Migros – kennt jedes Kind. Magnolia – kennen nur eingeweihte Informatikfachleute. Vielleicht. Aber die bekannte und die unbekannte Firma haben miteinander zu tun. Dass Magnolia nicht so bekannt ist, hängt nicht nur mit der unterschiedlichen Grösse zu tun. Magnolia arbeitet versteckt. Wer zum Beispiel auf die Website der Migros geht, trifft dort nicht auf den Namen Magnolia. Die Basler Informatikfirma liefert nur die Software, die Informatik-Technologie der Website.

Was interessiert uns das als Migros-Kunde? Letztlich will man ja einfach nur, dass die Website nützlich ist. Das stimmt, und tatsächlich ist Magnolia auch nur ein Teil des Puzzles. Inhalte werden anderswo bestimmt, beispielsweise im Marketing. Auch die Gestaltung der Website machen andere.

Eine spezielle Geschichte

Doch Magnolia selbst, die Firma, ist eine spezielle Geschichte. Sie ist eine Basler «Erfindung», sie wurde hier gross und erfolgreich. Jetzt nimmt sie Anlauf zum nächsten Sprung: Sie arbeitet mit der international tätigen Firma Rackspace zusammen. Der US-Konzern ist auf das immer wichtiger werdende digitale Hosting (Wartung) spezialisiert.

«Es geht letztlich darum, dass immer mehr Firmen digitale Verkaufs- und Vertriebskanäle entwickeln», sagt Pascal Mangold, Mitgründer von Magnolia. Diese Firmen brauchen nicht nur eine gut funktionierende Web-Technologie, sondern sie brauchen auch Support. Genau hier ergänzten sich die beiden Firmen. Enrique Nuñez, Marketingleiter für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH), sagt: «Rackspace ist verantwortlich für die Technik, Infrastruktur und deren Betrieb, Magnolia für die Bereitstellung der Software. Der Kunde, meist ein international tätiger Grosskonzern, hat einen Ansprechpartner für den Support, egal wann und egal wo auf der Welt er tätig ist.»

«IT ist wie eine Commodity: Rohware, Massenware. Was zusätzlich zählt, ist der Service», ergänzt Mangold. Magnolia bildet Mitarbeiter von Rackspace aus, damit Magnolia den bestmöglichen Support erhalte. Aber warum ist dieser Support so wichtig? Das Internet ist ein sehr wichtiger Absatzkanal geworden. Wenn beispielsweise die Webpage der Fluggesellschaft Virgin «down» sei, würde in eine Viertelstunde ein Verlust in Millionenhöhe entstehen.

Die Zusammenarbeit – eine Übernahme ist nicht geplant – mit Rackspace ermöglicht Magnolia völlig neue Wachstumschancen. «Wir sind jetzt einer der wichtigsten Player auf dem Gebiet der Web-Software für Grossfirmen. Wir müssen also über Europa hinaus blicken. Wir haben einen Partner dazu. Das ist ein strategischer Schritt», sagt Mangold.

Magnolia ist seit der Gründung im Jahr 2006 im Ausland tätig. Die ersten Kunden kamen nicht aus der Schweiz, sondern aus den USA. Und vor zwei Jahren hat Magnolia eine Filiale in Saigon, Vietnam, aufgemacht. Sie dürfte in diesem Jahr von 17 auf 25 Angestellte wachsen, schätzt Mangold. «Wir haben dort für den asiatischen Markt eine Homebase. Wir brauchen das, weil die Flüge nach Asien viel zu lange dauern. Und dann ist es auch noch eine kulturelle Frage. Wir haben dort zwei ganz grosse Partnerschaften abgeschlossen, etwa mit Epsillon, die e-Commerce-Integrationen, also Websites, entwickelt.» Spannend: «Swiss made» zieht auch in der Informatikbranche, auch bei ganz grossen Firmen, sagt Mangold nicht ohne Stolz. Aber gerade hier beginnen die Probleme.

MEI: Grosses Ärgernis

Es gibt die Masseneinwanderungsinitiative (MEI). Für Mangold ein unglaublicher Ärger. Der Arbeitsmarkt sei ein Problem. Magnolia wäre ohne die heute schon wirksamen Restriktionen wahrscheinlich viel grösser. Denn Basel – der Hauptsitz wurde kürzlich auf den Dreispitz verlegt – sei im Prinzip ein super Standort und gut an das Flugnetz angebunden. «Ohne Easyjet wären wir wahrscheinlich weg», sagt er. Die Firma beschäftigt in Basel 45 und weltweit 80 Mitarbeitende. Ein gutes Dutzend Stellen sind offen. «Ich würde gern Leute in der Schweiz einstellen, wenn ich sie nur bekäme.» Im Prinzip sei die MEI eigentlich schon umgesetzt. «Wir haben keine Bewilligungen für Drittstaaten-Angestellte bekommen. Es ist vollkommen absurd. Wie sollen sich neue Firmen in der Schweiz niederlassen, wenn nicht einmal wir ausländisches Personal einstellen können?», meint Mangold.

Magnolia tummelt sich in der Branche nicht alleine. Der bekannteste Konkurrent ist übrigens auch in Basel: Adobe. Der US-Konzern, der für die bekannten Produkte wie Adobe und Indesign verantwortlich ist, hatte 2005 die Basler Gründung Day gekauft, die als eine der ersten Firmen der Welt Informatik-Content-Management entwickelt hatte. Basel hat also durchaus seinen kleinen IT-Hotspot.