Theater Basel
Interessengemeinschaft fürs Theater Basel bringt Publikum

Was tut die Regionale Interessen Gemeinschaft Theater Basel (RIG) für das Theater Basel? Präsident Lienhard Meyer gibt sein erstes Interview.

Susanna Petrin
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Von seinem Advokaturbüro aus sieht Lienhard Meyer, seit 2009 Präsident der Regionalen Interessen Gemeinschaft Theater Basel, direkt aufs Dach seines geliebten Stadttheaters.

Von seinem Advokaturbüro aus sieht Lienhard Meyer, seit 2009 Präsident der Regionalen Interessen Gemeinschaft Theater Basel, direkt aufs Dach seines geliebten Stadttheaters.

Kenneth Nars

Herr Meyer, warum liegt Ihnen das Theater am Herzen?

Lienhard Meyer: Ich bin einfach gern im Theater. Sogar, wenn mir das Stück nicht gefällt. Ich liebe die Atmosphäre, nicht nur in Basel. Und Theater ist ein unmittelbares Erlebnis, das man so im Kino nicht bekommt.

Und warum ist das Theater für die Gesellschaft wichtig?

Es kann Fragen, Probleme aufnehmen, welche die Gesellschaft aktuell beschäftigen. Es muss das aber nicht zwingend tun. Ich finde, es ist genauso wichtig, dass Theater die Leute unterhaltet. Das Theater muss ein Publikum haben, erst dann kann es gesellschaftlich relevant werden. Aber fragen Sie mich bitte nicht wie!

Das Ziel Ihres Vereins ist, «die Verankerung des Dreispartenhauses in der Bevölkerung über die Grenzen des Standortkantons Basel-Stadt hinaus zu festigen». Was tun Sie, um dieses Ziel zu erreichen?

Der Verein ist vor 20 Jahren gegründet worden als Reaktion auf ein happiges Sparprogramm, das dem Theater aufoktroyiert worden ist. Nach der Gründung kam die Abstimmung über den Kulturvertrag mit Baselland (ein Prozent des Steuerertrags natürlicher Personen geht ans Theater, ungefähr vier Millionen jährlich, d. Red.). Diese wurde zur Freude des Vereins gewonnen. Aber seither ist es auch schwieriger geworden, für weitere Beiträge im Baselbiet anzuklopfen. Doch unser Kerngeschäft ist: Wir wollen Leute ins Theater Basel bringen, aber auch in die anderen Theater der Region. Zwischen 25 bis 30 Mal pro Spielzeit organisieren wir für unsere Vereinsmitglieder Vorstellungsbesuche – etwa die Hälfte am Theater Basel – samt anschliessenden Gesprächen mit involvierten Künstlern. Es kommen jeweils zwischen 20 und 60 Leute mit. Ausserdem machen wir ein bis zwei Mal im Jahr eine Theaterreise – diesen Mai waren wir drei Tage in Wien.

20 Jahre

Vor 20 Jahren, am 8. Juni 1993, ist die Regionale Interessen Gemeinschaft Theater Basel (RIG) gegründet worden. Anlass war eine Sparrunde am Theater Basel, die an die Substanz ging. RIG-Initiant war Martin Burckhardt (Architekt, Grossrat, Nationalrat). Heute besteht der Verein aus über 500 Mitgliedern. Sein Hauptziel ist: Dem Theater Basel, aber auch weiteren Theatern der Region, mehr Publikum zu bescheren. Heute Nachmittag begeht die RIG ihr 20-Jahr-Jubiläum in einer nicht öffentlichen Feier im Theater Basel. (spe)

www.rig-theater.basel.ch

Diese Besuche und Reisen machen Sie vor allem für sich als Verein. Aber was tun Sie für das Theater?

Wir bringen Publikum. Und mit unseren relativ bescheidenen Mitteln unterstützen wir das Theater Basel auch finanziell. Einmal im Jahr machen wir einen Spendenaufruf, bei dem etwa 10 000 Franken zusammenkommen. Damit unterstützen wir eine kleine Produktion. Ausserdem spenden wir regelmässig 5000 Franken an das Festival «Spiilplätz» für junge Theaterschaffende.

Vor der Volksabstimmung über zusätzliche Theatergelder aus dem Kanton Baselland nahm man Ihren Verein auch öffentlich wahr ...

