Universität Basel
Jeder Zweite bricht seine Dissertation ab

Viele Doktoranden weilen sechs Jahre und länger an ihrer Arbeit – das stösst insbesondere bei Politikern auf Kritik.

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An der philosophisch-historischen Fakultät brauchen die Doktoranden und Doktorandinnen länger für ihre Arbeit.

An der philosophisch-historischen Fakultät brauchen die Doktoranden und Doktorandinnen länger für ihre Arbeit.

Juri Junkov

An der Universität Basel wird an einzelnen Fakultäten die Hälfte der begonnenen Doktorate abgebrochen. Tief ist die Erfolgsquote insbesondere an der Juristischen (52 %) und an der Philosophisch-Historischen Fakultät (51 %). An der Theologischen Fakultät schaffen bloss
49 Prozent die Dissertation, allerdings ist hier die Aussagekraft wegen der tiefen Zahl der Doktorierenden beschränkt.

Die Zahlen gehen aus Antworten der Baselbieter Regierung auf eine Interpellation von Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr hervor. Gründe für den Abbruch werden nicht erfasst. Höher ist die Erfolgsquote an der Medizinischen (60 %) und der Psychologischen Fakultät (61 %), am höchsten an der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen (75 %) und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (84 %).

Dr. phil. I brauchen am längsten

Grosse Unterschiede zeigen sich auch in der durchschnittlichen Länge der erfolgreich abgeschlossenen Doktorate: Am längsten an der Dissertation weilen die Doktorierenden an der Philosophisch-Historischen Fakultät mit knapp 12 Semestern (6 Jahre), gefolgt von jenen der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit 10,3 Semestern. Die kürzeste Promotionsdauer ist an der Medizinischen Fakultät zu beobachten mit durchschnittlich 5,7 Semestern.

An der Universität Basel gibts keine generellen und verbindlichen Vorgaben zur Dauer der Promotion. Diese werden in individuellen Vereinbarungen zwischen Doktorierenden und Betreuern festgelegt. An der Medizinischen Fakultät werden als Richtwert drei Jahre genannt. Auch an anderen Schweizer Unis sind klare Vorgaben zur Dauer die Ausnahme. Relativ streng ist die Universität Zürich: Dort sollte das Dissertationsprojekt so angelegt sein, dass es in drei Jahren abgeschlossen werden kann.

Landrat Kirchmayr würde es begrüssen, wenn an der Uni Basel Richtlinien zur Dauer eines Doktorats eingeführt würden. Allerdings sei eine verbindliche Regel wohl etwas übertrieben – es gebe teilweise gute Gründe, die ein Dissertationsprojekt verzögerten. Die lange Dauer ist seiner Ansicht nach weniger ein Kostenproblem; deswegen würden an der Uni nicht mehr Doktorandenstellen angeboten. Diese Stellen seien aber blockiert und die Doktorierenden stünden der Wirtschaft später zur Verfügung – zahlten folglich auch später Steuern.

«700 Seiten sind Katastrophe»

«Lang dauernde Doktorarbeiten sind kaum ein Zeichen von hoher Qualität», ist Kirchmayr überzeugt. Eher deuteten diese auf ein Betreuungsproblem hin. Es gebe zudem keinen wissenschaftlichen Grund, warum sich die Arbeit an einer Dissertation so lange hinziehen müsse – im Gegenteil: In vielen Bereichen ist die Entwicklung derart dynamisch, dass das Forschungsthema drohe von der Realität überholt zu werden.

Das gleiche gelte für den Umfang. «Eine siebenjährige Dissertation mit 600 bis 700 Seiten ist für alle Beteiligten eine Katastrophe», findet Kirchmayr.