Jazzfestival Basel
Eine Farborgie nach dem «Lockdown Blues»

Offbeat stellt das Jazzfestival 2022 vor: Es ist ein Jahrgang der grossen Namen und des Unberechenbaren.

Stefan Strittmatter
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John McLaughlin, ein Grenzgänger der Gitarre, tritt im März in Basel auf.

John McLaughlin, ein Grenzgänger der Gitarre, tritt im März in Basel auf.

zvg

«Das geht nicht!» Für Stefano Bollani findet Urs ­Blindenbacher an der gestrigen Pressekonferenz des Jazzfestival Basel deutliche Worte. Dass kein Nachholtermin für den Auftritt des italienischen Star­pianisten gefunden werden konnte, liege daran, dass sich der Mailänder nicht nur gegen die Covid-Impfung, sondern auch gegen den Test sträube. «Er hat es einfach nicht nötig», ergänzt Blindenbacher gegenüber der bz mit Blick auf die fünfstellige Gage.

Doch der Veranstalter der Offbeat-Series und des Jazzfestival Basel hat sich in den vergangenen Jahren zu viel mit den Auswirkungen der Pandemie herumgeschlagen und arrangiert, um jetzt nicht optimistisch nach vorne zu blicken. Und so hält sich Blindenbacher während der gut 75-minütigen Präsentation mit den Lichtblicken seines Programms auf. Und davon gibt es wahrlich genügend.

So lockt die 32. Ausgabe des Festivals am 24. April mit einem Grosskonzert ins Stadtcasino: Der Basler Michael Arbenz vereint für einen Kompositions­auftrag die 65 Musikerinnen und Musiker seines Trios Vein, der NDR Bigband und der Basel Sinfo­nietta. Tags darauf fusioniert der israelische Bassist und Sänger Avishai Cohen mit seinem Trio zur offiziellen Festivaleröffnung Einflüsse aus der traditionellen Musik seiner Heimat mit dem akustischen Jazz.

Der zweite Avishai Cohen setzt auf Stromgitarren

Für Verwirrung im Programmheft dürfe der Auftritt vom 8. Mai im Volkshaus sorgen, den ein Landsmann und Namensvetter des oben genannten Bassisten bestreitet. Der acht Jahre jüngere Avishai Cohen, ein Trompeter, setzt bei seinem Quintett Stromgitarren und Live-Sampler ein und fasst den Jazz-Begriff entsprechend weiter.

Es sei ihm stets ein Anliegen, neue Strömungen zu entdecken und das Unberechenbare zu ­fördern, so Blindenbacher. Entsprechend bietet er dem jüngeren lokalen Schaffen viel Platz. Doch auch bei der Wahl von grossen Namen wie etwa Marc Ribot, der mit seinem wandelbaren Trio Ceramic Dog am 30. April die Kaserne beschallen wird, beweist er Mut zum Experiment.

Eine farbliche Trennung von Festival und Series

Neben dem Jazzfestival veranstaltet Blindenbacher die Offbeat Series, die sich bis tief in den Sommer erstreckt. Um Festival und Series künftig klarer zu unterscheiden, setzt man neuerdings auf eine deut­liche Farbgebung auf Plakaten und Homepage. So sei das diesjährige Festival eine «Farborgie», sagt der fürs Erscheinungsbild zustän­dige Jean Jacques Schaffner.

Farbenfroh dürfte es auch am 13. März zugehen, wenn mit John McLaughlin einer der spannendsten Grenzgänger der Gitarre in Basel auftritt. Urs Blindenbacher lässt zur Einstimmung auf das Konzert des 80-jährigen Briten dessen neues Stück «Lockdown Blues» ab CD ertönen.

Zuletzt nutzt der Veranstalter seine Pressekonferenz, um einen Appell an die beiden Kantonsregierungen zu richten: Noch immer seien die Gelder der beiden Lotteriefonds nicht fix gesprochen. So könne man keine «Leuchtturmfestivals» planen.

Jazzfestival Basel. 24. 4. bis 30. 5.
Offbeat Series ab 13. 3.
www.offbeat-concert.ch