Er war Erzieher, Musiklehrer und Musikproduzent, zumindest behauptete er das in seinen Lügengeschichten. Doch in erster Linie stand er nicht deshalb vor dem Baselbieter Strafgericht, sondern weil er sich über Jahre hinweg mit Darlehen über Wasser hielt. Das Geld bettelte er im engsten Freundeskreis zusammen, immer mit dem Versprechen, es bald zurückzuzahlen.

Der 37-jährige Mann war bereits einschlägig vorbestraft. «Sie wurden bedingt verurteilt, es nützt nichts, man macht einfach weiter. Auch wenn Verfahren laufen, macht man weiter. Trotz Festnahme haben Sie weitergemacht, sogar noch schlimmer als vorher mit noch höheren Beträgen», sagte Gerichtspräsident Robert Karrer gestern an der Urteilseröffnung.

3,5 Jahre unbedingt

Das Dreiergericht verurteilte den Mann hauptsächlich wegen mehrfachen gewerbsmässigen Betruges sowie Urkundenfälschungen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren. Es kam in insgesamt 29 Betrugsfällen zu einem Schuldspruch, dabei ist ein effektiver Schaden von rund 190 000 Franken entstanden. Es gab allerdings auch viele Freisprüche, weil die Opfer dem Mann zu gutgläubig grosse Beträge liehen.

«Man reist nach London, lebt über die Verhältnisse, besichtigt eine Wohnung in Grindelwald, ist zu bequem, um Geld auf die normale Art und Weise zu verdienen. Ab einem gewissen Zeitpunkt war er nur noch ein Lügenbaron. Münchenhausen lässt grüssen», kommentierte Karrer trocken.

Der talentierte Musiker war als Akkordeonspieler und Dirigent auch in Baselbieter Jodlerkreisen und Kreismusikschulen gut vernetzt. Hier pumpte er sich Beträge von ein paar hundert bis zu mehreren zehntausend Franken von Freunden oder Schülern. Einzelne Kredite zahlte er tatsächlich zurück, stopfte die Finanzlöcher aber mit neuen Kredit von weiteren Leuten. Auch die eigene Familie und seine damalige Freundin zockte er ab.

In Anstalt untergebracht

Im Februar 2009 präsentierte sich der Mann noch als Co-Präsident der damals neugegründeten CVP-Sektion Oberbaselbiet. Heute lebt er in einer Massnahmen-Anstalt, das Gericht schob die Freiheitsstrafe zugunsten dieser Massnahme auf. Das bedeutet, dass er sich auf zeitlich unbestimmte Zeit einer Therapie unterworfen hat. Inzwischen liess sich auch der Gutachter davon überzeugen, dass dies der einzig sinnvolle Weg zur Resozialisierung des Mannes sei, das Gericht folgte ihn. Wie gestern Montag bekannt wurde, geniesst er inzwischen konkrete Vollzugserleichterungen: Man gewährte ihm vor zwei Monaten das sogenannte Arbeitsexternat, womit er nun tagsüber regulär ausserhalb der Anstalt eine Ausbildung machen kann.

Ob seine Reue echt sei, sei für das Gericht schwer erkennbar. «Da Sie so manipulativ sind, fällt es schwer, es Ihnen zu glauben. Wir hoffen es», sagte Gerichtspräsident Karrer.