1986 von Ley gegründet, hat die Jazzschule Basel stetig an Renommee und Bedeutung gewonnen: Die Jazz-Hochschule war 1999 in die Musikakademie (heute Fachhochschule Nordwestschweiz) integriert worden, die Allgemeine Musikschule 2007. Heute zählt sie rund 250 Schüler, 64 Studierende und 45 Lehrpersonen, darunter einige Stars.

Die junge Sparte Jazz sei erst auf dem «Marsch in die Institution», sagte Musikakademiedirektor Stephan Schmidt. Der Campus sei ein Aufbruch, «ein Meilenstein» – heute haust die Jazzschule in einem Gewerbebau am Stadtrand. Kein akademischer Ansatz stehe dahinter, sondern ein offener, auch stilistisch. Für Ley soll der Campus Ort der Begegnung sein, mit der Szene und der Bevölkerung.

Perfekte Infrastruktur

Nach sechs Jahren Planung und Bau fehlen im Jazz-Campus nur noch Details. In einer ehemaligen Fabrik an der Utengasse unweit der Mittleren Brücke sowie Neubauten im Hof entstand ein Raumvolumen von 30 Einfamilienhäusern mit knapp 6000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und 49 Musikzimmern aller Art, samt Club, Aufnahmestudios und Sälen.

Nach Plänen der Basler Architekten Buol & Zünd wurden in Ökobauweise hochwertige Räume erstellt, einzeln schallgedämpft belüftet, mit doppelten Fenstern und Türen, unterschiedlicher identifizierbarer Akustik, eigens gestalteten LED-Deckenleuchtern für direktes und indirektes Licht und kürzest- und variabelstmöglicher Verkabelung.

Beispielsweise der Dach-Saal für feine akustische Musik ist komplett als Haus-im-Haus-Konstruktion gebaut – nicht zuletzt wegen der Rettungshelikopter zum nahen Spital. Damit die Geräuschdämpfung passt, wurden Musiker befragt und andere Jazzhäuser im Ausland besucht sowie probehalber Musterzimmer 1:1 gebaut.

Glücksfall Jazz-affine Stiftungen

Der Jazz-Campus hat so gewiss einen satten zweistelligen Millionenbetrag gekostet, doch Zahlen sind keine erhältlich. Man wolle statt Zahlen die Inhalte in den Vordergrund stellen, sagte Klaus Hubmann von der Stiftung Habitat. Diese und die Stiftung Levedo haben den Bau finanziert – ein Glücksfall für den Jazz.

Hinter beiden Stiftungen, die dem Campus auch die Miete subventionieren, steht massgeblich die öffentlichkeitsscheue Roche-Erbin Beatrice Oeri. Dem Jazz ist sie persönlich zugetan; sie alimentiert bereits den Basler Jazzclub Bird's Eye, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Wenig erstaunlich sind Jazzschule und Musikakademie begeistert über die Konstellation mit den Stiftungen. Nun müsse man die einmalige Chance wahrnehmen, freut sich Ley. Die Jazzschule bildet nicht nur am Instrument aus, sie unterrichtet auch Aufnahmetechnik und Selbstvermarktung, auch im Internet.

Beim Bau des Campus wurden im Sand-Untergrund rund 3300 Jahre alte Reste der frühesten Basler Siedlung gefunden, darunter passenderweise gemäss Ley auch eine Art Kesselpauke. Der Basler Jazz-Campus ist so quasi musikalischer Link von der Spätbronzezeit ins 21. Jahrhundert.

Das Eröffnungsfest ist am Wochenende vom 19. September vorgesehen.