Es schien beinahe in Stein gemeisselt: Wenn SP-Ständerätin Anita Fetz 2019 den Hut nimmt, wird sie von ihrer Parteikollegin Eva Herzog beerbt. Wegen einer parteiinternen Amtszeitbeschränkung wird die Basler Finanzdirektorin nach vier Legislaturen ohnehin aus der Regierung ausscheiden müssen.

Dann soll sie der Weg weiter nach Bundesbern führen. «Eine Kandidatur würde mich sehr interessieren», sagt sie. «Ich kann mir gar nicht vorstellen, mich nicht mehr politisch zu engagieren.» Geachtet und respektiert bis weit ins bürgerliche Lager erschien Herzog politisch unantastbar. Niemand schien dem Masterplan widersprechen zu wollen.

Bis jetzt. Denn nun meldet auch Beat Jans sein Interesse an einer Ständeratskandidatur an. «Ich spüre grossen Rückhalt in der Partei. Es gibt viele Leute, die mich zu einer Kandidatur motivieren wollen – für den Ständerat oder die Regierung», verrät er auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». Schliesslich wird immer wieder gemunkelt, dass 2020 auch die beiden SP-Regierungsräte Hans-Peter Wessels und Christoph Brutschin abtreten könnten.

Von vielen Seiten bestärkt

Der Sitz im Ständerat aber würde ihn mehr interessieren, stellt Nationalrat Jans klar. Der 53-Jährige sitzt seit 2010 in der Grossen Kammer. Ein Wechsel ins Stöckli wäre auch für ihn der nächste logische Schritt. «Aus der Bundeshausfraktion erhalte ich viele positive Rückmeldungen, die mir zeigen, dass ich in Bern am richtigen Ort bin.» So ist Jans nicht nur Vizepräsident der SP Schweiz, sondern war auch lange im Rennen um das Fraktionspräsidium.
Jans betont seine langjährige parlamentarische Erfahrung sowie die Lust, für die Menschen und die Region zu politisieren.

Er sei gut vernetzt und kenne den Betrieb sehr gut. «Die Arbeit in Bern macht mir viel Spass.» Auch deshalb könnte er sich eine Doppelkandidatur für Stände- und Nationalrat vorstellen. Denn auch bei den nationalen Wahlen steht die Basler SP vor einer grossen Herausforderung. Den Sitz der ausscheidenden Silvia Schenker wird die Partei wohl problemlos verteidigen können. Auf der Kippe steht aber das dritte linke Mandat von BastaNationalrätin Sibel Arslan, die vor allem dank des starken Abschneidens der Genossen die Wahl geschafft hat.

Herzog hat in SP viele irritiert

Die drohende Konkurrenz aus den eigenen Reihen kommt für Herzog nicht völlig überraschend. Immerhin hat sie im Abstimmungskampf um die Unternehmenssteuerreform III parteiintern viel Geschirr zerschlagen. Mit aller Vehemenz hatte sich Herzog für eine Vorlage eingesetzt, die den Urwerten ihrer Partei widerspricht und sich dabei öffentlich mit den SP-Spitzen in Basel und Bundesbern angelegt. In der deutlich linker positionierten Parteibasis hat das viele irritiert. Dort war die erfolgreiche Finanzdirektorin schon zuvor zwar respektiert. Geliebt aber wird sie kaum. Und seither ist die Beziehung weiter gestört.

Ganz anders Jans, der als einer der profiliertesten Gegner der Unternehmenssteuerreform III auf der Siegerseite stand und sich damit unter den Sozialdemokraten weiteren Goodwill schaffen konnte. Dennoch bleibt es für Jans «schwer zu sagen, wer in der Basis mehr Rückhalt hat: Eva Herzog oder ich». Hemmungen, gegen die eigene Regierungsrätin anzutreten, hätte er jedenfalls keine. Nach der schmerzhaften USR III-Abstimmungsniederlage seiner Parteikollegin scheint er eine beinahe schon unverhoffte Chance auf eine Ständeratskandidatur zu erkennen.

Herzog scheint dich davon vorerst nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie habe nicht den Eindruck, dass von dem Abstimmungskampf «etwas geblieben ist». Es sei keine einfache Zeit gewesen. Aus ihrer Sicht aber sei es den Parteimitgliedern klar gewesen, dass sie «eine andere Rolle hatte und sich mit voller Kraft für den Standort Basel und für Arbeitsplätze eingesetzt» habe.

LDP-Präsidentin in Pole position

Der Basler SP droht nach einem lange sicher geglaubten Sololauf eine Zerreissprobe. Zwei ähnlich grosse Lager dürften sich gegenüberstehen. Darauf hoffen auch Basels Bürgerliche, die ohnehin auf eine der SP-Vakanzen spekulieren. Einig scheinen sich die Parteispitzen schon heute zu sein, dass sie im Ständeratswahlkampf gemeinsam gegen das links-grüne Lager antreten wollen.

«Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir geschlossen auftreten», betont FDP-Präsident Luca Urgese. «Ansonsten hätten wir nicht den Hauch einer Chance», ergänzt LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein. Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse müsse es daher auch das Ziel sein, GLP und BDP ebenfalls einzubinden.

Und bei den Bürgerlichen kristallisiert sich sogar schon eine Kronfavoritin für die Ständeratskandidatur heraus: LDP-Präsidentin von Falkenstein, die bei den Regierungs- und Grossratswahlen kürzlich grosse Erfolge feiern durfte. Ihr Name wird immer wieder genannt. Und die Grossrätin wäre auch nicht abgeneigt: «Das wäre eine tolle Herausforderung.» Mit einer Frauenkandidatur wären die Chancen wohl grösser, schätzt CVP-Präsident Balz Herter. Und auch für Urgese ist von Falkenstein «eine valable Option». Die FDP selber habe hier noch Nachholbedarf. Eine Carte blanche wollen die Bürgerlichen der LDP-Präsidentin gut zwei Jahre vor der Wahl aber nicht ausstellen. Entschieden sei noch nichts.

Auch von Falkenstein plädiert für eine bürgerliche Frauenkandidatur: «Gegen Eva Herzog müssten wir mit einem Mann gar nicht erst antreten», sagt sie. «Gegen Jans wären die Chancen zumindest minim besser.» Der Nationalrat könnte zwar parteiintern die Nase vorn haben. Auch Bürgerliche räumen Herzog aber an der Urne grössere Chancen ein.

Während Jans deutlich linker positioniert ist, wird ihr zugetraut, auch Stimmen aus der politischen Mitte auf sich zu vereinen. In der SP seien noch viele Gespräche zu führen, ist sich auch Jans bewusst.