ASK und Oesa

Integration von Flüchtlingen: Warum zwei Basler Organisationen auf Sport setzen

Sport ist universell verständlich – unabhängig von Sprache, Religion und Herkunft.Deshalb setzen sowohl ASK als auch der Oesa auf sportliche Betätigungen, um Flüchtlingen die Integration zu vereinfachen. Und auch die Schweizer sollen so lernen, wie sie sichverhalten sollten.

Goytom ist schüchtern. Er erklärt sich zwar bereit, etwas über sich zu erzählen, aber viel reden mag er nicht. Die Arme hält er verschränkt vor sich, blickt immer wieder auf das Feld, auf dem der Rest gerade dabei ist, Volleyball zu spielen. 19 Jahre sei er jung. Seit eineinhalb Jahren lebe er in der Schweiz. Er sei zwar erst zum zweiten Mal hier in diesem Training, aber er wolle wieder kommen. Das wisse er.

«Ich liebe Volleyball.» Und wenn der junge Eritreer die Bezeichnung seines Lieblingssportes sagt, dann strahlen seine Augen. Viel mehr mag er nicht mehr sagen. Er will einfach spielen. Als Goytom dann auf dem Feld steht, blüht er auf. Er lacht. Strahlt über das ganze Gesicht. Gibt alles. Von dem schüchternen Jungen ist nichts mehr zu sehen. Er kann tun, was er liebt, in einem Land, das er noch immer nicht wirklich kennt.

Die Hürde kleiner machen

Es sind auch solche Szenen, die Sabri Dogan gezeigt haben, wie verbindend Vereine sein können. «Flüchtlinge brauchen eine regelmässige Betätigung. Und am besten tun sie das, was sie am liebsten machen. Fussball, Volleyball oder auch Schach spielen – oder singen. Das kennen sie vielleicht von zu Hause und macht ihnen Spass.» Die Hürde, sich in einem Verein anzumelden, ist für die meisten Flüchtlinge aber zu gross.

Zu teuer der Mitgliederbeitrag, zu schwer das Hineinkommen. Um diese Hürde einfacher bezwingbar zu machen, plant Dogan ein Projekt. Im Namen der Organisation ASK (Austausch in Sport und Kultur, Details siehe Box rechts) will er als Vermittler agieren, zusammen mit seinem Team. «Integration durch Partizipation», so der Projektname, soll aber nicht nur Flüchtlinge helfen, sich zu integrieren, sondern auch hier Wohnhaften helfen, das Schicksal der Flüchtlinge besser zu verstehen.

«Normalsterbliche kommen nicht in den Kontakt mit Flüchtlingen, wissen nichts über sie und lesen meist nur Negatives. Schnell lässt man sich dann von Angst leiten. Denn die ist stärker als Mitleid», erklärt Dogan, der in der Integrationskommission Liestal ist. Für ihn war Integration seit je ein Thema: In der Schweiz geboren, ist er ein Sohn eines muslimischen Vaters und einer katholischen Mutter.

Beide Elternteile sind nicht gläubig und doch brauchte es ihrerseits wegen der unterschiedlichen Kultur und Religion viel Toleranz und Fingerspitzengefühl, damit ein gutes Zusammenleben funktionierte. «Daher habe ich mich früh damit befasst, wie man sich einfügt.» Eine komplette Integration sei erst nach zwei oder drei Generationen geschafft. «Und deshalb ist es umso wichtiger, schon bei Jugendlichen anzufangen.»

Mit Gespräch zum Erfolg

Deshalb konzentriert sich sein Pilotprojekt, das am 1. Februar starten wird, auf Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren. Gerade die jüngeren Leute seien ohne Geborgenheit der Familie eher gefährdet, ins Negative abzudriften. Sie sollen in einem Verein ein Umfeld bekommen, sich willkommen fühlen.

«So ist es nicht nur physisch, sondern auch psychisch gesund für sie.» Aber die Integration ist nicht einfach, das weiss Dogan. Deshalb hat er mit seinem Team ein System ausgearbeitet, wie die Integration funktionieren soll. Der zentrale Punkt sind Gespräche. Viele Gespräche. Die noch mehr Fingerspitzengefühl fordern. Das Team um Dogan fragt Vereine an, ob sie Interesse daran hätten, einen oder zwei Flüchtlinge aktiv zu integrieren. Ist der Verein bereit – egal, ob dies eine Pfadi, eine Feuerwehr oder eben ein Sportverein ist – muss er pro Flüchtling einen Götti oder eine Gotte stellen.

«Der Flüchtling soll sich nicht nur auf diese Person fokussieren. Aber um den Start einfacher zu machen und im Verein für Verständnis zu sorgen, braucht es eine intensive Betreuung. Ansonsten festigen sich Vorurteile nur noch mehr.» Ist ein Götti oder eine Gotte gewährleistet, wird nach Flüchtlingen gesucht, die motiviert sind, sich auf diese Weise zu integrieren. Angefragt werden Flüchtlinge via Sozialamt, Wohnheime oder auch solche, die eine eigene Wohnung haben, aber keine sozialen Kontakte. Ist beidseitig Interesse vorhanden, werden Verein und Flüchtling zusammengeführt. Passt die Chemie, dann wird ein Versuch gewagt.

Anpassen statt festhalten

Doch damit ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Die Flüchtlinge werden von Dogans Team, auch nach deren Vermittlung zu einem Verein, ein Jahr weiter betreut – genauso wie die Vereine auch. In interkulturellen Kursen und Workshops lernen beide Seiten, wie die andere tickt. «Wir erklären zum Beispiel den Flüchtlingen, was die wichtigsten Gepflogenheiten der Schweiz sind, was man hier mag und was nicht.

Handkehrum sollen auch die Flüchtlinge ihre Werte vermitteln, erzählen, wie ihr Familienbild aussieht.» Als Sozialromantiker wolle Dogan sich aber nicht sehen. Ihm sei wichtig, dass beide Seiten wirklich etwas beitragen wollen müssen. Während der ganzen Dauer eines Jahres werden immer wieder Gespräche geführt, Standortbestimmungen gemacht. Danach wird der Flüchtling in die Selbstständigkeit entlassen.

«Es ist wie eine einjährige Lehre. Wir geben ihnen das Rüstzeugs mit, danach kann er selber arbeiten.» Die Idee ist auch, dass die Flüchtlinge ab dem zweiten Jahr den Mitgliederbeitrag selber zahlen – im ersten Jahr übernimmt dies der Verein, der sich so ebenfalls finanziell beteiligt.

Bis Ende 2017 will Dogan zwölf bis 15 Flüchtlinge in Vereinen unterbringen. «Das ist das Ziel, aber es ist nicht alles in Stein gemeisselt. Wir wollen auch an keinem Konzept aus der Schublade festhalten, sondern uns anpassen können.»

Gestartet wird im Baselbiet, «weil dort alles etwas übersichtlicher und der Start eines solchen Projektes so wohl auch einfacher ist». Ab April soll es dann auch mit einem Kooperationspartner in Basel-Stadt losgehen. Mit dem Ziel, am Ende viele junge Flüchtlinge wie Goytom mit der Betätigung in einem Verein ein klein wenig lächeln zu sehen.

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