Herr Akos, was ist das Thema, das uns das Nähkästchen vorgibt?

Identität, steht da. Da komme ich gleich ins Rotieren.

Das glaube ich. Sie gehören nicht nur zu den Gründern der Brauerei «Unser Bier», sondern sind auch PR-Mann, Winzer, Umweltberater und Journalist –unter anderem. Ein Haufen ist das. Womit identifizieren Sie sich am meisten?

Oh, das ändert sich immer wieder. Was mich gerade anspringt. Mein Interesse ist schnell geweckt. Und ich denke, ich habe eine gute Nase für vielversprechende Projekte.

Was springt Sie zurzeit an?

Mittlerweile bin ich 69 Jahre alt und fange jetzt nichts mehr Neues an. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, langsam abzubauen ...

... das wird schwierig. Können Sie loslassen?

Ich gewöhne mich daran. Vergangenes Wochenende feierten wir das 20-jährige Bestehen der Brauerei, ich sitze da noch im Verwaltungsrat und habe am Fest ein bisschen mitgeholfen. Das war eine grosse Kiste, vor allem die Jubiläumsbroschüre. Jetzt gehe ich mal drei Wochen in die Ferien, in mein Heimatland Ungarn.

Sie sind aber immer noch stark eingebunden.

In der Tat. Bei «Unser Bier» bin ich für Marketing und Kommunikation verantwortlich. Zudem sitze ich im Verwaltungsrat der Brennerei Zeltner in Dornach, da läuft jetzt die Brennphase, es gibt jede Menge Obst. Ziel ist, die Brennerei am Leben zu erhalten. Und dann habe ich noch einigen Wein von meinem Rebberg in Ungarn, den ich am Basler Wymärt im November anbiete. Ich bin daran, den Rebberg zu verkaufen.

«Unser Bier» ist heute die grösste Brauerei in den beiden Basel. Was macht die Identität der Marke aus?

Sie steht für eine Lokalinitiative vor 20 Jahren, als Antwort auf das Sterben lokaler Brauereien, einer entsprechenden Konzentration auf wenige Namen an den Zapfhähnen. Das war eine Art Selbsthilfe, damit konnten und können sich viele Leute identifizieren. Mittlerweile zählen wir fast 10 000 Aktionäre.

Unterdessen gibt es mehr als ein Dutzend Brauereien in Basel-Stadt, mehr als 20 auf dem Land. Sie sind Ihrem Beispiel gefolgt, die lokale Bierkultur blüht. Sicher ein gutes Gefühl.

Ja, wir sind glücklich darüber, dass wir da einen kleinen Beitrag leisten konnten. Mich freut diese Vielfalt ausserordentlich.

Vor zwei Jahren haben Sie die Brauerzunft Region Basel gegründet. Fehlte eine gemeinsame Identität?

Durchaus, da haben wir etwas nachgeholt. Basel war schon immer eine Weinstadt. Die Bierbrauer wurden früher meist «schepps» angeschaut, das gipfelte sogar in steuerlicher Benachteiligung. Eine Zunft konnte sich also nie etablieren.

Sie mussten das Adjektiv «ehrenwert» aus dem Gründungsnamen Ehrenwerte Brauerzunft streichen – nach böser Post der E. E. Zunft zu Rebleuten ...

... wir mussten das nicht, das war uns doch wurst. Bald werden wir uns neu E. B. – Eine Beachtenswerte – Brauerzunft nennen. Oder irgend sowas (lacht).

Sie sind der Zunftmeister. Bleiben Sie weiterhin dabei?

Wir haben mit Thomas Dähler einen neuen Statthalter, er macht seine Arbeit richtig gut. Das heisst, ich kann mich ein wenig zurücklehnen. Und geniessen. Etwa die Bierreisli, welche die Zunft organisiert.

Welches Land ist für Sie hinsichtlich Bierkultur spannend – abgesehen von Deutschland und England?

Belgien finde ich nach wie vor interessant. Die halten nicht viel vom Reinheitsgebot, brauen mit allem möglichen Zeugs. Ziemlich unkonventionell, das mag ich.

Sie haben mit ein paar kühnen Kollegen vor 20 Jahren angefangen, ein Amberbier zu brauen – auch recht unkonventionell, in einer Spaghettipfanne in einer Küche in Allschwil. Waren Sie damals schon ein Bierliebhaber?

Ich habe sicher viel Bier getrunken, während des Studiums etwa. Da gab es entweder Warteck oder Feldschlösschen in den Beizen, fertig.

Welches ist Ihr liebstes «Unser Bier»?

Das Amber mag ich sehr. Zwischendurch auch mal ein «Aypiey». Das Festbier zum Jubiläum war mir fast ein wenig zu bitter, und es hatte zu viel Alkohol.

Trinken Sie nie einen über den Durst?

Zu den Anfangszeiten kam das öfter vor, dass ich am nächsten Tag einen dummen Kopf hatte. Heute weniger.

Und wenn Sie mal fremd gehen?

«Kitchen Brew» in Allschwil macht interessante Biere, auch «Chopfab». Aber ich bin nicht einer, der ständig Neues ausprobiert.

Ist es für «Unser Bier» denkbar, sich wie «Chopfab» national auszubreiten?

Nein, in der nächsten Zeit sicher nicht. Das passt nicht zur Marke. Aber es gibt schon Orte in der Schweiz, wo man «Unser Bier» kaufen kann, in Kriens etwa. Wir beliefern einen Grossverteiler von Bioprodukten.

Der Bruttoausstoss von «Unser Bier» ist in den vergangenen Jahren deutlich höher geworden, liegt jetzt bei 6000 Hektolitern. Wann stösst «Unser Bier» im Gundeldingerfeld an seine Kapazitätsgrenzen?

Das wird noch eine Weile dauern. Es hätte noch Platz für weitere Gärtanks. Ein Problem ist mehr die Lagerfläche. Wir mussten bereits externe Räume dazumieten. Schade ist auch, dass wir null Aussenraum haben für eine Gartenwirtschaft.

Sie sind als Kind mit Ihren Eltern von Ungarn in die Schweiz geflüchtet. Heute sind Sie Doppelbürger. Was ist von der ungarischen Identität geblieben?

Nicht viel. Den ungarischen Pass besitze ich zwar noch, weil ich vor 17 Jahren diesen Rebberg am Neusiedlersee kaufen wollte. Und das konnte man nur als Staatsangehöriger. Abgesehen davon fühle ich mich zu 100 Prozent als Basler. Ungarn begreifen das nicht, die sagen: Einmal Ungar, immer Ungar. Da bilde ich wohl die Ausnahme ... Ich habe hier gute Erfahrungen gemacht, von Anfang an.

War das nicht schwierig zu Beginn, als Sie die Sprache nicht beherrschten?

Doch, stimmt. Am ersten Schultag kam ein Junge auf mich zu. Er sagte was, hob seine Hand. Ich dachte, der scheuert mir jetzt eine, bekam Angst und haute ihm eine runter. Im Nachhinein hab ich erfahren, dass er nur meine Wange berühren wollte und gesagt hat: «Bisch e Liebe».

Sie sagen bewusst, dass Sie Basler sind, nicht Schweizer. Was ist eine typische Basler Eigenschaft von Ihnen?

Ich bin ein sehr offener Mensch. Dafür steht Basel, auch wegen der geografischen Lage. Diese Weltoffenheit ist Teil meiner Identität geworden.