Die Firma Jet-Aviation beschäftigt 720 Personen in der Flugzeugwartung und 600 im Flugzeuginnenausbau. Der Umzug betraf 12 Mitarbeitende. Die Marketingabteilung, ebenfalls 12 Stellen, verblieben in Zürich. Weltweit beschäftigt die Firma gegen 5000 Mitarbeitende. Jet Aviation hat schwere Zeiten hinter sich. In den Jahren 2009 und 2011 wurden rund 500 Stellen abgebaut. Seit vergangenem Jahr geht es wieder deutlich aufwärts. Jet Aviation will ab kommendem Sommer neu auch Lehrlinge ausbilden.

Auch andere Firmen wittern wieder Morgenluft. Amac Aerospace, Konkurrent von Jet Aviation, plant einen neuen Hangar. Die steigenden Passagierzahlen führen auch neuen Stellen bei Easyjet und der Abfertigungsgesellschaft Swissport.

Neil Boyle (50), Chef des Jet-Aviation-Innenausbaus, ist froh, dass diese schwierigen Zeiten vorbei sind. Seit Mitte 2013 sei wieder Wachstum angesagt, sagt er im Gespräch mit der bz. «Aber behutsames», wie er meint. Die Fehler von damals wolle man nicht wiederholen.

Besitzer- und Führungswechsel

Die Firma ging 2005 von der Familie Hirschmann in den Besitz der Beteiligungsfirma Permira, 2008 übernahm der US-Konzern General Dynamics. Laufende Führungswechsel, forsches Wachstum, organisatorische Mängel führten zu frustrierten Kunden im Ausbaubereich. Ein Desaster für die erfolgsverwöhnte Firma, die sich in den vergangenen knapp 40 Jahren mit dem Innenausbau von Luxusjets weltweit einen Namen geschaffen hatte.

Dann zog der neue Eigner die Notbremse. Rund 500 Stellen wurden 2009 und 2011 beim Flugzeugausbau und in der Verwaltung abgebaut. Es war eine der grössten Restrukturierungen in der Region. Teilweise konnten die betroffenen Angestellten, zumeist hoch qualifizierte Techniker und Handwerker, von der neu gegründeten Amac Aerospace übernommen werden. Verschlimmert wurde die Situation, als 2011 ein Kunde, der Besitzer einer Boeing 747-8, plötzlich starb. Für Jet Aviation bedeutete das der Wegfall von zwei bis drei Jahren Arbeit für 120 Ingenieure. Material war teilweise schon bestellt, ein Ersatzgeschäft war nicht in Sicht.

Doch mit Boyle hat der Wind gedreht. Qualitäts- und Terminsicherung zeigten Resultate. Bereits hätten sich wieder Kunden zurückgemeldet, die nunmehr 600-köpfige Belegschaft sei sehr motiviert. Die Optimierung der Prozesse sei eine Daueraufgabe. Beispielsweise soll ein Jet nicht länger als nötig im Hangar rumstehen. Also muss besser geplant und vorbereitet werden.

Design Studio – das Herz der Firma

Früher dauerte ein grosser Einbau 18 Monate, heute noch 12 oder weniger. Interessanterweise sieht Boyle in der Lufthansa Technik den Hauptkonkurrenten. Und nicht die Nachbarin Amac. Besonders stolz ist man bei Jet Aviation auf das Design Studio unter der Innenarchitektin Elisabeth Harvey. «Wir entwickeln hier die Einrichtungen in direktem Kontakt mit den Kunden», sagt sie. EDV-Visualisierungen spielen eine wichtige Rolle.

Die Konzeption eines Airbus A-340-600, eines der grössten Passgierflugzeuge der Welt, erforderte fünf bis sechs Monate Arbeit. Dabei geht es um die Auswahl der richtigen Materialien, die alle flugzertifiziert sein müssen – selbst das Leder für die Sitze. Für den Bau selbst sind dann bestqualifizierte Schreiner, Polsterer, Installateure und Elektroniker zuständig. Über die Kundschaft schweigt Jet Aviation beharrlich. Die ganz grossen Jets kommen unverkennbar aus dem Nahen Osten, einige sind Regierungs- und Firmenflugzeuge.

Das zweite Standbein von Jet Aviation ist die Wartung. Sie hat nicht den Einbruch erlebt wie der Flugzeug-Innenausbau, sagt Bereichsleiter Johannes Turzer. Auf dem Vorfeld und in den Hangars auf der Südostseite stehen rund 60 kleinere bis mittelgrosse Jets, an vielen wird gearbeitet. Hier sind nochmals 720 Wartungsspezialisten tätig, Tendenz steigend. Im laufenden Jahr sollen in der Produktion nochmals 25 Mitarbeiter eingestellt werden. Das Geschäft laufe ausgezeichnet.

Lehrlingsabteilung ab Sommer

Turzer baut ab Sommer 2014 auf dem Euro-Airport eine Lehrlingsabteilung für flugzeugbaunahe Handwerksberufe auf, zum Beispiel Metallspengler, Sattler, Schreiner, Tischler. In Düsseldorf, wo Jet Aviation zusammen mit Air Berlin ein Ausbildungszentrum mit 30 Lehrlingen betreibt, habe man sehr positive Erfahrungen gemacht. Hier in Basel denkt er an sechs, später acht Lehrstellen jährlich. «Wir müssen unseren Unterbau verbessern, sagt Turzer. Schade findet er, dass es in der Schweiz den Beruf des Flugzeuggerätmechanikers nicht gibt.