Gläbbergässli

Ist die Grünpfahlgasse eine No-Go-Zone für Fasnächtler? – Jetzt spricht der Vortrab

Aktive meiden die Grünpfahlgasse vorsätzlich – trotz Polizeipräsenz und obwohl es keine Schlägereien gab. «Die Route muss offen bleiben», fordern die Fasnächtler.

Die paar Meter zwischen der Hauptpost und dem Rümelinsplatz in der Grünpfahlgasse sind normalerweise unscheinbar und unbelebt. An der Fasnacht hingegen gilt die Gasse mittlerweile als Gefahrenzone – oder im Minimum als für Fasnächtler ausgesprochen ungemütlich.

Nachdem es vergangenes Jahr zu Ausschreitungen und Schlägereien unter Nicht-Fasnächtlern und Fasnächtlern gekommen war, erhöhte die Basler Polizei dieses Jahr die Präsenz, wirkte präventiv ein. Das Resultat: «Keine Schlägereien», wie Polizeisprecher Toprak Yerguz im Rahmen der Fasnachtsbilanz gegenüber der bz sagte.

Doch das beruhigt die Aktiven nicht. Die Gasse, bevölkert durch Zaungäste, die oft vom Feiern im Unternehmen Mitte kommen, ist kurz und für Altstadtverhältnisse relativ breit. Zwar sei es im Gegensatz zum Vorjahr zu keiner einzigen Schlägereien gekommen, von den Aktiven gemieden wird die zentral gelegene Gasse aber dennoch.

Tambouren, deren Vereine es trotz der «abweisenden Stimmung» gewagt hatten, durch den mittlerweile als Gläbbergässli bekannten Strassenzug zu schreiten, berichten von Remplereien und weiteren Anfeindungen: Die weitgehend Jugendlichen Zuschauer würden sich nicht um Abstand scheren, durchschreiten einfach den marschierenden Zug, es sei auch zu Beschimpfungen gekommen.

Eine Wand aus Menschen

Tatsächlich verzichteten die meisten Vereine und Gruppen auch dieses Jahr darauf, die Achse zu durchschreiten. Der Stammverein der Olympia etwa war nie vor Ort, andere wie die Alten Stainlemer passierten die Gasse nicht mehr als zweimal. Obwohl sie als eine der wichtigsten Hauptrouten galt, um mit einer grossen Laterne überhaupt zum Rümelinsplatz und damit ins Herz der Altstadt-Szene zu gelangen. Vor allem am Mittwochabend, wenn sich die Stammvereine in komplexen Manövern kreuzen müssen.

Für den Zugchef der Alten Stainlemer ist: «Diese Verbindung ist für die Fasnacht wichtig, die Route muss offen bleiben.» Stattdessen aber treffe man auf eine regelrechte Wand aus Menschen, die kaum ein Durchkommen zulasse. Die Stainlemer verfügen als Stammverein über einen Harst von rund 100 Teilnehmenden; allein 16 davon sind im Vortrab damit beschäftigt, Platz für den ganzen Zug zu schaffen.

Namentlich will der Zugchef nicht genannt werden. Nicht, weil er zu Aussagen nicht stehen würde. Da er aber pädagogisch tätig ist, hat er mehrere ihm bekannte Gesichter wahrgenommen. «Es sind vor allem Jugendliche, die die Gasse bevölkern, sie ist ein Treffpunkt.» Was an sich ganz normal sei – aber hierbei zur Konflikten führt, die ein Appell an die Toleranz, wie ihn das Fasnachts-Comité ausgegeben hatte, kaum lösen kann.

Spiessrutenlauf in einer Gasse

Während die Gasse also selbst für grosse Stammvereine zum Stresstest wird, ist für kleine Gruppierungen an ein Durchkommen gar nicht erst zu denken. Allein die eingeschränkte Sicht unter einer Larve und das Spielen eines Instruments machen es schwierig, in einer Remplerei überhaupt bestehen zu können.

Dass die Dichte an Menschen problematisch werden kann, bestätigt die Polizei: «In der Grünpfahlgasse haben sich zwischenzeitlich unterschiedliche Nutzergruppen aufgehalten. Provokationen kamen in Einzelfällen vor, wobei die Kantonspolizei jeweils durch rechtzeitiges, deeskalierendes Einschreiten eine sich anbahnende gröbere Auseinandersetzung unterbinden konnte», wie deren Sprecher Toprak Yerguz sagt.

«Die Situation in der Grünpfahlgasse – wie jene im ganzen Fasnachtsperimeter – ist in die Lagebeurteilung eingeflossen. Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat das Einsatzdispositiv entsprechend aufgestellt», so Yerguz. Die abschreckende Wirkung für Aktive aber blieb, wie es neben dem Zugschef der Stainlemer auch weitere Vorträbler mittlerer bis grösserer Vereine bestätigen.

Zuständig dafür, dass die Gasse frei bleibt, ist niemand. Das Fasnachts-Comité kann einzig beraten. Das Unternehmen Mitte sorgt im Rahmen seiner Möglichkeiten bereits für die Sicherheit. Die Nutzung des öffentlichen Raums ist letztlich Sache aller Beteiligten; einzig die Polizei sorgt für die Sicherheit – was sie diese Fasnacht auch getan hat.

Eine verstärkte Nutzung durch die Fasnächtler könne eine Lösung sein, sagen Vorträbler, das Meiden der Gasse ist eine andere, wie es viele weitere Gruppen einfach taten. Das Resultat dieser Entwicklung: Innert weniger Jahre hat sich die Grünpfahlgasse von einer reinen Verkehrsachse der Fasnachtseinheiten zu einer Partyzone für Besucher am Rande der Fasnacht gewandelt.

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