Stimmen-Festival
Jazzklänge in Lörrach zur Eröffnung des Stimmen-Festivals

Zum 19. Mal geht das Stimmen-Festival über die Bühnen der Region. Neben dem Ensemble rund um den Serpent-Spieler Michel Godard wurde am Eröffnungsabend im Burghof Lörrach auch der langjährige Leiter des Festivals Helmut Bürgel verabschiedet.

Rolf De Marchi
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Mit einer eigenwilligen Form des Crossover wartete da das sechsköpfige Ensemble rund um den französischen Jazzmusiker Michel Godard auf.
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Der Serpent-Spieler Michel Godard eröffnet das Stimmen-Festival
Der langjährige Leiter des Stimmen-Festivals Helmut Bürgel wurde verabschiedet.

Mit einer eigenwilligen Form des Crossover wartete da das sechsköpfige Ensemble rund um den französischen Jazzmusiker Michel Godard auf.

Juri Junkov

Er habe viel Glück gehabt, meinte Helmut Bürgel bei seiner Ansprache am Eröffnungsabend des Simmen-Festivals 2012 im Burghof von Lörrach: Er habe Glück gehabt, dass er als Leiter des Stimmen-Festivals seit dessen Gründung 1994 immer wieder tolle Partner und motivierte Mitarbeiter gefunden habe, die ihn bei seiner Arbeit mit Enthusiasmus unterstützten. Im Besonderen erwähnte er neben den Lörracher Behörden den Kanton Baselland und die Gemeinde Riehen, die mit ihrem Beistand wesentlich zum Erfolg des Festivals beigetragen hätten.

Die aktuelle 19. Ausgabe des Festivals Stimmen ist nun die letzte, die Helmut Bürgel lenkt, er übergibt anschliessend die Leitung an den Co-Geschäftsführer Markus Muffler.

Eigenwilliger Crossover

Nachdem die Oberbürgermeisterin von Lörrach Gudrun Heute-Bluhm dem verdienten Manne mit vielen Worten und Blumen gedankt hatte, kam schliesslich die Musik, die das eigentliche Thema des Festivals bildet, doch noch zum Zuge. Mit einer eigenwilligen Form des Crossover wartete da das sechsköpfige Ensemble rund um den französischen Jazzmusiker Michel Godard auf.

Als Basis dieses unter dem Motto «A trace of Grace» figurierenden Projekts mit einem Jazztrio und drei Musikerinnen und Musiker des klassischen Bereichs diente die Musik des italienischen Komponisten des Frühbarocks Claudio Monteverdi (1567-1643). Neben dem solide spielenden E-Bassisten Olivier Lété vermochte da im Besonderen Bruno Helstroffer zu überzeugen, der mit seinem zart swingenden Spiel auf seiner Theorbe seinen Mitmusikern ein virtuos glitzerndes Bett legte.

Ungewöhnlich warme Töne

Einen Hauch mystischer Esoterik wiederum vermittelte der aus Sardinien stammende Sänger und Saxophonist Gavino Murgia mit seinem tiefen Kehlkopfgesang aus seiner sardischen Heimat, der gelegentlich auch sphärische Obertöne durchscheinen liess. Mehr noch aber begeisterte der Musiker durch seinen gepflegten, ungewöhnlich warmen Ton auf dem Sopransaxophon, mit dem er fein ausgelotete Solos spielte. Einfühlsam wiederum die Violinistin Fanny Paccoud, die die Interpretationen ihrer Mitmusiker mit dezent gezeichneten Linien umrankte.

Den stärksten Bezug zu Monteverdi schuf der französische Mezzosopran Guillemette Laurens, der vor allem durch seine dunkle, warme Stimme zu überzeugen vermochte. Erstaunlich allerdings, dass die angeblich auf Monteverdi-Opern spezialisierte Sängerin für diesen Musikstil heute eher unüblich ohne Unterlass alles mit einem süsslichen Vibrato übergoss.

Auch liess sie selten Verzierungen, Portamenti oder Veränderungen der Farbvaleurs in ihrer Stimme zur Steigerung des Ausdrucks hören. Der Leiter des Ensembles Michel Godard schliesslich beeindruckte mit einem posaunenartig weichen Ton auf seiner Serpent, ein schlagenförmiges Instrument der Zinken-Familie, das vor allem im 17. und 18. Jahrhundert in Gebrauch war und das für eine stabile Intonation der Töne grosse Geschicklichkeit erfordert.