Die ausländische Bevölkerung in Basel-Stadt ist nicht nur gewachsen, sondern hat sich auch gleichmässiger verteilt. Diese Erfolgsmeldung verkündete die Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung vergangene Woche an einer Medienkonferenz. Untermauert wurde diese Aussage durch rund 100 Indikatoren, die erstmals seit 2008 erhoben worden sind.

Doch schaut man sich diese Integrationsindikatoren genauer an, dann zeigt sich: Die erfreuliche Meldung gilt zwar in Bezug auf das ganze Kantonsgebiet, jedoch längst nicht für alle Quartiere. Vielmehr zeigt sich: Wenn es in den letzten 20 Jahren zu einer deutlich besseren Durchmischung von Ausländerguppen gekommen ist, dann nur durch die Aufwertung von Quartieren.

Als Musterbeispiel gilt das Rosental-Quartier, wo heute – wegen der Neubauten in der Erlenmatt – deutlich mehr Ausländer europäischer, asiatischer und amerikanischer Herkunft wohnen.

Die Herkunft der Ausländer in den Basler Quartieren

Das andere Extrem-Beispiel ist das Bruderholz. Zwar ist auch dort der Ausländeranteil seit 1997 gestiegen, aber an der Durchmischung hat sich kaum etwas geändert. Bewohner aus Deutschland und anderen EU-Staaten dominieren sogar noch deutlicher als vor 20 Jahren. Dasselbe Bild zeigt sich auch in den Landgemeinden Riehen und Bettingen.

Lukas Ott, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, sagt: «Der sogenannte Segregationsindex, der die Verteilung der Bevölkerungsgruppen über die Wohnviertel aufzeigt, hat in den letzten 20 Jahren für praktisch alle Ländergruppen abgenommen. Das heisst, die ausländische Wohnbevölkerung verteilt sich heute gleichmässiger über die Wohnviertel als noch 1997.»

Es sei allerdings so, dass in Quartieren mit tieferem Ausländeranteil mehrheitlich Personen aus Deutschland, der EU sowie USA und Asien zuziehen. «Ein Zuzug aus diesen Ländern findet jedoch auch in Wohnvierteln mit hohem Ausländeranteil statt. Länder und Ländergruppen wie Balkan, Italien oder Türkei erfahren in diesen Quartieren tendenziell einen Rückgang.»

«Villenviertelisierung»

Eine Ghettoisierung von ganzen Quartieren konnten die Stadtentwickler bereits an der Medienpräsentation vergangene Woche ausschliessen. Dies wäre der Fall, wenn sozioökonomisch eher schwache Zuwanderer hauptsächlich in jene Quartiere zögen, die bereits von einem hohen Ausländeranteil geprägt sind. Dies ist, wie beispielsweise die bessere Durchmischung von Quartieren wie Klybeck oder Kleinhüningen zeigt, nicht der Fall.

Umgekehrt hingegen schreitet die «Villenviertelisierung» (dies als Kunstwort für das Gegenteil der Ghettoisierung) voran, wie das Beispiel Bruderholz zeigt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, bräuchte es an den teuersten Lagen besonders günstigen Wohnraum.

Dass sich die Durchmischung in den sozioökonomisch eher schwachen Quartieren in den letzten zwanzig Jahren positiv entwickelt hat, hat aber auch noch einen ganz anderen Grund: Der Boom in der Life-Science-Branche hat überdurchschnittlich viele hochqualifizierte Expats nach Basel gelockt. Und diese haben sich übers ganze Stadtgebiet verteilt. Auf dem Bruderholz haben sie – weil schon viele von ihnen dort waren – zu einem weiter steigenden Deutschen- oder Amerikaneranteil geführt, in anderen Quartieren mit wenig Expats hingegen zu einer besseren Durchmischung.