Seit Freitag stehen am Hafen, beim Ex-Esso-Areal, einige Wohnwagen von Fahrenden. Doch nicht mehr lange, wenn sie die Drohungen der anderen Arealnutzer ernst nehmen: Der Verein «I-Land», der das Areal vom Kanton gemietet hat, fordert die Fahrenden schriftlich dazu auf, das Gelände zu räumen.

Auf «Bitte» der Vermieterin Immobilien Basel-Stadt und des Präsidialdepartements, wie der Verein schreibt. Die Fahrenden selbst erklären, es seien die Wagenplatzleute, die sie vertrieben hätten: «Sie baten die Fahrenden, den Platz zu verlassen. Ansonsten müssten die Wagenplatzleute Strafanzeige einreichen», sagt Venanz Nobel vom Fahrenden-Verein «Schäft qwant».

Noch immer kein Standplatz

Die Lage am Hafen ist einigermassen unübersichtlich: Es gibt Zwischennutzer, die bei Immobilien Basel-Stadt eingemietet sind, die Vereine «Shift Mode» und «I-Land». Dazu gesellen sich die Bewohner des Wagenplatzes, die staatlich geduldet auf besetztem Gelände campieren. Und seit neuestem also echte Fahrende. Die machen mit ihren Wagen darauf aufmerksam, dass es in Basel noch immer keinen Standplatz für sie gibt, obwohl vom Bund so vorgesehen und im kantonalen Richtplan eingetragen.

Alle Beteiligten betonen, sie hätten ein «gutes Verhältnis» zueinander. «Shift Mode» und «I-Land» äussern grosses Verständnis für die Anliegen der Jenischen. Inoffiziell wird aber rasch klar, dass sich die Mieter und die Wagenleute nach wie vor wenig grün sind. Die Jenischen betonen, der Lebensstil der Wagenplatzleute sei «selbst gewählt», nur sie selbst jedoch seien «genuine Fahrende». Die Fahrenden haben also wenig Verständnis dafür, dass die Wagenplatz-Hobby-Zigeuner sich einfach nahmen, wofür sie selbst seit Jahrzehnten auf dem politischen Weg kämpfen und so die Duldung durch den Staat erzwungen haben.

In einem Brief an Regierungspräsident Guy Morin machen die Vereinigungen «Schäft qwant» und «Radgenossenschaft» ihrem Ärger Luft: «Wir fordern Sie auf, in dieser Sache aktiv zu werden und der betroffenen Gruppe Fahrender als dringliches Provisorium eine Duldung entweder auf dem genannten Gelände oder einem Alternativstandort zu ermöglichen.» Morin verspricht gegenüber der bz, der Kanton bemühe sich um eine Lösung.

Der Staat sucht noch

Die Suche nach einem Standort laufe weiter, sagt der Sprecher des zuständigen Baudepartementes, Marc Keller: «Gesucht wird eine freie Fläche, die zonenrechtlich zum Wohnen genutzt werden kann. Dabei sind eine verkehrsgünstige Lage für die Fahrenden sowie geringe zu befürchtende Nutzungskonflikte Hauptkriterien.»

Daniel Huber von der Radgenossenschaft hofft auf eine baldige Antwort: «Wir führten vor einem halben Jahr mit der Stadt Basel eine Diskussion um einen Standplatz für Fahrende. Damals hiess es, man sei bemüht, eine Lösung zu finden.» Nun habe man eine symbolische Präsenz am Hafen, um auf die Dringlichkeit des Anliegens hinzuweisen. Im Hafenareal ist Wohnen aus zonenrechtlichen Gründen nicht möglich – ausser für die «tolerierten» Wagenleute. Da Immobilien Basel-Stadt die Areale vermietet hat, kann der Kanton die Zwischennutzer-Vereine in allen Streitigkeiten vorschicken.

Anzeige droht

Diese Funktion bezeichnet Fabian Müller von «I-Land» als einen «für uns unangenehmen Part». Er empfiehlt den Jenischen denn auch ganz offen, ein Areal zu besetzen, «das direkt vom Kanton verwaltet» werde. Doch das Ultimatum von «I-Land» ist ebenso klar. Sind die Fahrenden heute mittag noch da, wird Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet.

Davon will Morin nichts hören: «Ganz sicher braucht es das nicht, da kann ich alle Beteiligten beruhigen. Wir müssen jetzt sorgfältig und im Gespräch Lösungen finden.»