Basel
Jedes Mal, wenn in Basel ein Haus verkauft wird, verdient der Kanton daran

Von den Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt profitiert auch der Kanton – auf verschiedene Arten. In den letzten drei Jahren nahm der Kanton Basel-Stadt jährlich zwischen 60 und 99 Millionen Franken ein.

Moritz Kaufmannund und Stefan Schuppli
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Die Preise für Wohnungen, Häuser, und Grundstücke kannten in den letzten Jahren eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Davon profitierten Grundstückbesitzer wie Spekulanten – aber nicht nur. Das halbjährlich erscheinende «Immo-Monitoring» der Immobilien-Beratungsfirma Wüest & Partner zeigt auf, dass auch der Staat – insbesondere die Kantone – mitverdient. Und zwar auf unterschiedliche Arten.

Zwischen 60 und 99 Millionen

Basel gehört zu einem jener 18 Kantone, die eine Handänderungssteuer erheben. Diese fällt an, wenn eine Liegenschaft den Eigentümer wechselt. Die Handänderungssteuer berechnet sich über den Kaufpreis. Jedes Mal, wenn in Basel ein Haus verkauft wird, verdient der Kanton daran. Und solange die Immobilienpreise steigen, fliesst jedes Mal mehr Geld.

Ein ähnlicher Effekt spielt bei der Grundstückgewinnsteuer. Diese wird fällig, wenn eine Immobilie mit Gewinn verkauft wird. Auch hier gilt: je höher die Preise der verkauften Wohnungen und Häuser, desto mehr springt für den Kanton raus.

In den letzten drei Jahren nahm der Kanton Basel-Stadt über diese beiden Steuerarten laut dem Finanzdepartment jährlich zwischen 60 und 99 Millionen Franken ein (siehe Tabelle). Die Einnahmen schwanken teilweise stark, wobei insbesondere im 2011 viel Geld in die Staatskassen floss. Kaspar Sutter, Generalsekretär im Finanzdepartement, sagt aber: «Ob der Ertragsanstieg aufgrund einer grösseren Anzahl Verkäufe oder aufgrund höherer Preise entstanden ist, können wir nicht sagen.»

Tiefe Zinsen, hohe Steuern

Ein weiterer spezieller Umstand war für den Kanton gewinnbringend, ohne dass er etwas dafür tun musste: Die Zinsen verharren seit Jahren auf tiefem Niveau. Zwar zahlen Liegenschaftsbesitzer, die selbst in ihren Wohnungen leben, so weniger Hypozins pro Jahr. Sie können deshalb aber auch entsprechend weniger von den Steuern abziehen. Folgendes Beispiel veranschaulicht dies:

Wenn jemand vor 15 Jahren eine Hypothek von 500 000 Franken zu fünf Prozent hatte, zahlte er einen Hypozins von 25 000 Franken pro Jahr. Heute bezahlt der Eigenheimbesitzer mit einer Libor-Hypothek im Idealfall 0,8 Prozent oder 4000 Franken. Das ergibt eine Differenz von 21 000 Franken. Allerdings kann er entsprechend weniger an der Steuer abziehen. Bei einem Steuersatz von 23 Prozent bezahlt er also 4400 Franken mehr Steuern. Pro Milliarde ausstehenden Hypotheken macht das 8,8 Millionen Steuer-Mehrertrag. Allein die Basler Kantonalbank hat knapp 10 Milliarden ausstehende Hypotheken. Für den Kanton dürfte dank der tiefen Zinsen also einiges zusammenkommen.

Basel macht Mischrechnung

Kaspar Sutter vom Finanzdepartement relativiert den Effekt mit den tiefen Steuern jedoch. Er macht eine Mischrechnung: «Wir gehen davon aus, dass sich tiefe Hypothekarzinsen durch tiefe Sparzinserträge kompensieren.» Mit anderen Worten: Zwar nehme der Staat durch tiefe Hypozinsen mehr ein, dafür kann er über die Einkommenssteuer weniger einnehmen. Schliesslich seien auch die Sparzinserträge tiefer.

Und: Auch wenn die hohen Immobilienpreise und die tiefen Zinsen nun schon eine länger anhaltende Entwicklung sind, können sie doch immer wieder umschlagen. Das wird dann auch der Kanton spüren.