Graziös sitzt Manyara im Sand. Beinahe überheblich könnte man meinen, wie sie sich mit gestrecktem Hals und geschlossenen Augen keinen Millimeter bewegt. Was nach Langeweile aussieht, ist harte Arbeit. Die Henne ist dieser Tage daran, ihren Nachwuchs auszubrüten. Der Zeitpunkt ist ungewöhnlich, geschieht doch die Brut in freier Wildbahn im Frühling. Im Zolli werde die Brutzeit von Menschenhand gesteuert, erklärt Kuratorin Friederike von Houwald. «Damit die kleinen Strausse während der Winterzeit ihr Haus kennenlernen können, und nicht während der schönsten Jahreszeit drin weilen.»

Im Oktober machte sich Straussenhahn Baringo daran, seine Angebetete mit schwingenden Flügeln und hupenden Balzlauten zu bezirzen, es folgte die Paarung. Bis jetzt hat Manyara acht Eier im Nest. Alle seien befruchtet, wie das Durchleuchten mit einer Lichtquelle bewiesen habe, so von Houwald. Wenn alles mit dem Ei in Ordnung sei, könne man darin Schatten erkennen.

Im Zolli sind alle Eier zwischen Manyara und Baringo entstanden. In der Natur ist das anders: In der Balzzeit lockt der Straussenhahn mehrere Hennen in sein Territorium. Damit dieses attraktiver wird, legt er mehrere Nester an. Er baut keine «Schlösser», wie andere Vogelarten, sondern lockert einfach die Erde. Gemäss von Houwald kristallisiere sich mit der Zeit eine Haupthenne heraus, die auserwählt ist, die Eier auszubrüten. Allerdings nicht nur ihre eigenen. Die zig Nebenhennen platzieren ihre Eier clever neben diejenigen der Haupthenne – und haben so mit der Brut nichts mehr zu tun.

Zwar muss die Haupthenne die mühsame Arbeit verrichten. Andererseits hat sie es in der Hand, aus welchen Eiern Küken schlüpfen. Also achtet sie darauf, dass ihre eigenen durchkommen. «Die Hennen erkennen anhand der Muster auf den Schalen, welche die eigenen sind und platzieren diese bevorzugt in der Nestmitte», so Houwald.

Ein Straussenei = 24 Hühnereier

Der Basler Hahn Baringo überlässt nicht die ganze Brut Manyara. Noch bevor das letzte Ei gelegt war – ein Ei kann bis zu 1600 Gramm schwer sein und ein Volumen von 24 Hühnereiern annehmen –, setzte sich das 21-jährige Männchen auf das Nest. Der Hütedienst sei bei den Straussen streng nach Fahrplan organisiert. Nachts brütet der Hahn, tagsüber die Henne. Ist nach 42 Tagen die Zeit für die Kleinen gekommen zu schlüpfen, passiert auch dies auf wundersame Weise. Anders als die Küken von Hühnern verfügen die kleinen Strausse über keinen Eizahn. Das heisst, um die Eierschale zu knacken, stemmt das schlüpfende Küken seine Beine gegen die Schale und kann diese von innen sprengen.

Dieses Szenario wird sich im Zolli um den 14. Dezember herum abspielen.

Geheimnisvolle Riesenseepocken

Geheimnisvolle Riesenseepocken

Im Zoo Basel sind jetzt wieder nordpazifische Riesenseepocken zu sehen. Fast niemand würde in dem sesshaften Meeresbewohner mit der harten Schale einen Krebs vermuten. Unter den Seepocken ist dieser Krebs ein echter Riese: Seine Kalkschalen können mehr als zehn Zentimeter Durchmesser haben. Geheimnisvoll ist nicht nur die in der Schale versteckte Lebensweise der Seepocken, wie der Zoo Basel schreibt. Ihr Lebenszyklus ist so kompliziert, dass erst längere Forschung Aufschluss gab. Seepocken können sich nur als Larven fortbewegen, indem sie sich von der Strömung treiben lassen. Wird die Larve zufälligerweise an einen Felsen geschwemmt, „klebt“ sie sich dort Kopf voran auf den Untergrund und lässt eine dicht verschliessbare Kalkschale um sich herum wachsen. Einmal festgesetzt, kann sich eine Seepocke nie mehr vom Fleck bewegen, auch nicht, um Nahrung zu suchen. Diese muss zur Seepocke gelangen und nicht umgekehrt. Mit speziell geformten „Rankenfüssen“ filtriert sie Meeresplankton aus dem Wasser. Abwehr von unerwünschten Annäherungsversuchen Seepocken sind Zwitter. Die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sind jedoch nie gleichzeitig funktionstüchtig, selber befruchten können sie sich also nicht. Doch wie findet man einen Partner, wenn man am Untergrund festgewachsen ist? Hierbei erweist es sich als besonders praktisch, dass das männliche Begattungsorgan mindestens zehnmal länger ist als der Körper. Mit diesem „Teleskop“ werden die aktuellen Nachbar-Weibchen befummelt. Weibchen, denen das zu bunt wird, wehren sich, indem sie die Schalenklappen schnell verschliessen. Der Verschluss ist sehr scharf und kräftig, der Störenfried ist also angehalten, sich zu beeilen…. Nachmieter gesucht Leere Seepockenschalen bleiben meist nicht lange unbewohnt. In der Natur wie auch im Vivarium finden Fische oder Krabben darin ein Zuhause. Ein besonders hübsch getarnter Nachmieter ist die Grunzgroppe, ein kleiner Fisch, der sich als „Inhalt“ einer Riesenseepocke tarnt. Der flüchtige Betrachter könnte glauben, den Verschluss der Seepocke vor sich zu haben. Auch Grunzgroppen haben ein pikantes Liebesleben: Das Weibchen treibt während der Fortpflanzungszeit das Männchen ihrer Wahl in eine Seepockenschale und hält es dort „gefangen“. Erst wenn es die Eier des Weibchens wunschgemäss befruchtet hat, wird es wieder auf freien Fuss gesetzt. Wo die Riesen wohnen Riesenseepocken sind nicht die einzigen Riesen in ihrem Lebensraum. Ihre Heimat, der Nordpazifik, ist geradezu ein „Riesenland“. Warum es gerade dort Riesenkrabben, Riesenoktopusse, Riesenseeanemonen und See-Elefanten gibt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass wegen der tiefen Wassertemperaturen viel Sauerstoff und CO2 im Wasser gelöst ist und viele Nährstoffe und viel Plankton im Wasser schwimmen. Anders als an Land, hat die Grösse im Meer auch keine Nachteile. Gewicht ist kein störender Faktor unter Wasser, jedoch kann man mit grösserem Körper mehr Nahrung filtrieren oder grössere Nahrung jagen.