In den langen Sommerferien müssen die Schüler nicht wie gewöhnlich jeden Tag um 7 Uhr aufstehen. Schön für die Kinder, für manche Elternpaare aber ein grosses Problem. Denn wer soll sich um ihre Sprösslinge kümmern, während sie selber ihrer Arbeit nachgehen? Das ist eine langwierige Diskussion in Basel. Es gibt zwar Betreuungsmöglichkeiten – allerdings weisen die meisten einen Haken auf. Das grösste Ärgernis: Nahezu alle Kindertagesstätte gehen während der ganzen 13 Wochen Ferien im Jahr zu.

Im Kleinbasel schliesst nun die Tagesstruktur Stromboli, die am Montag eröffnet, die Lücke im Betreuungsangebot. Anders als öffentliche Tagesstrukturen ist die neue Tagesstätte während neun Wochen der Schulferien geöffnet – die restlichen vier nehmen die Betreuer ihre Betriebsferien. Die Initiative für Stromboli kam von Regula Riniker, die die pädagogische Leitung der Tagesstruktur übernehmen wird. Das Bedürfnis nach den 16 Plätzen sei riesig: «Innerhalb zweier Wochen waren sie besetzt. Wir hätten noch viel mehr Kinder aufnehmen können», sagt sie. Insgesamt kommen nun 31 Kinder in den Genuss der Tagesbetreuung an der Breisacherstrasse.

Mitarbeiter müssen länger arbeiten

Dem Basler Erziehungsdepartement (ED) ist bewusst, dass die Betreuungssituation in Basel während der Ferienwochen nicht für alle Familien optimal ist. Allerdings fehlen dem Kanton die Mittel, um weitere Betreuung anbieten zu können, erklärt Pierre Felder, Leiter der Volksschulen. Diese innerhalb der Schule zu organisieren, würde enorme Bedingungen mit sich bringen. «Die Arbeitszeiten der Mitarbeitenden müssten ausgeweitet, die Hauswartung aufrechterhalten werden. Neben der komplizierten Organisation müsste man das natürlich noch finanzieren können.» Der Kanton investiert derzeit bereits in den Ausbau der Tagesstruktur. Und zwar aufgrund der wachsenden Nachfrage, führt Felder aus. Das ED erhalte dafür jedes Jahr zwei Millionen Franken. «Irgendwann ist das nicht mehr zahlbar.» Man komme den Eltern mit dem System der Tagesferien entgegen.

Das heisst: Kinder, die an den Tagesferien teilnehmen, verbringen jeweils von Montag bis Freitag ihre Zeit mit sportlichen, kreativen oder erholsamen Tätigkeiten. Die Veranstaltungen sind allerdings um 18 Uhr zu Ende. Für einige Familien zu früh, ist Regula Riniker überzeugt. Deswegen können ihre Kinder bis 19 Uhr im Stromboli bleiben.

Pierre Felder wiederholt mit seinen Worten die Argumente der Regierung, die diese auf die Petition «für mehr Qualität, Transparenz und Bedarfsgerechtigkeit in der Basler Kinderbetreuung» gegeben hat. Lanciert hatte die Petition Grossrätin Brigitta Gerber (Basta) im Jahr 2012. Die Regierung schrieb damals, wenn das Angebot auf die Schulferien ausgeweitet würde, «erhöht sich die Betreuungszeit um 40 Prozent und dies für eine vergleichsweise kleine Kindergruppe.» Zudem wäre es unumgänglich, «die Kinder in einer Gruppe an einem zentralen Ort zusammenzuführen.» Riniker hat für diesen Entscheid wenig Verständnis: «Das macht mich wütend. Man muss doch in die Kinderbetreuung investieren.»

Anwohnerin erhebt Einsprache

Für eine kleine Elterngruppe im Kleinbasel hat sich das Betreuungsproblem durch Stromboli gelöst. Einfach war es keinesfalls, denn neben der Tatsache, dass Riniker hart um Subventionen kämpfen musste, hatte eine Anwohnerin Einspruch erhoben. Das Hauptargument war der Lärm. Da man aufgrund einer Einsprache keine Baubewilligung erhält, hat diese den Umbau an der Breisacherstrasse 39 um etwa zwei Monate aufgehalten.

Doch jetzt ist das Stromboli-Team in den letzten Arbeitszügen. Ursprünglich sei der Raum ein Malergeschäft gewesen. Riniker musste also eine Küche einbauen lassen, die Elektronik auf Vordermann bringen, das Dach sanieren und so weiter.