Die Grenzen des Wachstums sind immer noch nicht abzusehen: 52 000 Kundenkarten hat der Lieferadress-Service (LAS) Burg im deutschen Weil am Rhein mittlerweile ausgegeben – vor drei Jahren waren es noch 30 000. Die Möglichkeit, gegen eine Gebühr Briefe und Päckli an eine deutsche Adresse senden zu lassen, macht vor allem für Schweizer Sinn, und diese nutzen sie intensiv – rund 90 Prozent der Kunden kommen aus der Schweiz.

Keine Lieferung in die Schweiz

Die Gründe dafür sind vielfältig: Viele Firmen schicken ihre Lieferungen nicht in die Schweiz. Wenn doch, fallen oft hohe Gebühren für Zoll, Post oder Spedition an, die bisweilen den Wert der bestellten Sendung übersteigen. Auch gibt es die deutsche Mehrwertsteuer zurück. Zudem verlangt die Deutsche Post, wenn man mit Schweizer Wohnsitz ein Paket aufgeben will, eine deutschen Absender-Adresse.

Laut Seniorchef Roland Burg, der den Familienbetrieb mit seinem Sohn betreibt, kommen 20 000 Kunden aus Basel-Stadt, 20 000 aus dem Baselbiet und 8000 aus der übrigen Schweiz. Es gibt zwar Karten, die nicht benutzt werden, aber das ist eine Minderheit. Mittlerweile verfügt jeder zehnte Basler über eine Lieferadresse in Weil am Rhein.

200 Neuanmeldungen pro Woche

In der Zeit vor Weihnachten steigen die Neuanmeldungen pro Woche auf 200. Weil dann am meisten los ist, werden die Öffnungszeiten im Dezember von 19 auf 20 Uhr verlängert. Die Hauptfiliale an der Hauptstrasse 396 im Weil Friedlingen ist mehr als ausgelastet, obwohl sie mehrmals erweitert worden ist und jetzt zehn Schalter und 650 Quadratmeter Lagerfläche umfasst. «Mehr ist aus baurechtlichen und verkehrsplanerischen Gründen nicht drin. Es ist ausgereizt», erklärt Burg.

Wenn am Freitagnachmittag oder Samstag das Parking mit seinen 30 Plätzen voll ist, staut sich der Verkehr bis in die Hauptstrasse zurück und blockiert dort auch das Tram. Um diese Probleme zu lösen, hat der LAS vor rund fünf Wochen in der Colmarerstrasse 10, im gleichen Quartier, einen neuen Standort eröffnet.

Dorthin können auch grosse Pakete oder ganze Paletten geliefert werden – er übernimmt somit die Aufgaben des zweiten Standorts an der Grenzstrasse, der geschlossen wurde. «Der Standort an der Colmarerstrasse wurde vollkommen neu konzipiert und umfasst 1000 Quadratmeter», berichtet Burg. Derzeit gibt es dort vier Schalter, möglich sind acht.

Aufwendiger Adresswechsel

Da es bei einer Auslastung von 35 Prozent im Unterschied zur Hauptstrasse noch viel Platz gibt, versucht die LAS die Kunden zum Wechsel an den neuen Standort zu bewegen. Dazu motivieren soll ein Gewinnspiel, das sich der Betrieb etwas kosten lässt. Als Preise wurden unter anderem ein Helikopterflug auf den Jungfraugletscher mit Übernachtung im Sterne Hotel oder ein iPhone 7 ausgelobt.

Burg räumt ein, dass es für Kunden, welche die alte Adresse bei 20 bis 30 Lieferanten angegeben hätten, aufwendig sei, diese zu ändern. Da die Kundenkartei der beiden Adressen zusammengelegt worden sind, braucht aber niemand seine Kundenkarte zu erneuern; sie gilt für beide Standorte. Hat er zwei Kundenkarten, muss er sich allerdings für eine entscheiden. Wer seine Sendungen in der Colmarerstrasse abholen will, muss neu diese Adresse angeben. Kundennummer, Pin für die Abholung, Postleitzahl und Ort bleiben gleich. Mit dem Auto ist der neue Standort, der in der Nähe des neuen Parkings von Endress & Hauser liegt, sogar besser zu erreichen, zu Fuss sind es gut 200 Meter von der 8er-Tramhaltestelle Dreiländerbrücke.

Die Geschäftsidee für die LAS ist entstanden, weil die Annahmestelle für Toto und Lotto in Weil Friedlingen regelmässig schlechter lief. Anfangs wurden die Sendungen noch per Alphabet geordnet. Seit 2010 gibt es ein Informatik-gesteuertes System mit Kundenkarten. Bei Abholung der Sendung wird eine für Briefe bescheidene Gebühr fällig. Päckli kosten je nach Gewicht und Grösse bis 13.50 Euro, eine ganze Palette wird mit 21 Euro berechnet.

Anfang nächsten Jahres feiert die LAS ihr zehnjähriges Bestehen, ob es einen besonderen Anlass gibt, ist noch nicht klar.