«Das grosse grüne Dorf» startete vor 15 Jahren als einfacher Slogan des Leitbilds 2000–2015 und wurde gegen Ende dieser Phase immer mehr zu einem Bekenntnis zum Charakter der Gemeinde. Riehen soll trotz seiner Grösse und der rund 20'000 Einwohner seinen typischen dörflichen Stil mit viel Grün behalten. Noch in diesem Jahr soll «Das grosse grüne Dorf» durch ein neues Label ersetzt werden. Obwohl das neue Leitbild auf dem alten aufbaut, gefällt es nicht allen, dass dieses ersetzt wird.

Bevölkerung ist gefragt

Der Gemeinderat und die Verwaltung rufen die Bevölkerung auf, aktiv an der Entstehung des neuen Leitbilds mitzuwirken. «Wohin führt Riehens Reise?», fragte Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) vor zehn Tagen zum Start der Mitwirkungsphase philosophisch. Wilde eröffnete damals eine Ausstellungswand im Winkelgässchen im Dorf und beim Rauracher Zentrum im Niederholzquartier. Es liegen Stift und Papier bereit, mit denen die Bevölkerung ihre Gedanken, Ideen und auch Kritik anonym über einen Briefkasten den Behörden überbringen kann. Auch online auf einem extra eingerichteten Blog auf der Gemeindehomepage kann man sich äussern. «Wir wollen das Leitbild nicht im stillen Kämmerlein erarbeiten», betont Wilde.

Das Leitbild soll dem Gemeinderat und der Gemeindeverwaltung Leitplanken für die künftigen Planungen und Entwicklungen vorgeben. In zwölf Grundsätzen formulierten die Verantwortlichen ihre Ziele für das neue Leitbild und gaben ihm den Slogan «Mein Riehen 2030». Fünf unterstreichen den ewigen Konflikt zwischen Bewahren und Entwickeln. Die Vorarbeiten für das neue Leitbild begannen mit einer zweitägigen Retraite, während derer Stärken und Schwächen des alten Leitbilds analysiert wurden. Strasseninterviews und Schülerbefragungen wurden indes bereits Mitte 2014 durchgeführt.

Der Gemeinderat hat das Basler Büro Courvoisier als Impulsgeber für die Stadt- und Projektentwicklung miteinbezogen. «Das Privileg, in einer besonderen Gemeinde zu wohnen – stadtnah und doch im Grünen – wird sehr geschätzt», sagt Inhaber und Geschäftsführer Andreas Courvoisier über die ersten Eindrücke aus den Strasseninterviews. Dass trotz der Grösse Riehens die Gemeinde noch überschaubar sei und man sich im Dorf noch kenne, wurde ebenfalls positiv erwähnt. «Mit Blick auf die Zukunft wünscht sich die Bevölkerung attraktivere, lebendigere Zentren. Sie sorgt sich um die Läden und wünscht sich mehr Orte der Begegnung», so Courvoisier. Zudem sorgten sich die Befragten um familien- und altersgerechten, bezahlbaren Wohnraum.

Leitbild kommt im Herbst

Morgen Abend sowie am darauffolgenden Montag lädt nun der Gemeinderat die Bevölkerung an zwei Zukunftswerkstätten zum Austausch über das neue Leitbild ein. Aus Planungsgründen ist eine Voranmeldung notwendig. Mitte April soll die Mitwirkung abgeschlossen sein und die Entwicklungsziele und Massnahmen des Leitbilds werden formuliert. Ein erster Entwurf wird gemäss Planung Ende Juni vorgestellt. Anschliessend kommt dieser in die Vernehmlassung. Die endgültige Fassung und damit den Rahmen verabschiedet der Gemeinderat im Herbst.

