Stadtentwicklung

Iselin-Quartier: Diese zwei alten Häuser sind vom Abbruch bedroht

Im Basler Iselin-Viertel verschwindet immer mehr gründerzeitliche Bausubstanz - das führt zu Protesten.

Wahrscheinlich waren die Stadtplaner in einen langen, tiefen Schlaf verfallen, als die Stadt im späten 19. Jahrhundert in der Gegend zwischen Schützenmattpark und Kannenfeldfriedhof erweitert wurde. Der Kunsthistoriker Jörg Rieger spricht im Band Basel des Inventars Schützenswerter Bauten von einer «Unübersichtlichkeit». Das heutige Iselin-Quartier ist geprägt von unterschiedlich langen und breiten, auch krumm geführten Strassen und unterschiedlich grossen Häusergevierten.

Eine ehemalige Schmiede und ein Restaurant

Von der ursprünglichen Substanz ist heute nicht mehr allzu viel übrig. Und was noch steht, ist akut bedroht. Zwei Fälle sorgen derzeit im Quartier für Gesprächsstoff - und für Unmut. Zum einen die 1904 erbaute Schmiede, wo unter anderem Pferde beschlagen wurden, an der Rufacherstrasse 73 (linkes Bild). Sie soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Anwohner machten diese Zeitung auf das Baugesuch aufmerksam. Ob die privaten Eigentümer ahnen, dass ihre Pläne im Quartier nicht nur auf Freude stossen? Auf jeden Fall hängt die obligatorische Tafel mit dem Baubegehren nicht gut sichtbar am Gebäude, sondern leicht verschämt parallel zu der schmucken, gepflästerten Hauszufahrt bei einem Gebüsch.

Deutlich sichtbarer ist die Tafel beim Haus mit der Nummer 35 an der Hegenheimerstrasse, einem schlichten Gründerzeithaus, wie es an dieser Strasse nur noch wenige gibt. Zahlreichen Gastrofreunden ist dieses Haus bekannt. Viele Jahre beherbergte es das Restaurant «Am Hübeli», in den neunziger Jahren mit dem «Goldenen Fass» im Kleinbasel oder der «Couronne» in Leymen (F) eine der wichtigen Adressen für gehobene Kochkunst. Nun also auch hier: Abbruch und Neubau.

Iselin in Erneuerungsphase

Der Fall des «Hübeli» war dem Basler Heimatschutz noch nicht bekannt, wie Obmann Christof Wamister gegenüber der bz sagt. Bei der ehemaligen Schmiede an der Rufacherstrasse habe sich die staatliche Denkmalpflege zwar gegen eine Aufnahme ins Inventar schützenswerter Bauten entschieden. «Ob unser Verein eine Einsprache machen wird, hängt auch von der Qualität des Neubauprojekts ab», erläutert Wamister. Was aber für einen Erhalt spreche: Das Haus grenze an eine Schutzzone an und es habe wertvolle Bausubstanz in der unmittelbaren Umgebung. Dies sei beim «Hübeli» weniger der Fall.

Dass sich das Iselin-Quartier derzeit in einer Erneuerungsphase befindet, zeigt sich an anderen Projekten. An der Türkheimerstrasse hinter dem Ahorn-Hochhaus verschwinden allmählich alte, kleine Gewerbebauten zugunsten von neuem Wohnraum. Während die Settelen AG ihr Areal dereinst umbauen möchte und ein Innenhof-Projekt gleich hinter dem «Hübeli» schon im Gang ist, steht ein umstrittener Neubau seit ein paar Wochen bezugsbereit. Noch im April 2017 hatte eine Gruppe von Aktivisten dessen Vorgängerbauten besetzt gehalten. Bis die Polizei kam und die Liegenschaften räumte.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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