Sommercasino

Jessica, Emily und sinnfreie Reime

Adam Green, Hoffnungsträger und Bestatter des Folk, kommt ins Sommercasino.

Er ist vieles, dieser Adam Green. Vor allem aber ist er schwer zu fassen. Am leichtesten umreisst man den 38-jährigen Folk-Sänger, indem man sich vor Augen führt, was er alles nicht ist: Er ist kein politischer Songwriter, kein wortverliebter Poet und – ist man ehrlich – auch kein sonderlich talentierter Sänger. Und dennoch ist er ein Musiker, den man nur schwer überhören kann.

Die Anti-Folk-Bewegung spülte den New Yorker kurz nach der Jahrtausendwende mit «Jessica» weltweit in die Charts. Zur geschrammelten Gitarre verneigt sich Green vor dem Pop-Sternchen Jessica Simpson, wobei die Wahl der Besungenen genauso zufällig ist wie manche der Textzeilen: «Tomorrow gets closer / A purple bulldozer / Is calling you on the phone» oder «You need a vacation to wake up the cavemen / And take them to Mexico».

Die Brummelstimme im Liebeslied

Doch hält sich Green mit seiner phlegmatischen Brummelstimme und den ungeniert einlullenden Streichern doch so weit an die Konventionen des Liebeslieds, dass «Jessica» auch ohne Ironie bestens funktioniert. Für seinen bislang grössten Hit «Emily» (2005) hat Green dieses Muster rezykliert. Auch hier sind Melodie und Arrangement eingängig und die Reime weitgehend sinnbefreit («Emily, sweet baby, won’t you be my wife? / Cutting me wide open with a kitchen knife»).

So wird Adam Green gleichermassen zum Hoffnungsträger des jüngeren Folk und zum Bestatter, der dieses notorisch bierernste Genre untergräbt und ad absurdum führt.

Auf Dauer hat ihm diese Doppelrolle offenbar nicht gereicht, weswegen er seinem letzten Album «Aladdin» (2016) einen abendfüllenden Pappmaché-Spielfilm zur Seite gestellt hat. Das aktuelle, zwei Monate junge Werk «Engine of Paradise» wird von einer Graphic Novel flankiert, einem satirischen Epos über den Krieg zwischen Menschen und Maschinen. Das macht womöglich sogar Sinn. Aber in der Live-Umsetzung ganz sicher Spass.

 

Sommercasino Basel
1. November, 21 Uhr

www.sommercasino.ch

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