Basel

«Jeder kann Zauberwürfel lösen»: Teilnehmer messen sich im Speedcubing

Am «Basel Open 2020» bewiesen die Teilnehmer aus über 25 Ländern Fingerspitzengefühl einer speziellen Disziplin.

Mikal ist Dreizehn. Und löst einen 3x3x3 Zauberwürfel in 17 Sekunden. An der ersten Basler Meisterschaft im Speedcubing misst sich der Kölner Schüler mit Gleichgesinnten. Und hofft, dabei seine Rekordzeit halten zu können. In der Halle 7 der Messe Basel herrscht konzentrierte Stille, das permanente Klicken der Würfel bildet die einzige Geräuschkulisse. Auf Hintergrundmusik oder Lautsprecheransagen wird verzichtet – unser Fotograf wird gebeten, keinen Blitz zu verwenden.
Konzentriert drehen und wenden die Wettbewerbsteilnehmer die Steine ihrer Drehpuzzles in Sekundenschnelle – kurz darauf erscheint die erreichte Zeit auf der Leinwand. In der Lounge warten Familien, Kleinkinder spielen auf Tablets.

Den Schwarm mit Speedcubing beeindrucken

Viele der Teilnehmer sind minderjährig – sie gehören zu einer Generation von Cubern, die sich mithilfe von Youtube-Tutorials Lösungsstrategien beibringen. Einer von ihnen ist Mikal, der mit seiner stolzen Mama ein Wochenende in Basel verbringt. «Ich will schneller werden», betont er. Hohe Ziele habe er sich jedoch nicht gesteckt, Speedcubing mache ihm einfach Spass, sagt der Junge und dreht dabei unentwegt an seinem Würfel.

Nebst seiner Lieblingsbeschäftigung spiele er in seiner Freizeit Cello und schwimme. «Ich bin einfach beeindruckt, wie motiviert er ist», schwärmt seine Mama.

Mit seinen Cuber-Qualitäten hat auch der Organisator Ioannis Papadopoulos als 16-jähriger seinen damaligen Schwarm fasziniert. «Sie interessierte sich für die Zauberwürfel und ich wollte sie beeindrucken», sagt der heute 26-jährige schmunzelnd. Also habe er trainiert, vier Jahre später die ersten Turniere bestritten und 2017 den ersten Schweizer Speedcubing-Verein gegründet. Mit mehr als einem Dutzend Turniere pro Jahr erreiche man eine hohe Dichte an Übungsfeldern, in denen man sich untereinander austauschen könne. «In der Szene hilft jeder dem anderen», betont Papadopoulos.

In der öffentlichen Wahrnehmung sei man jedoch kaum präsent, bedauert Papadopoulos. Er wolle in den Primarschulen, bei den Dritt- bis Fünftklässlern ansetzen. «Einen Würfel kann jeder lösen», ist der schlanke Brillenträger überzeugt und klärt uns über verschiedene Typen von Speedcubern, die nicht per se Nerds seien, auf. Er sei ein Allrounder, andere seien in einzelnen Disziplinen stark. Und dann gebe es noch den gemütlichen Cuber.

Nur eine einzige Frau im Teilnehmer-Feld

Kurz nach 15 Uhr wird es ernst: Erfahrene Cuber treten mit Augenbinden an. «Blind lösen wir die Würfel mit einem Plan im Kopf», sagt Nuno Ricardo, der an der letzten Weltmeisterschaft teilnahm. Es wird um absolute Stille gebeten.

Ein Teilnehmer setzt seine Augenbinde auf und stampft kurz darauf ob dem Anblick seines richtig gelösten Würfels mit den Füssen. «Dreimal nacheinander wollte ich es schon immer schaffen!» Der Liestaler frohlockt, blickt anerkennend zu der einzigen Teilnehmerin und sagt: «Sie schafft es in der Hälfte meiner Zeit.»

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