Kaserne Basel

«Irgendeiner applaudiert immer» – eine Zürcher Band mit Businessplan

Mit Black Sea Dahu kommt einer der gehyptesten Schweizer-Musik-Exporte in die Kaserne Basel.

Sie will dem Publikum gerne etwas mit auf den Weg geben, worüber es beim nächsten Lied nachdenken könne, sagt Janine Cathrein von Black Sea Dahu. Per Zufallsprinzip wähle sie daher bei jedem Konzert eine von 141 «Einsichten» aus dem Buch von «Wolkenbruch»-Autor Thomas Meyer aus. «Irgendeiner applaudiert immer.»

Bei Black Sea Dahu wurden aus «irgendeiner» in letzter Zeit «viele». Wie die meisten ihrer Auftritte war auch das Konzert in der Luzerner Schüür Mitte Oktober ausverkauft. Paris, Hamburg, Berlin und Graz sind nur einige der Stationen, welche die Zürcher Band zuletzt bespielt hat.

Mittlerweile ist die Band seit über einem Jahr ununterbrochen auf Tour. «Wir leben, was wir lieben», sagte Sängerin Cathrein drei Stunden vor dem Luzerner Konzert bei Tee und Erkältungsmedikamenten. Und sie fügt gleich lachend an: «Wir leben es, aber gut davon leben zu können, ist noch einmal etwas anderes. Aber immerhin: Wir leben es. Yeah!» Sagt es und klatscht mit Schlagzeuger Nick Furrer ab.

Der Schlüssel zum Leben dieses Traums liegt in «In Case I Fall For You», diesem wunderschönen Indie-Folk-Kleinod. Über drei Millionen Mal wurde der Song schon gestreamt. Das öffnet Türen. Zu Konzerthäusern, zu Festivals, verschafft Medienpräsenz.

«Ausverkaufte Konzerte steigern den Marktwert ungemein»

Was Black Sea Dahu von vielen anderen Bands unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie nicht einfach durch die geöffneten Türen latschen und sich damit zufriedengeben. Sie sehen bereits wieder die nächste, noch ungeöffnete Tür. «Was unsere Band auszeichnet, ist der unbedingte Wille und das Commitment aller Mitglieder, alles für die Band zu machen», sagt Furrer.
Furrer hat auch ein eigenes Solo-Projekt, Haubi Songs, das er derzeit auf Eis gelegt hat, damit er sich auf Black Sea Dahu konzentrieren kann. Damit es nicht gänzlich einfriert, gibt er auf der Tour manchmal die Vorband. «Unser Label hat uns früh gesagt: Macht es richtig oder lasst es sein», sagt Cathrein. Sie habe auch Deals von grossen Plattenfirmen abgelehnt, weil «da einfach nicht alles gestimmt hat. Und ich muss hundertprozentig dahinterstehen können.»

Das Konzert in der Schüür war bestuhlt. Weil «die Leute dann weniger «schnurre», so Cathrein in breitem Zürideutsch. Und tatsächlich: Das klappt. Die Band bekommt so die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Die oft ruhigen und melancholischen Songs beginnen nie zu plätschern, sondern fliessen geschmeidig. Dann und wann steigert die sechsköpfige Band geschickt Intensität und Lautstärke.

Naiv ist in der Band niemand

Es waren sehr unaufgeregte 90 Minuten Konzert, die direkt berührten, ohne dass es kitschig wurde. Bestuhlte Konzerte haben aber auch noch einen weiteren positiven Nebeneffekt, wie Furrer und Cathrein sagen: «So sind die Konzerte schneller ausverkauft. Ausverkaufte Konzerte steigern den Marktwert ungemein.»

Black Sea Dahu denken in Geschichten. Das ist in einer schnelllebigen Zeit Gold wert. In der allgemeinen Musiküberflutung ist es schwierig, «nur» mit Musik hängenzubleiben. «Unsere Social-Media-Kanäle werden 24/7 bedient», sagt Cathrein. Bei allem Hippie-Charme, den Black Sea Dahu zuweilen versprühen – naiv ist in der Band niemand. «Es braucht beides, die Musik und den Hype», sagt Furrer. «Es wäre dumm zu glauben, dass der Zug einfach immer weiterfährt, wenn wir nichts dafür tun», sagt Cathrein.

Cathrein wie Furrer betonen, dass sie bereits im Studio gespürt hätten, dass hier etwas Grösseres passieren könnte. «Als wir die Songs erstmals gehört haben, war für mich sofort klar, dass das Erfolg haben wird», sagt Cathrein. Getragen wird der Black-Sea-Dahu-Hype von der Leidenschaft der Musiker. Die T-Shirts drucken sie selber, und sie erzählen Geschichten mitten aus dem Leben. Dass ihre eigene Geschichte selber recht gut ist, hilft dabei, dass zuletzt deutlich mehr als «irgendeiner» klatscht.

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