Sicherheit

Jeder Tote ist einer zuviel: Die Pfalz beim Basler Münster soll gegen Suizide gerüstet werden

Das Basler Münster: Die Türme – aber auch die Pfalz – sollen mit baulichen Massnahmen versehen werden.

Einst war von Sicherheitsnetzen die Rede: Der Basler LDP-Grossrat Felix Eymann fordert jetzt griffige Sicherheitsmassnahmen bei der Pfalzmauer hinter dem Münster.

Das Jahr 2009 erschien besonders tragisch. Gleich vier Personen stürzten damals von der Basler Pfalzmauer in den Tod. In mindestens drei Fällen ging die Staatsanwaltschaft von einem Suizid aus.

Erst als sich ein betagter Mann das Leben genommen hatte, erwägten die Behörden Massnahmen zur Verhinderung weiterer Fälle. Von Sicherheitsnetzen war die Rede. Oder von Nottelefonen, wie es sie in der Schweiz auf vereinzelten Brücken gibt. Suizidwillige haben so die Möglichkeit, sich im allerletzten Moment doch noch Hilfe zu holen.

Doch es blieb bei halbherzigen Überlegungen. Passiert ist nichts. Geblieben ist damit aber auch das Problem. Jahr für Jahr stürzen sich fünf bis sechs Personen in ihrer Verzweiflung von der 18 Meter hohen Mauer in die Tiefe – oft sind es junge Menschen. Immer wieder endet der Fall nicht im Tod. Mit schwersten Verletzungen und entsprechenden Folgeschäden landen viele im Rollstuhl, weiss der Basler Arzt und LDP-Grossrat Felix Eymann.

«Später bereuen viele, was sie getan haben»

Eymann kennt selber einen Fall aus seinem Bekanntenkreis. Die Mutter habe sich an ihn gewandt. Genauso wie eine Chefärztin der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK): Die Politik solle etwas unternehmen. «Denn nach einer psychiatrischen Betreuung bereuen viele Betroffene später, was sie getan haben», erzählt Eymann. Für ihn ist klar: «Es besteht Handlungsbedarf.» Per Interpellation fragt der Liberaldemokrat deshalb die Regierung an, ob ein «zeitnahes Anbringen» von Sicherheitseinrichtungen möglich sei.

Die Basler Pfalz.

  

Noch vor zehn Jahren wollten die Behörden von zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen an der Pfalz nichts wissen. Man müsse schlichtweg damit leben, dass es Menschen gebe, die sich das Leben nehmen, hatte das Bau- und Verkehrsdepartement damals erklärt. Man könne nicht jede Stelle in der Stadt, an der ein Suizid theoretisch möglich wäre, mit baulichen Massnahmen absichern.

Andere Städte haben bereits gehandelt

LDP-Grossrat Eymann lässt sich davon nicht beeindrucken. Es sei eben nie ein konkretes Thema im Parlament gewesen, weshalb es offensichtlich wieder versandet sei. Das soll sich nun ändern. Denn offensichtlich würden solche Sicherheitsmassnahmen zur Prävention nützen. «Das zeigt sich beim Wasserturm, der früher im Fokus gestanden ist», sagt Eymann.

Der Wasserturm auf dem Bruderholz.

Der Wasserturm auf dem Bruderholz.

Auch andere Schweizer Städte haben gehandelt. So hat Freiburg im vergangenen Herbst auf der Zähringerbrücke Sicherheitsnetze zur Suizidprävention anbringen lassen. Auch die Stadt Bern hat an der Kirchenfeld- und der Kornhausbrücke horizontale Schutznetze installieren lassen. Diese erlauben weiter die uneingeschränkte Sicht von den Brücken auf die Stadt, den Aareraum, die Landschaft und die Berge.

Dieses Modell könnte sich Eymann auch für Basel vorstellen: «Auch wenn ein Menschenleben natürlich immer vorgeht, würden solche Sicherheitsnetze das Stadtbild möglicherweise weniger beeinträchtigen als ein hässlicher Zaun.» Immerhin handle es sich um einen bedeutenden Aussichtspunkt der Stadt. Letztlich aber müssten Experten beurteilen, welches die sinnvollste Lösung wäre.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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