Im 2009, ich war gerade Präsident geworden, hatten wir beschlossen, dass wir im Abstimmungskampf nicht allein auftreten, sondern mit der Ballett-Gilde und dem Theaterverein. Gemeinsam hoben wir den Verein «Unser Theater» aus der Taufe, mit dem einzigen Ziel, politische Lobbyarbeit für diese Abstimmung zu betreiben. Diese ging zwar verloren, aber «Unser Theater» hat einen wahnsinnig guten Abstimmungskampf gemacht. Den Verein gibt es weiterhin – für den Fall einer nächsten Abstimmung.

Seither nimmt man aber Ihren Verein öffentlich kaum mehr wahr.

Unsere politische Arbeit läuft derzeit mehr im Stillen.

Was machen Sie?

Wir gehen auf Politiker zu – Regierungsräte, Grossräte, Landräte – und versuchen, sie dafür zu sensibilisieren, dass das Theater, wie andere Institutionen auch, Geld braucht.

Der Beitrag von Baselland muss neu verhandelt werden. Setzen Sie sich dafür ein, dass dieser erhöht wird?

Selbstverständlich. Wenn man die Besucherzahlen anschaut (40 Prozent aus Baselland) und die Beiträge von Basel-Stadt und Baselland vergleicht, ist natürlich der zweite sehr bescheiden. Vier Millionen Franken jährlich ist auch viel Geld, aber im Vergleich zu Basel (insgesamt rund 40 Millionen) doch wenig.

Sehen Sie einen Lösungsansatz?

Das Fernziel ist, ähnlich wie beim Uni-Vertrag, dass man ein Theater Basel mit einer gemeinsamen Trägerschaft hat. Aber das ist in absehbarer Zeit politisch wahrscheinlich nicht machbar. Darum kämpfen wir dafür, dass wenigstens die Subventionen ein wenig erhöht werden. Es müssen ja nicht vier Millionen mehr sein.

Sechs Millionen?

Je mehr, desto besser.

Seit Ihr Verein besteht, hat auch Basel-Stadt mehrere Mal das Theaterbudget gekürzt.

Klar, Basel-Stadt zahlt viel mehr als Baselland, hat aber in den letzten Jahren auch gekürzt. Das Theater steht heute, wenn man auch die Teuerung berücksichtigt, mit viel weniger Geld da als in den 80er-Jahren.

Die letzte Saison sind auch die Zuschauerzahlen deutlich zurückgegangen – für die laufende Saison gibts noch keine Zahlen. Steckt das Theater Basel in einer Krise?

Nein. Das Theater Basel schafft es zwar nicht mit jeder Produktion, das Publikum zu erreichen. Aber es gibt inzwischen auch immer mehr Möglichkeiten, sich an einem freien Abend zu vertun. Gerade auch für junge Leute. Der Altersdurchschnitt des Publikums und unserer Mitglieder ist bei uns ein häufiges Thema, letztere sind eher 50 plus.

Aber Sie sind jünger, oder?

43. Aber ich bin der Einzige in meinem Freundeskreis, der ein Theaterabo und keine FCB-Saisonkarte hat. Manchmal maile ich allen Freunden: «Das müsst ihr unbedingt sehen!» Dann gehen von 60 vielleicht zwei oder drei. Aber ich denke, man verklärt die alte Ära mit Düggelin, Baumbauer und Hollmann ein wenig. Die hatten das Haus auch nicht immer voll. Und bei Düggelin haben sie Kinder gefressen auf der Bühne; es ist alles da gewesen, kann ich zum häufig gehörten Vorwurf, heute gebe es nur noch Blut- und Unterhosentheater, nur sagen.

Was sagen Sie zur Arbeit des neuen Schauspiel-Leitungsteams?

Der Eröffnungsabend mit «Traumspiel» und «Don Carlos» war grossartig. Ich bin ein grosser Fan von Simon Solberg, und ich finde es auch sehr gut, dass Tomas Schweigen mit seiner wunderbaren Gruppe ins Schauspielteam integriert worden ist. Der «Werther»: ganz toll! «Like a Rolling Stone»: Hat mir gut gefallen. «Anna Karenina»: ganz schön. «Der Park»: super! Es gab nichts, das ich schlecht fand. Allerdings ist auch nichts an das von Elias Perrig 2010 inszenierte Stück «Waisen» herangekommen, überhaupt das Beste, das ich je am Theater gesehen habe!

Noch diesen Sommer soll der neue Theater-Direktor für die Saisons ab Mitte 2015 bekannt gegeben werden. Was wünschen Sie sich vom Neuen?

Gutes Theater!

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