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James Murdoch: Für die MCH Group ein Sechser im Lotto

Die Art Basel bleibt das weltweite Vorzeigeprodukt der MCH Group.

Die Art Basel bleibt das weltweite Vorzeigeprodukt der MCH Group.

James Murdoch ist ein Glückstreffer für die MCH Group: Kein anderer Investor ist zuletzt auf die staatlichen Bedingungen eingegangen.

In der Schlussrunde standen nur noch drei Investoren. Einzig sie waren bereit, die Vorbedingungen zu schlucken, um bei der MCH Group einsteigen zu können: Die öffentlichen Hand behält eine Sperrminorität am Messekonzern. Das Unternehmen, zu dem die Perle Art Basel gehört, darf in den nächsten 15 Jahren nicht wertsteigernd zerlegt und die Messehallen in Basel und Zürich müssen langfristig bespielt werden.

Nur einer wiederum der konzessionswilligen Interessenten beendete auch die Buchprüfung: James Murdoch, Sohn des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch. Aus dessen Imperium mit Fox News und der News Corporation stammt zwar das Milliardenvermögen, doch von der reaktionären Familie hat er sich vor rund zwei Jahren distanziert. Mit seiner neuen New Yorker Investmentgesellschaft Lupa Systems erfindet er sich gerade neu als liberaler Medienunternehmer, der sich auch für die Umwelt und den Klimaschutz einsetzt.

«Das Feld der Interessenten hat sich gelichtet»

Mit der Coronakrise, sagt der Finanzchef Beat Zwahlen, «hat sich das Feld gelichtet». Die Pandemie machte die MCH Group innert Wochen von einer Firma, die einen Investor für den Turnaround suchte, zu einem Sanierungsfall, der dringend einen Retter braucht. Vorteil Murdoch: Er kann anders als seine Mitbewerber auch unter den erschwerten Bedingungen frei über seine privaten Mittel verfügen – und damit zu Ende führen, was vor einem Jahr mit einem ersten Treffen mit dem Verwaltungsratspräsidenten Ueli Vischer begonnen hat.

Zu seiner Re-Positionierung im internationalen Business-Jetset gehören zwar auch philanthropische Zuwendungen, doch James Murdoch bleibt ein profitorientierter Unternehmer. Seine Goldman-Sachs-Berater dürften die Alleinstellung als ernsthafter Investor denn auch für einen noch tieferen Einstiegspreis genutzt haben.

Vorgesehen ist Murdochs Beteiligung über eine Kapitalerhöhung. Der festgesetzte Preis pro Aktie liegt mit zehn Franken je nach Betrachtung bis zu 30 Prozent unter dem aktuellen Handelswert und damit ein Mehrfaches unter dem inneren Wert, den Experten für das Unternehmen errechnet haben. Das Engagement wird Murdoch damit maximal 74 Millionen Franken kosten. Dies unter der unwahrscheinlichen Annahme, dass keiner der heutigen privaten Aktionäre bei der geplanten Kapitalaufstockung mitziehen wird. Die Lupa Systems würde in diesem Szenario 44,4 Prozent der MCH-Aktien halten.

Wenn im ebenso unwahrscheinlichen Fall alle privaten Aktionäre ihre Bezugsrechte wahrnehmen, wird Murdoch am Ende nur gerade 29,1 Prozent der Aktien besitzen. Er müsste allerdings auch nur knapp 50 Millionen Franken in die Hand nehmen – dies aus einer Schatulle, in die er beim Start eine Milliarde Dollar gelegt hat.

James Murdoch wird MCH-Verwaltungsrat

Für Murdoch ist der konkrete Aktienanteil vorerst jedoch unerheblich. Denn kommt der Deal zustande, wird er ohnehin drei der insgesamt neun Verwaltungsratssitze bestellen können, wobei er einen davon selbst einnehmen wird.

Bei der Besetzung der drei unabhängigen Verwaltungsräte hat er zudem gleiches Mitspracherecht wie die drei verbleibenden staatlichen Vertreter im Verwaltungsrat.

Besiegelt ist die Rettung der MCH Group allerdings erst, wenn dem Gesamtpaket an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 3. August ohne jede Änderung zugestimmt wird. Unvermeidlich wird der Ruf erschallen, die Einstiegshürde sei mit dem festgelegten Preis zu tief gelegt worden sei. Vor allem professionelle Anleger werden sich zudem daran stören, dass Murdoch ihnen kein Übernahmeangebot machen muss, auch wenn er mehr als ein Drittel der Aktien hält. Dies ist zwar börsenrechtliche Usanz, soll jedoch statuarisch wegbedungen werden. Abgemacht ist, dass Murdoch gerade nicht die Mehrheit am Konzern übernehmen soll.

Ueli Vischer sagt, es gebe keinen alternativen Plan, und ohne Investor werde das Unternehmen Anfang nächsten Jahres die Liquidität ausgehen. Was heisst: Es drohte die Pleite. Gelingt ihm der Deal, wird er im kommenden Jahr immerhin mit der Genugtuung abtreten, gerade noch ehrenvoll einen Abgang gefunden zu haben. Sonst droht ihm der Eintrag in die Geschichtsbücher als Totengräber einer jahrhundertealten Basler Tradition.

Die politischen Hürden hat die MCH Group in den vergangene Wochen im Hauruck-Verfahren genommen. Der Grosse Rat hat gutgeheissen, dass Basel-Stadt, der bisher grösste Einzelaktionär, einerseits ein 30-Millionen-Darlehen in Eigenkapital umwandelt. Andererseits verzichtet der Kanton darauf, bei der Kapitalerhöhung neue Aktien zu zeichnen, beziehungsweise er tritt dieses Recht an Murdoch ab. Buchhalterisch entgehen dem Stadtkanton durch die Verwässerung seines Anteils Millionen Franken. Kein Thema ist dies für die Basler Finanzdirektorin Tanja Soland; sie tritt aus dem Verwaltungsrat der MCH Group zurück.

Eine Verpflichtung für mindestens fünf Jahre

Stadt und Kanton Zürich verzichten ebenfalls auf ihre Bezugsrechte und geben einen Sitz im Verwaltungsrat auf. Baselland als vierter staatlicher Partner will ihr Paket ohnehin verkaufen. Sollte der Anteil der öffentlichen Hand damit unter ein Drittel fallen, hätte Basel-Stadt ein Vorkaufsrecht. Immerhin bleibt der Landkanton der MCH verbunden, indem er die Frist zur Rückzahlung eines Darlehens über 30 Millionen Franken um fünf Jahre verlängert.

Murdoch hat sich verpflichtet, mindestens fünf Jahre am neuen Engagement festzuhalten. Das Management geht davon aus, Teil davon zu sein. An ihm festzuhalten ist allerdings keine der kommunizierten Bedingung, zu der er sich verpflichtet hat.

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Autor

Christian Mensch

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