Basler Flugschule

«Jeder Flugunfall ist aufklärbar» – so rekonstruieren Experten den tragischen Flugzeug-Crash

Nach dem Zusammenstoss eines Basler Sportflugzeugs mit einem deutschen Rettungshelikopter mit vier Toten arbeitet die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) auf Hochtouren. Sprecher Germout Freitag erklärt, wie die BFU jeden Flugunfall rekonstruiert.

Auch 48 Stunden nach dem Crash, sind die drei Untersucher der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) am Donnerstag an der Unfallstelle auf der Suche nach Beweisen. "Jedes kleinste Detail kann entscheidend zur Rekonstruktion beitragen", sagt BFU-Sprecher Germoud Freitag und nennt sogleich ein Beispiel:

"Wenn wir zum Beispiel ein Lämpchen aus dem Cockpit finden, können wir anhand des Bruches der Glühwendel erkennen, ob diese vor dem Unfall gebrannt hat oder nicht. So wissen wir, ob gewisse Warnlampen vor dem Unfall geleuchtet haben, oder nicht."

Um alle relevanten Details zu finden, beginnt jede Untersuchung an der Unfallstelle. Zunächst sichten die Untersucher die Trümmerteile und erstellen dann eine Skizze, was wo liegt.

Vereinfacht wird die Arbeit, wenn ein Flugdatenschreiber vorhanden ist. Die Piper PA-28 der Basler Flugschule war nicht mit einem solchen ausgestattet, der Rettungshelikopter vermutlich auch nicht. 

Wenn alle Trümmer gesichtet sind, stehen Zeugenbefragungen an. Beim Absturz in Oberhausen-Rheinhausen hätten Anwohner zum Beispiel den Helikopter gesehen, ehe dieser explodiert sei. "Das Flugzeug muss von der anderen Seite gekommen sein", sagt ein Augenzeuge gegenüber dem Südwestrundfunk.

Nach den Zeugen befragen die Untersuchungsleiter auch die zuständigen Lotsen, die den Luftraum überwacht haben und zuletzt Kontakt mit den verunglückten Schweizern hatten und diese auf den sich nährenden Rettungshubschrauber hingewiesen haben. "Ich sehe keinen Helikopter", sollen die letzten Worte des Piloten gewesen sein.

Mit diesen Informationen im Gepäck machen sie die BFU-Mitarbeiter auf den Weg in die Zentrale nach Braunschweig (Niedersachsen). Je nach Bedarf werden auch Wrackteile mit in den Norden Deutschlands genommen, um diese genauer zu analysieren. "Das ist aber diesmal nicht der Fall", sagt Freitag.

In den Büros und Labors der BFU werden die gesammelten Informationen ausgewertet. Dafür werden zunächst Theorien aufgestellt und anschliessend Beweise gesammelt, um den Unfallhergang zu rekonstruieren. Dabei gilt der Dreiklang: Mensch, Maschine, Umwelt.

Papierkram

Diese Untersuchung beinhaltet viel Papierkram. Die Untersucher überprüfen die Ausweise der beteiligten Personen: Wer sind sie? Gibt es ärztliche Gutachten? Haben sie eine gültige Pilotenlizenz? Auch Informationen zum Material werden gesichtet: Wann wurde die Maschine gewartet? Wie alt war sie? Hatte sie Mängel? In Zusammenarbeit mit dem deutschen Wetterdienst wird auch die Wetterlage zum Unfallzeitpunkt analysiert. Wie war die Sicht? Gab es Niederschlag? Stürmte es? 

Wenn sich dann die Anzeichen verdichten, dass eine Theorie richtig ist, schreibt einer der Unfalluntersucher den Bericht. Dieser ist meist zwei bis drei Monate nach dem Unfall fertig und wird online veröffentlicht. Bei besonderen Fällen gibt das BFU dann auch eine Sicherheitsempfehlung durch, deren Einhaltung das Fliegen in Zukunft sicherer machen soll.

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