Der Schweizer Tierschutz (STS) ist der Meinung, dass die Primatenhaltung in Zoos grundsätzlich hinterfragt werden darf. Schliesslich handle es sich bei den Menschenaffen um unsere nächsten Verwandten. Der STS stellt sich aber auf den Standpunkt, dass die Haltung unter Einhaltung «höchster Ansprüche» an die sozialen und kognitiven Bedürfnisse der Tiere vertretbar sei. Die Menschenaffen müssten «grosszügige Freigehege mit vielfältigen Strukturen zum Klettern, Ruhen, Spielen und Nahrung Suchen» vorfinden. Diese Bedingungen sieht die Organisation im Zoo Basel erfüllt, weswegen sie beim Affenhaus von einem Vorzeigegehege spricht.

Die Kletterbäume, die natürliche Vegetation sowie der Komfort mit Hängematten, der Sand, die Sonne und der Schatten gewährten den Primaten einen hohen Komfort. Zudem hätten sie genügend Rückzugsorte.

Weit stärker unter Druck steht die Primatenhaltung im Basler Zolli wegen einer Initiative der Denkfabrik «Sentience Politics». Diese fordert, dass den Menschenaffen in der Kantonsverfassung «das Recht von nichtmenschlichen Primaten auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit» gewährt wird. Genauso wie die Menschen sollten also auch die Menschenaffen Grundrechte besitzen. Die Initiative wurde im Sommer eingereicht.

Meret Schneider, Co-Geschäftsleiterin bei «Sentience Politics», begründet das Anliegen damit, dass die Primaten in der Leidensfähigkeit, der Empathie und dem Sozialleben Kindern ebenbürtig sind. Doch fordert ihre Initiative nicht, dass die Affenhaltung gänzlich eingestellt wird – anders als etwa die Tierversuche. Doch hätte eine Annahme zweifelsohne einschneidende Konsequenzen für den Zolli. Schneider sagt, dass sich der Basler Zoo nach der Umsetzung des Gesetzes wahrscheinlich auf eine Primatenart konzentrieren müsse. Für die derzeitige Haltung von Orang-Utans, Gorillas sowie Schimpansen sei es immer noch zu eng – auch wenn das neue Gehege mit knapp 5000 Quadratmetern doppelt so gross ist wie das alte Basler Gehege.

Immerhin findet Schneider für die Affenhaltung im Zoo auch lobende Worte: So habe die Zolli-Leitung nach dem Todesfall eines der Primaten das Affenhaus für die Besucher geschlossen, damit die Tiere ungestört um das Gemeinschaftsmitglied trauern konnten.

Bestrebungen in Deutschland

Mit den Zooverantwortlichen hatte Meret Schneider bisher keinen Kontakt. Der Zoo scheint sich derzeit ohnehin keine allzu grossen Gedanken über die Konsequenzen der «Sentience Politics»-Initiative zu machen. Zolli-Sprecherin Franziska Viscardi sagt auf Anfrage, dass die Haltung von Affen und Grossaffen im Basler Zolli den Vorschriften entspreche. Doch sie gibt zu: «Die Annahme der Initiative würde den Zoo tangieren.» Wie genau könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.

Beinahe selbstredend aber, dass der Zoo die Initiative für die Grundrechte von Primaten ablehnt. «Die Schweizer Verfassung regelt, dass nur der Mensch über Grundrechte verfügen kann und damit auch Pflichten verbunden sind. Nur der Mensch ist in der Lage, für (andere) Tiere Verantwortung zu übernehmen», sagt Viscardi. Beim Zolli sei man überzeugt, diese Verantwortung jederzeit voll und ganz zu übernehmen.

Auf lange Sicht ist das Thema aber nicht vom Tisch: Auch in anderen Ländern gibt es Bestrebungen, die Rechte der Primaten mit denjenigen der Menschen gleichzustellen. In Deutschland machen sich beispielsweise seit fünf Jahren grüne Bundestagsabgeordnete für ein Verbot der Affenhaltung in Zoos stark.