleri», nochmals 10 Jahre später die «Gugge 46», 1956 wurden die «Gugge-Mysli» ins Leben gerufen.

In den 50er-Jahren gab es rund ein Dutzend Guggen. Der stärkste Boom war zwischen 1975 und 1985 im Gange und kam bei rund 70 Einheiten abrupt zum Stillstand. In letzter Zeit hat sich die Zahl bei 60 Guggen eingependelt. Diese spielen heute nach ihrem Sternmarsch auf dem Barfüsserplatz und auf dem Marktplatz ab 19.30 Uhr das Guggekonzärt.

Zum Hören, nicht zum Essen:

«Wurscht & Chäs», heute Dienstag 21.30 Uhr in der 8-Bar in der Rheingasse 8.