«Basel im Gespräch» heisst eine von der bz mitorganisierte Diskussionsreihe. «Islam. Zukunft. Schweiz», so der Titel der für den 14. November geplanten Veranstaltung. Das Ziel: Muslime unterschiedlicher Couleur in der «Offenen Kirche Elisabethen» in Basel zum Meinungsaustausch zu laden.

Doch nun sieht es so aus, als ob das Gespräch der Gewalt oder zumindest der Drohung mit Gewalt weichen müsste. Die Kantonspolizei Basel-Stadt ist mit der Bitte an die Organisatoren herangetreten, die Veranstaltung abzusagen. Von den unterschiedlichen Gruppierungen werde massiv mobilisiert. Es sei zu befürchten, dass Anhänger diverser Podiumsteilnehmer bewaffnet an die Podiumsveranstaltung kommen würden.

Bunte Gästeschar

Eine der Teilnehmerinnen am Gespräch hat damit bereits Erfahrung. Seyran Ates, Deutsch-Türkin, Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin, braucht Personenschutz. Im Juni hat sie in Berlin eine liberale Moschee gegründet. Eine, in der alle willkommen sind und alle zusammen beten. Unabhängig von Glaube, Geschlecht und sexueller Orientierung. Seither erhält sie Morddrohungen. Fünf deutsche Bundespolizisten sorgen ständig für ihre Sicherheit. So wäre es in Absprache mit der Kantonspolizei auch in Basel.

Einen ähnlichen Weg des Dialogs geht Kerem Adıgüzel. Er ist Redaktor bei «Al Rahman» und vertritt mit seinen Mitstreitern wie Ates einen Islam, der allen offensteht. Ebenfalls dabei an der Gesprächsrunde soll Muris Begovic sein, der Geschäftsführer der Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich (VIOZ). Dazu gesellt sich Yavuz Selim Tasoglu, Mitglied der Basler Muslim Kommission (BMK) und Unterstützer des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Beide diese Verbände, BMK als auch VIOZ, haben in ihren Reihen orthodoxe und weniger orthodoxe Moscheen. Und beide mussten in der Vergangenheit immer wieder Kritik einstecken, sie würden zu wenig gegen radikale Kräfte tun.

Dennoch wollen sich diese vier Vertreter zusammensetzen und unter der Leitung von Pfarrer Frank Lorenz, Co-Leiter der Offenen Kirche Elisabethen, über ihre Religion diskutieren.

Doch offenbar sind nicht alle Muslime derart offen für ein Gespräch. Im Vorfeld der Veranstaltung hat die Basler Polizei glaubhafte Drohungen gegen die Diskussionsrunde und ihre Teilnehmenden erhalten.

Noch kein Absageentscheid

Noch haben die Organisatoren nicht entschieden, ob sie die Veranstaltung absagen wollen. «Aus grundsätzlichen Erwägungen möchte ich nicht einknicken», sagt Lorenz. Allerdings wolle man auch keine Menschen in Gefahr bringen. Es würden nun Gespräche mit allen Diskussionsteilnehmern, der Trägerschaft, zu der das Präsidialdepartement gehört, sowie der Polizei geführt. «Es wäre sehr schade, wenn dieses ausgewogene Podium, an dem alle Strömungen des Islams vertreten wären, nicht stattfinden könnte», sagt Lorenz.

Die Basler Polizei zeigt sich offiziell wortkarg. Auf Anfrage der bz schreibt sie lediglich: «Die Kantonspolizei steht analog zu vielen weiteren Veranstaltungen in der Vergangenheit in engem Kontakt mit den Organisatoren und informiert diese über die Pflichten und Möglichkeiten in Sachen Sicherheitskonzept. Die Entscheidung über die Durchführung des Anlasses liegt nach wie vor bei den Organisatoren. Die Kantonspolizei ist mit dem Veranstalter im Gespräch. Weitere Details können wir aus naheliegenden Gründen nicht nennen.»