Nicht die Kälte, sondern das ungewöhnlich späte Datum der Basler Fasnacht führt in diesem Jahr zu Komplikationen bei den Wagencliquen. «Wir rechnen mit Engpässen», sagt Mimosen-Importeur Marcel Sobol von der Firma Flora Mex. Dies bestätigt auch Pietro Papini, Geschäftsführer der Firma Fortura, welche die gelben Blumen ebenfalls einführt. «Wir mussten eine Preiserhöhung von 20 Prozent hinnehmen und diese leider auch an unsere Kunden weitergeben – nun zeigt sich, dass viele Wagencliquen weniger Mimosen bestellen, weil sie ein fixes Budget haben.» Beide nennen den internationalen Tag der Frau, der am 8. März stattfindet, als Grund des Engpasses – weil in Italien dann alle Frauen Mimosen-Sträusse geschenkt erhalten. «Es ist gut möglich, dass wir trotz geringeren Bestellvolumens nicht alle mit der gewünschten Menge beliefern können – aber das wissen wir erst, wenn die Blumen eintreffen», sagt Papini weiter.

Bei der Interessengemeinschaft der Wagencliquen an der Basler Fasnacht glaubt man nicht an einen Engpass. Obmann Roger Borgeaud sagt, dass er bisher nichts von Lieferschwierigkeiten gehört habe. «Natürlich könnten wir als Ersatz mehr andere Blumen verschenken, aber Mimösli sind Tradition und sehr beliebt. ‹Hesch keini Mimösli› hört man oft, wenn man Rosen oder Tulpen verschenkt.»

Mimosen-Ansturm in Italien

Dass die gelben Frühlingsboten am «Giornata internazionale della donna» in Italien unverzichtbar sind, sagt auch Nella Sempio vom Italiener-Verein «Colonia Libera Italiana Di Basilea». «Ein Tag der Frau ohne Mimosen ist in Italien unvorstellbar, die Blumen sind Tradition und gehören einfach dazu.» Sie bietet den Basler Fasnächtlern aber an, ihre Beziehungen spielen zu lassen, sodass trotzdem geliefert werde. Sie sei ursprünglich aus Ligurien, wo die meisten Mimösli für die Basler Fasnacht produziert und auf dem Blumenmarkt von San Remo gehandelt würden.

Der Italien-Korrespondent der «Badischen Zeitung» beschrieb den Mimosen-Ansturm anlässlich des Frauentags vor zwei Jahren folgendermassen: «Blumen gibt es an diesem Tag nur eine Sorte: Mimosen, respektive das, was die Italiener dafür halten.» Während Mimosen eigentlich jene Pflanzen seien, deren Blätter sich einklappen, wenn man sie berührt (daher auch die Bedeutung für Waschlappen und Angsthasen), würden in Italien damit die Akazien-Sträucher mit den gelben Blüten gemeint – also jene Blumen, die auch an der Basler Fasnacht als Mimösli verschenkt werden. Und weil diese in Italien am Frauentag – und nur am Frauentag – so wichtig seien, «herrscht unter den Blumenhändlern am 8. März geradezu Panik: Alles muss raus, schliesslich kauft auch kein Mensch am 25. Dezember noch einen Weihnachtsbaum.»

Die Basler Fasnacht findet in diesem Jahr vom 6. bis 8. März statt. Der frühestmögliche Termin für den Morgestraich wäre der 9. Februar, der spätestmögliche der 15. März. Der Internationale Frauentag wird jeweils am 8. März begangen. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen.