Wochenkommentar
Ist es problematisch, wenn Politiker sich zu einem Glauben bekennen?

Als BL-Regierungsratskandidat Eric Nussbaumer sich zu seiner Religion bekannte, sorgte das für Irritation. Ähnliche Reaktionen erntet Basler Regierungspräsident Guy Morin mit dem Bekenntnis zu seinem Glauben. Beiden wird vorgeworfen, die Bibel für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Matthias Zehnder
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Welche Rolle darf Religion heute in der Politik spielen? (Symbolbild)

Welche Rolle darf Religion heute in der Politik spielen? (Symbolbild)

Ist das so? Ist es problematisch, wenn Politiker sich zu einem Glauben bekennen? Welche Rolle darf Religion heute in der Politik spielen?
Zunächst: Die Religion ist in der Schweiz kein Fremdkörper in der Politik, sondern im Gegenteil ihre Basis. Nach wie vor beginnt die Bundesverfassung der Eidgenossenschaft mit den Worten: «Im Namen Gottes des Allmächtigen!».

Auch beide Basel beziehen sich in ihren Verfassungen mehr oder weniger explizit auf Gott. In der Präambel zur Verfassung von Basel-Stadt heisst es: «In Verantwortung gegenüber der Schöpfung und im Wissen um die Grenzen menschlicher Macht, gibt sich das Volk des Kantons Basel-Stadt die folgende Verfassung». Das Baselbieter Volk gibt sich die Verfassung «eingedenk seiner Verantwortung vor Gott für Mensch, Gemeinschaft und Umwelt».

Eine Rückbesinnung auf religiöse Werte in der Politik ist also im Sinne der Verfassung. Mindestens solange es sich dabei um eine persönliche Rückbesinnung handelt. Wenn sich ein Kollektiv auf Gott beruft, wird es problematisch. Ich habe mir immer vorgestellt, wie die alten Eidgenossen vor ihren grossen Schlachten auf die Knie gesunken und den Beistand von Gott dem Allmächtigen erflehten - und die Habsburger gleichzeitig dasselbe machten. Prompt sass Gott in der Zwickmühle.

Dasselbe gilt auch heute für Kämpfe aller Art, auch für Wahlkämpfe: Sich auf christliche Werte zu beziehen, ist verständlich und nachvollziehbar, Gott um Beistand anzugehen und im Namen Gottes in den Kampf zu ziehen, geht nicht, weil Gott dann Partei ergreifen müsste.

Wenn sich ein Politiker persönlich zur Bibel als Wertmassstab bekennt, ist nichts daran auszusetzen, so lange die Religion Ausgangspunkt und nicht Zweck oder Ziel der Politik ist. Im Gegenteil wäre es wünschenswert, dass Politiker generell mehr über ihre Wertmassstäbe sprechen.

In der Schweiz müssen Parlamentarier zwar ihre Interessenbindungen offen legen - von einer Offenlegung der ethischen Bindungen war bisher nie die Rede. Vielleicht auch deshalb, weil viele Politiker nur die Schultern zucken würden. Ihre «Ethik» beschränkt sich auf das Vertreten von Interessen und gut ist, was ihnen nützt. So gesehen sind Politiker, die sich auf die Bibel beziehen, eine erfrischende Ausnahme.