Die Sicht von der grossen Terrasse in der St. Johanns-Vorstadt ist wohltuend: eine 180-Grad-Sicht auf den Rhein und viel Himmel. Am seitlichen Bau ist die wohl grösste Glastüre Basels zu finden. Als wir die Firma besuchen, wird sie gerade aufgemacht, und das Büro verwandelt sich in einen halb offenen Raum.

Zu dritt werden hier die neusten Updates der Programme besprochen und auf den Laptops gleich ausprobiert. Zwei andere haben sich einen Kaffee geschnappt und diskutieren ihre letzte Sitzung. Fast ist Ferienstimmung.

Gute Stimmung

Pascal Mangold (44), Mitgründer und Chef der Magnolia, ist bester Stimmung. Die vor einem Monat lancierte Version ihrer Software werde das Bearbeiten von Websites revolutionieren, ist er überzeugt. «Die Bedingung war: die Anwendung muss sehr, sehr einfach sein und tablet-computertauglich. Gleich intuitiv, logisch und übersichtlich wie ein iPhone», sagt er. «Und schön.» Mit der Magnolia-Software können grosse Firmen ihre Websites betreuen und aktualisieren.

Höhen und Tiefen

Mangold ist seit 20 Jahren in der IT-Branche tätig und kennt alle Höhen und Tiefen. Begonnen hatte er als Selfmademan, in dem er Filemaker-Pro-Eingabemasken programmierte. 1995 machte er die erste Webagentur auf, 2001 war die Truppe 14 Leute stark.

Es folgten schwierige Jahre. Mit seinem Kollegen und Mitinhaber Boris Kraft zog er die Firma durch, für ein, zwei Jahre zahlten sie sich keine Löhne, lebten vom Ersparten und der Unterstützung ihrer Ehefrauen. Doch sie fassten wieder Tritt, und immer mehr Kunden waren interessiert. «Aber nicht in der Schweiz, die lachten nur über uns.» Die ersten achtzig Kunden kamen alle aus dem Ausland.

Magnolia international wurde 2006 gegründet und war im Prinzip die Nachfolgegesellschaft ihrer früheren Firma Obinary. Das Eigenkapital bestand ausschliesslich aus den selbst erwirtschafteten Projekterträgen. Mangold: «Eine Bank hätte unser Expansionsprojekt niemals finanziert. Heute sind wir froh darüber, wir haben keinen Rappen Bankschulden. Dafür drei Millionen Cash.»

Der Umsatz beläuft sich auf 6,2 Millionen (2012), eine Verdoppelung bis 2015 sei denkbar, meint Mangold. Aber man dürfe nicht vergessen, dass sie vier Jahre gearbeitet hätten, bis die neue Version 5.0 verkaufsreif war. Die Mitarbeiterzahl ist auf 50 gewachsen, 32 sind in Basel tätig.

Sozialkompetent, teamfähig, kreativ: so umschreibt Mangold «seine» Mitarbeitenden. «Viele von uns, inklusive ich, haben Kinder. Vielleicht macht es das aus.» Selbstverständlich sind die Arbeitsverhältnisse so, dass auch mal von zu Hause aus gearbeitet werden kann. Die Firma hat Ableger in Tschechien, Madrid, Miami. 2015 dürfte Peking dazu kommen.

Die Software wird monatsweise oder länger gemietet. So fliesst regelmässig Geld. Basel sei als Standort «brillant». In Zürich sei der Arbeitsmarkt ausgetrocknet und die Löhne 25 Prozent höher. Hier fände man auch die Idealisten, die es für dieses Projekt brauche. «Es ist herrscht hier einfach ein anderer Mindset vor.» Die Erreichbarkeit sei sehr gut, Grenzgängerbewilligungen einfach erhältlich.

Alle zwei Wochen hätten sie einen Anruf eines Investors. Mangold: «Wir verkaufen nicht.»