Basel

Jäger sollen ihr Gewehr an den Nagel hängen – doch Widerstand ist programmiert

Im Kanton Basel-Stadt soll es mit der Jagd als Hobby bald vorbei sein. Eine Motion der grünen Grossrätin Brigitta Gerber verlangt, dass nur noch der Staat auf die Jagd nach Wild gehen darf. Die Jäger in der Stadt halten sich bisher bedeckt.

Wer an die Jagd denkt, hat wohl eher weitläufige Waldgebiete, Flussauen oder Gebirge vor Augen. Alles nicht gerade Landschaften, die im Basler Stadtkanton gehäuft anzutreffen sind. Gejagt wird hier aber trotzdem: Auf vier Pachten in zwei Revieren wurden in der Jagdsaison 2011 14 Rotfüchse, 15 Rehe (davon 9 Böcke, 4 Geissen, der Rest Jungtiere) und 5 Dachse abgeschossen.

Die letzte Jagdsaison in Basel?

Geht es nach der grünen Grossrätin Brigitta Gerber, erklingt aber bald das letzte Halali für die Waidmänner in Basel. Sie will die Jagd gänzlich verbieten lassen. Zu diesem Zweck hat sie zusammen mit 13 anderen Grossrätinnen und Grossräten eine Motion eingereicht, die der Grosse Rat saisongerecht in seiner Septembersitzung in Bearbeitung genommen hat. Nun ist es an der Regierung, sich dazu zu äussern, ob er dem Beispiel des Kantons Genf folgen will und die Jagd zur Staatssache macht. Denn dass gewisse Tiere an gewissen Orten abgeschossen werden müssen, bestreitet auch Gerber nicht.

In Genf übernehmen zwölf sogenannte «Umwelthüter» diese Aufgabe. Um Gerbers Motion ist eine Diskussion entbrannt, die teilweise enorm hart und sehr persönlich geführt wird. In den Kommentarspalten auf verschiedenen Anti-Jagd-Seiten im Internet wimmelt es von Beleidigungen und Drohungen gegen Jäger. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nur wenig, dass die Stadtjäger sich in der Debatte eher bedeckt halten.

Fürsprecher in Riehen

Verteidiger der Jagd in Basel ist insbesondere die Jagdgesellschaft Riehen-Bettingen, die auch ein Positionspapier verfasst hat, in dem der Nutzen der Jagd für Wildbestände und Natur betont wird. Hier heisst es beispielsweise «Jagd reguliert, wenn zum Beispiel massive Schäden an Kulturen und Waldschäden ein gezieltes Eingreifen erfordern.» Diese seit rund einem Jahrhundert akzeptierten Argumente für die Jagd stellt Gerber infrage und sie ist damit nicht alleine. Am 15. Oktober hält an der Universität Basel der Münchner Professor Josef Reichholf ein Vortrag. Dieser gehört zu den renommiertesten Kritikern der Jagd. Ebenfalls sprechen wird Gottlieb Dandliker, der Leiter des Genfer Jagd- und Fischereiinspektorates.

Gesetzentwurf durch Regierung

Auf politischer Ebene wird die Motion Gerber im Grossen Rat debattiert werden. Aus den Reihen der SVP hat niemand den Vorschlag unterschrieben, eine Diskussion ist also zu erwarten. Überweist der Rat die Motion, muss die Regierung ein Jagdverbot erlassen und einen Weg finden, die Aufgaben, die die Jäger heute wahrnehmen, staatlich zu regeln. Dazu gehört, verunfallten Tieren den Gnadenschuss zu geben, kranke Tiere zu bejagen und den Bauern Wildschäden zu ersetzen.

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