SVP-Einwohnerrat und Grossrat Heinrich Ueberwasser fürchtet, Riehen würde mit dem neuen Leitbild seine Identität als «grosses grünes Dorf» verlieren. Herr Ueberwasser, das neue Leitbild steht erst am Anfang seiner Entstehung und integriert die verschiedensten Interessen in Riehen zu einem Kompromiss. Woher rührt denn Ihre Sorge?Heinrich Ueberwasser: Ich setze mich seit über 20 Jahren für Riehen als grosses grünes Dorf mit Moostal und Stettenfeld ein. Ich muss nun im Gemeinderat eine bürgerliche Mehrheit überzeugen, die das grosse grüne Dorf infrage stellen will. Die andere zu überzeugende Behörde ist die rot-grüne Regierung im Kanton. Weshalb die Kritik am bürgerlich dominierten Gemeinderat?Es ist die Aufgabe des Gemeinderats, die Quintessenz aus den Volksentscheiden der letzten Jahre zu ziehen: Die Bevölkerung will das grosse grüne Dorf erhalten. Das muss sich so deutlich im Leitbild widerspiegeln. Als Auftrag an die Politik, dieses zu bewahren. Ohne «grosses grünes Dorf» im Titel wird der Kanton faktisch eingeladen, mittels kantonalen Richtplans die Verstädterung Riehens einzuleiten. Sie befürchten eine kantonale Siedlungserweiterung in Riehen?Ja. Schrebergärten und Grünflächen sollen meiner Meinung nach auch in Siedlungsräumen möglich bleiben. So stelle ich mir Urbanität auch vor. Entschieden wird der Match um die grünen Dörfer der Schweiz aber sowieso in Bern. So sinnvoll die vom Bund koordinierte Zusammenarbeit in Agglomerationen ist, so wichtig ist die Planungsautonomie der Gemeinden und Kantone. Bern soll nicht anstelle der Kantone planen dürfen, sondern nur mit Kantonen und betroffenen Gemeinden zusammen. Letztlich hängt es also von Bundesbern ab, ob Riehen den dörflichen Charakter als blühende Wohngemeinde im Grünen behalten sowie Spazierparadies für die ganze Region sein kann. In den Erläuterungen zum neuen Leitbild steht aber nirgendwo, dass Riehen seinen Charakter verlieren soll. Das neue Leitbild knüpft sogar an das Alte an.Das «grosse Grüne Dorf» muss im Titel bleiben und aufgrund der Volksabstimmungen unmissverständliche Leitlinie sein. Ich wünsche mir als Titel des Leitbilds «Riehen 2030: Unser grosses grünes Dorf in der Region». Sie wollen mehr bewahren als entwickeln. Sind Sie ein Verhinderer und Stillsteher?Ich bin dafür, dass sich Riehen sanft entwickelt. So sieht es auch die Bevölkerung. Was heisst schon «sanft entwickeln» in einer Zeit, in der Schlagwörter wie «Verdichtung» und «Wohnungsnot» dominieren?Neubauten im Grünen lindern die Wohnungsnot nicht. Sie sind zu teuer für die von Wohnungsnot betroffene Bevölkerung. Nur sanft renovierte Altbauten sind für Menschen mit kleinem Budget bezahlbar. Was die Verdichtung betrifft: Ich bin gegen Wohnblöcke anstelle von charmanten, charakteristischen Häusern. Riehen soll sich im Innern entwickeln. Ich lasse diese Entwicklung schon zu. Es braucht eine gewisse Flexibilität für neue Wohnformen. Zur Aufwertung und besseren Nutzung bestehender Gebäude befürworte ich bei gleicher Stockwerkzahl neu drei Wohneinheiten, wo bisher zwei pro Gebäude möglich waren. Aber die Siedlung von Kubatur und der Höhe her muss gleich bleiben und den Charakter dieses Paradiesgartens beibehalten. Ein Paradiesgarten? Sieht so Ihr Riehen 2030 aus?Malerische Gebäude, Gärten, Bäume, Spielplätze, Parks, Schrebergärten, Spazierparadiese wie Moostal und Stettenfeld. Dazu die am Rande der Langen Erlen gelegene Fondation Beyeler. Auch der idyllische Friedhof Hörnli mit den Rehen. Und eine gastfreundliche Bevölkerung. Ja, Riehen ist ein Paradiesgarten und soll es auch bleiben. (tgf)

SVP-Einwohnerrat: «Riehen ist ein Paradiesgarten»

SVP-Einwohnerrat und Grossrat Heinrich Ueberwasser fürchtet, Riehen würde mit dem neuen Leitbild seine Identität als «grosses grünes Dorf» verlieren. Herr Ueberwasser, das neue Leitbild steht erst am Anfang seiner Entstehung und integriert die verschiedensten Interessen in Riehen zu einem Kompromiss. Woher rührt denn Ihre Sorge?Heinrich Ueberwasser: Ich setze mich seit über 20 Jahren für Riehen als grosses grünes Dorf mit Moostal und Stettenfeld ein. Ich muss nun im Gemeinderat eine bürgerliche Mehrheit überzeugen, die das grosse grüne Dorf infrage stellen will. Die andere zu überzeugende Behörde ist die rot-grüne Regierung im Kanton. Weshalb die Kritik am bürgerlich dominierten Gemeinderat?Es ist die Aufgabe des Gemeinderats, die Quintessenz aus den Volksentscheiden der letzten Jahre zu ziehen: Die Bevölkerung will das grosse grüne Dorf erhalten. Das muss sich so deutlich im Leitbild widerspiegeln. Als Auftrag an die Politik, dieses zu bewahren. Ohne «grosses grünes Dorf» im Titel wird der Kanton faktisch eingeladen, mittels kantonalen Richtplans die Verstädterung Riehens einzuleiten. Sie befürchten eine kantonale Siedlungserweiterung in Riehen?Ja. Schrebergärten und Grünflächen sollen meiner Meinung nach auch in Siedlungsräumen möglich bleiben. So stelle ich mir Urbanität auch vor. Entschieden wird der Match um die grünen Dörfer der Schweiz aber sowieso in Bern. So sinnvoll die vom Bund koordinierte Zusammenarbeit in Agglomerationen ist, so wichtig ist die Planungsautonomie der Gemeinden und Kantone. Bern soll nicht anstelle der Kantone planen dürfen, sondern nur mit Kantonen und betroffenen Gemeinden zusammen. Letztlich hängt es also von Bundesbern ab, ob Riehen den dörflichen Charakter als blühende Wohngemeinde im Grünen behalten sowie Spazierparadies für die ganze Region sein kann. In den Erläuterungen zum neuen Leitbild steht aber nirgendwo, dass Riehen seinen Charakter verlieren soll. Das neue Leitbild knüpft sogar an das Alte an.Das «grosse Grüne Dorf» muss im Titel bleiben und aufgrund der Volksabstimmungen unmissverständliche Leitlinie sein. Ich wünsche mir als Titel des Leitbilds «Riehen 2030: Unser grosses grünes Dorf in der Region». Sie wollen mehr bewahren als entwickeln. Sind Sie ein Verhinderer und Stillsteher?Ich bin dafür, dass sich Riehen sanft entwickelt. So sieht es auch die Bevölkerung. Was heisst schon «sanft entwickeln» in einer Zeit, in der Schlagwörter wie «Verdichtung» und «Wohnungsnot» dominieren?Neubauten im Grünen lindern die Wohnungsnot nicht. Sie sind zu teuer für die von Wohnungsnot betroffene Bevölkerung. Nur sanft renovierte Altbauten sind für Menschen mit kleinem Budget bezahlbar. Was die Verdichtung betrifft: Ich bin gegen Wohnblöcke anstelle von charmanten, charakteristischen Häusern. Riehen soll sich im Innern entwickeln. Ich lasse diese Entwicklung schon zu. Es braucht eine gewisse Flexibilität für neue Wohnformen. Zur Aufwertung und besseren Nutzung bestehender Gebäude befürworte ich bei gleicher Stockwerkzahl neu drei Wohneinheiten, wo bisher zwei pro Gebäude möglich waren. Aber die Siedlung von Kubatur und der Höhe her muss gleich bleiben und den Charakter dieses Paradiesgartens beibehalten. Ein Paradiesgarten? Sieht so Ihr Riehen 2030 aus?Malerische Gebäude, Gärten, Bäume, Spielplätze, Parks, Schrebergärten, Spazierparadiese wie Moostal und Stettenfeld. Dazu die am Rande der Langen Erlen gelegene Fondation Beyeler. Auch der idyllische Friedhof Hörnli mit den Rehen. Und eine gastfreundliche Bevölkerung. Ja, Riehen ist ein Paradiesgarten und soll es auch bleiben. (tgf)